Potenzial für attraktiveren Schienenverkehr

Gutachten bescheinigt positive Gesamtperspektive für Hanau

Der Hanauer Hauptbahnhof wird laut eines Gutachtens durch den Deutschlandplan 2030 attraktiver. ARCHIV
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Der Hanauer Hauptbahnhof wird laut eines Gutachtens durch den Deutschlandplan 2030 attraktiver. ARCHIV

Die Schiene ist der große Hoffnungsträger der Verkehrswende. Doch dafür gilt es, die Angebote der Bahn zu verbessern, vor allem in Hinblick auf Schnelligkeit und Direktverbindungen. Dafür soll der sogenannte Deutschlandtakt 2030 sorgen – eine Abstimmung der Fahrpläne der ganzen Republik untereinander.

Hanau – In Hinblick darauf, aber auch um weitere Potenziale für einen attraktiveren inner- wie auch überregionalen Schienenverkehr auszuarbeiten, haben die Stadt Hanau, der Main-Kinzig-Kreis und die Industrie und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern (IHK) ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse gestern im Rahmen einer Online-Pressekonferenz vorgestellt wurde.

„30 Minuten Takt im Fernverkehr zwischen deutschen Großstädten ist das angepeilte Ziel“, umriss Sebastian Brieger einen der Kernpunkte des Deutschlandtakts. Brieger kümmert sich beim Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) um die Projektkoordinierung Schienenverkehr und hat sich intensiv mit Deutschlandtakt und Gutachten auseinandergesetzt.

An die Fernverkehr-Taktung angepasst werden sollen die Fahrpläne für den Regionalverkehr, die sich dann alle Stunde wiederholen sollen. „Das Ziel ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz, der dadurch geleistet wird, dass mehr Personen und Güter von der Straße auf die Schiene gebracht werden“, so Brieger. Einen Anreiz dies zu tun sollen attraktive Verbindungen und Umsteigezeiten bringen. Doch dafür sind Optimierungen erforderlich. Das formulierte Ziel des Deutschlandplans ist es, doppelt so viele Fahrgäste zu akquirieren wie jetzt. Für den Güterverkehr wird ein plus von sechs Prozent mit Luft nach oben angepeilt. Die große Vision: eine flächendeckende Mobilität für ganz Europa. Durch die Vorgehensweise erst den Fahrplan zu entwickeln und danach die Infrastruktur zu schaffen, ergeben sich zwingende Um- oder Neubaumaßnahmen. Beispiele hierfür sind unter anderem die Nordmainische S-Bahn oder die Neubaustrecke Gelnhausen-Fulda.

Das vorgestellte Gutachten verweist auf derzeit zwei ICE-Linien, die im Zwei-Stunden-Takt am Hanauer Hauptbahnhof halten. „Die Anbindung an den Fernverkehr ist, Stand jetzt, also ziemlich schlecht“, so Brieger. Das Gutachten arbeitet aber auch das Potenzial zweier zusätzlicher ICE-Linien heraus. Eine in Richtung Berlin und eine weitere zwischen Essen und München, die in Hanau Station machen könnte. Hierzu müsse man nun in die Diskussion mit der Deutschen Bahn gehen. Ein erster Termin hierfür ist laut IHK-Chef Dr. Gunther Quidde in der kommenden Woche.

Laut Gutachten werde es, gemäß des Deutschlandtakts, von Hanau aus deutlich bessere Anbindungen, etwa ans Ruhrgebiet, aber auch nach Hamburg, Kiel oder Sylt geben – hier seien sogar Direktverbindungen vorgesehen. Auch in Richtung Süden soll sich mit den dann direkt oder zumindest schneller erreichbaren Zielen München, Wien und Freiburg einiges tun. Die Reise nach Hamburg allerdings, wird mit satten fünf Stunden und 51 Minuten beziffert. „Das ist nicht ganz so attraktiv“, sagt Brieger, der dem Fernverkehr und Hanau dennoch „sehr gute Möglichkeiten“ prognostiziert.

Herausgearbeitet wurden in dem Gutachten auch Verbesserungsmöglichkeiten. Zu nennen sind beispielsweise mögliche direkte Anbindungen nach Stuttgart und Basel. Und die Möglichkeit, die Verbindung nach Hamburg deutlich schneller bewältigen zu können, sie um zwei Stunden und 15 Minuten zu verkürzen.

Zusammenfassend bescheinigt das Gutachten dem Deutschlandtakt 2030 für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis eine deutlich bessere Anbindung an das Fernverkehrsnetz und vom Hanauer Hauptbahnhof deutlich mehr erreichbare Ziele.

Von Kerstin Biehl

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