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HA-Leserführung durch ehemaliges Pioneer-Casino beschert nostalgische Momente

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Von: Kerstin Biehl

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Auf der Terrasse des ehemaligen Casinos erinnern sich die Teilnehmer der HA-Leserführung an ihre Verbindungen zur ehemaligen US-Kaserne.
Auf der Terrasse des ehemaligen Casinos erinnern sich die Teilnehmer der HA-Leserführung an ihre Verbindungen zur ehemaligen US-Kaserne. © Kerstin Biehl

„I want to visit my father“ – seinen ganzen Mut habe er damals zusammengenommen und am Eingangstor der Kaserne dem GI seinen Wunsch vorgetragen. Wolfgang Greiser erinnert sich noch genau an die 60er Jahre, als er sich mit seinen ersten Brocken Schulenglisch auf den Weg zur Pioneer-Kaserne machte. Sein Vater Gerhard, gelernter Landmaschinenschlosser, war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und arbeitete nach dem Krieg für die US-Truppen, die seit 1945 in der Pioneer-Kaserne stationiert waren.

Hanau - Der Vater habe damals unter anderem die großen Offiziersautos repariert. „Dicke Schlitten waren das“, sagt Greiser. Am Wochenende habe er den Vater manchmal begleiten dürfen und beim Reparieren geholfen. Auch an die bunten US-Magazine, die es in dieser Form in Deutschland damals noch nicht gab, hat der Bruchköbeler, der in Hanau aufgewachsen ist, Erinnerungen. Und an „wohl einen der ersten Burger, die ich in meinem Leben hier gegessen habe. Und das gute Schokoladeneis“, schwärmt er.

Heute steht Greiser wieder auf dem ehemaligen Kasernenboden. Er nimmt an der zweiten exklusiven Leserführung des HANAUER ANZEIGER durch das ehemalige Casino-Gebäude „Deutsches Haus“ in Kooperation mit der Projektentwicklergruppe Kuffler-Henkel-Keck teil. Burger und Schokoeis gibt es in dem historischen Bau schon lange nicht mehr. Seit die Amerikaner im Jahr 2008 aus der Grimmstadt abgezogen sind, war die Kaserne sich selbst überlassen – was an vielen Ecken deutlich sichtbar ist. In den kommenden Jahren wird das Areal bekanntlich zum Mega-Wohngebiet entwickelt. Über 5000 Menschen sollen hier ein neues Zuhause finden.

Dazu trägt auch die Projektentwicklergruppe Kuffler-Henkel-Keck bei. Die Partner haben nicht nur das ehemalige Casino erworben. Auch zwei der insgesamt zehn „Brüder“, wie die ehemaligen Soldatenunterkünfte genannt wurden, werden Kuffler-Henkel-Keck neu entwickeln.

„Wir wollen in Hanau langfristig investieren“, sagt Dr. Nadja Henkel, eine der Projektpartnerinnen, während sie die Lesergruppe gemeinsam mit Dominik Kuhn, Managing Director der Kommunikationsagentur Ballcom, durch das denkmalgeschützte Gebäude führt. „Deshalb werden wir das Casino und einen der beiden Brüder in unserem Bestand behalten.“

Aktuell laufen bereits die Bauarbeiten in den Gebäuden, konkret die Schadstoffsanierungen. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz. „Außen müssen die Bauwerke so erhalten bleiben, wie sie 1938 ausgesehen haben“, informiert Henkel. Im Inneren allerdings wird alles neu gemacht. Dabei soll sich im „Bruder 1“ unter dem Namen Chariseum auf fünf Etagen alles um Gesundheit, Schönheit und Lifestyle inklusive Hausarztpraxis drehen. Dazu kommen ein Optiker, ein Augenarzt, ein Kieferorthopäde und Logopäde sowie ein Psychotherapeut, eine Apotheke und ein Hörgeräteakustiker. „Bruder 2“ wird zum Drei-Sterne-Superior-Businnesshotel und durch einen Anbau mit „Bruder 1“ verbunden.

Ins ehemalige Casino – wo einst bis zu 6000 Essen täglich über die Theke gingen – kommen Mietwohnungen. „Unter dem Gesichtspunkt des Service Living wollen wir hier ein ganz besonderes Wohnkonzept anbieten. Dazu gehört beispielsweise ein Wäsche- und Bügelservice. Zudem wird es auch wieder eine Gastronomie geben, die von jedem genutzt werden kann“, so Henkel.

„Finden dann auch wieder die wilden Partys statt?“, fragt einer der Führungsteilnehmer wohl eher scherzhaft und klärt darüber auf, dass die Kellerpartys im Casino zu Zeiten der US-Amerikaner legendär gewesen seien. Partys wird es dort in Zukunft keine mehr geben, vielmehr werden dort, in der Tiefgarage, die unter dem Casino entstehen wird, die Autos der Bewohner geparkt. Dass während der Bauphase aber durchaus mal eine Party gefeiert werden könnte, schließt Investorin Henkel nicht aus.

An die Partys kann sich auch Führungsteilnehmer Uwe Seitz erinnern. „Mein Schwager Douglas war hier stationiert“, erzählt der Langenselbolder. Der habe ihn oft mitgenommen zu Feiern und Konzerten. „Ich habe hier Sam und Dave und Aretha Franklin gesehen. Toll war das“, schwärmt er. „Aber es hat sich viel verändert. Wie schnell das geht“, stellt er fest.

In einem bis anderthalb Jahren wird sich das Bild erneut ändern. Dann plant die Projektgemeinschaft mit der Fertigstellung der Objekte, deren Einrichtungen allen – nicht nur den Pioneer-Bewohnern – offen stehen.

Als die Pioneer-Kaserne von 1945 bis 2008 in amerikanischer Hand war, war das anders. Damals konnte kaum jemand auf das Militärgelände, der nicht zu den US-Streitkräften gehörte. Die strengen Zugangskontrollen gehören zum Glück der Vergangenheit an. Jetzt herrscht auf dem Gelände reges Treiben.

Und auch damals, als der junge Wolfgang Greiser seinen Vater in der Pioneer-Kaserne besuchen wollte, drückte der GI an der Pforte ein Auge zu – „Go“, habe er damals gesagt und ihn passieren lassen. „Heute noch einmal hier zu sein, ist schon toll“, sagt Greiser.

Von Kerstin Biehl

Dr. Nadja Henkel von der Projektgruppe Henkel-Kuffler-Keck steht mit den HA-Lesern im ehemaligen Speisesaal. Gastronomie soll es dort künftig auch wieder geben.
Dr. Nadja Henkel von der Projektgruppe Henkel-Kuffler-Keck steht mit den HA-Lesern im ehemaligen Speisesaal. Gastronomie soll es dort künftig auch wieder geben. © -

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