Der Platz um die Wallonisch-Niederländischen Kirche ist fertig

Grün, modern und fast autofrei

Hanau – Kindertauglich scheint er schon mal zu sein, der neu gestaltete Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche in der Innenstadt. Um das zu untermauern, lies der hauptamtliche Magistrat, als der Platz gestern in kleinem, coronagerechten Rahmen, der Öffentlichkeit übergeben wurde, erst einmal Matchbox-Autos über das dort eingelassene Denkmal sausen.

Dessen Erschaffer, Bildhauer Professor Claus Bury, schien dies zu gefallen. Er versteht seinen Neustadtplan als „erlebbares Kunstwerk, das sich auf Spielzeuge freut“. Das Denkmal ist eine stilisierte Darstellung des Grundrisses der 1597 gegründeten Neustadt, das dem Platz einen besonderen Akzent geben soll,

Das Kunstwerk aus hellem Granit fügt sich in die großzügige Rasenfläche ein, auf der junge, hochstämmige Bäume bald Schatten spenden sollen. Die Pflasterflächen sind hell-dunkel gestreift, wirken nüchtern, dabei freundlich und modern. So wie der helle Asphalt der umliegenden Straßen. Er soll einer übermäßigen Erwärmung im Sommer vorbeugen.

Die gute Laune, die bei der gestrigen Platzeröffnung verströmt wurde, war nicht immer so. Nach einem Bürgerbeteiligungswochenende vor drei Jahren und bevor es im März 2019 mit den Bauarbeiten losging, formierte sich nicht nur eine Bürgerinitiative, die sich für einen komplett autofreien Platz aussprach. Auch die Wochenmarktbeschicker machten mobil, drohten gar mit Streik, würden die Parkplätze an der Wallonischen vollständig gestrichen. Die Meinung der Stadtgesellschaft über die Parkplätze an der Kirche ging und geht noch immer stark auseinander.

Die Lösung: „Ein Kompromiss“, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sagt, fand die Stadt in der goldenen Mitte – auch wenn, so ließ es der OB durchblicken, diese wohl nicht allzu lange andauern dürfte: An den Rändern des Platzes sind 40 Parkplätze verblieben. Der Platz an sich ist autofrei, also Fußgängerzone. Vor der Umgestaltung gab es rund um die Kirche 180 Parkplätze.

Die verbliebenen Parkplätze könnten unproblematisch weggenommen werden, so der OB. „Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Es ist sehr gut denkbar, dass die Parkplätze in ein paar Jahren wegkommen. Man muss die Verkehrsentwicklung in der Innenstadt beobachten.“

Kritiker rechnen mit erhöhtem Parksuchverkehr in dem Bereich um die Kirche (wir berichteten). Dem will die Stadt mit an die Tiefgarage Am Markt angepassten Parkgebühren begegnen.

Andere Sorgen hat eine Anwohnerin. Zwar findet sie für den multifunktionalen Platz, der zum sozialen Miteinander, zum Verweilen, Spielen und Sport machen einladen soll, viel Lob, beobachtet aber bereits jetzt, dass sich Müll auf den Rasenflächen befindet: „Ich wohne seit über zwei Jahren an der Französischen Allee, konnte von dort aus den gesamten Umbau mit verfolgen und muss sagen, dass es gar kein Vergleich zu vorher ist. Diese wunderbar schöne strenge Linie passt hervorragend zur Kirche. Und ich beobachte, dass das Areal bereits von den Menschen angenommen wird. Ich hoffe nur, dass der Platz nicht vermüllt wird“, sagt Gisela Illert.

Aktuell noch im Bau befindet sich der an die Südseite des Platzes angrenzende Gebäudekomplex der Nassauischen Heimstätte. Er entsteht zwischen Kirchplatz und Gärtnerstraße. Die übrigen den Platz umgebenden Straßen sind mittlerweile umgebaut: ebenerdig ohne Bordsteine und mit mehr Raum für den Fußverkehr. Der Norden inklusive Paradiesgasse ist Fußgängerzone; die anderen Platzseiten sind verkehrsberuhigt für motorisierte Fahrzeuge.

Nach der Fertigstellung des Kirchplatzes an der Wallonisch-Niederländischen sollte eigentlich mit dem Umbau des Schlossplatzes begonnen werden. Doch der liegt – wegen der coronabedingten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – auf Eis. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt Kaminsky und nennt das Jahr 2022 als neues Datum, um nach Marktplatz, Freiheitsplatz, Altstädter Markt und jetzt dem Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche auch den letzten der fünf großen Plätze der Grimmstadt aufzuwerten und im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen.

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Platzführungen

Wer sich über das Kunstwerk „Neustadtplan“ informieren will, hat dazu Gelegenheit am heutigen Samstag, 26. September, um 11 und 12 Uhr sowie 15 und 16 Uhr zusammen mit Bildhauer Claus Bury und Martin Hoppe, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen. Bei starkem Regen fallen die Führungen aus.

Von Kerstin Biehl

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