Sanierung

Anlage am Hafenplatz: Wohnen nach hinten raus

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Im rückwärtigen Bereich der denkmalgeschützten Großwohnsiedlung am Hafenplatz sollen im Zuge der Sanierung durchaus attraktive Wohnungen entstehen. Probleme bereitet vor allem die Lage des langgezogenen Blocks (links) an der viel befahrenen Westerburgstraße und der Bahnlinie.

Hanau - Die so genannte Großwohnsiedlung am Hafenplatz ist als Kulturdenkmal eingestuft. Doch die guten Zeiten der Anlage sind längst vorbei. Von Christian Spindler 

Die Fassaden an der Straßenseite wirken schäbig, vor allem in den Wohnungen des lang gezogenen Blocks an der Westerburgstraße brennt Abends kaum Licht, viele stehen leer. Kein Wunder: Am Hafenplatz tost der Verkehr. 20.000 Autos fahren dort täglich vorbei und unzählige Züge.

Seit vielen Jahren wird immer wieder über den Zustand der Siedlung geklagt, die der städtischen Baugesellschaft gehört. Ob der Lage sprach Geschäftsführer Jens Gottwald in der Vergangenheit von einer „schwierigen Immobilie“. Von den insgesamt 158 Wohnungen stehen derzeit 53 leer; vor allem zur Straße hin ist nahezu die Hälfte der 65 Wohnungen unbewohnt. Im rückwärtigen Bereich, wo es auch Grün gibt, sieht es deutlich besser aus.

Einstige Mustersiedlung

Lange ist in der einstigen Mustersiedlung nichts passiert. Doch nun arbeitet die Baugesellschaft an einem Sanierungskonzept. „Im Frühjahr wird es in die Gremien kommen“, sagt ein Sprecher der Baugesellschaft auf Anfrage. Zu Inhalten gibt es noch keine Auskunft. Nach Informationen unserer Zeitung will die Baugesellschaft das Sanierungsprojekt selbst angehen - in Kooperation mit den Nutzern.

Der Hafenplatz soll Teil des förmlichen Sanierungsgebiets „Am Kinzigheimer Weg“ werden. Das Stadtparlament hat dafür nun den ersten Schritt beschlossen. In einem von den Kommunen festgelegten Sanierungsgebiet kann es Zuschussmöglichkeiten und steuerliche Vorteile für Investoren geben. Die Stadtverordneten haben in der Vergangenheit eine solche förmliche Sanierungssatzung zum Beispiel für für die New Argonner-Kaserne in Wolfgang erlassen.

Problemfall bei der geplanten „Revitalisierung“ am Hafenplatz sind vor allem die Blocks direkt an der Westerburgstraße, die praktisch direkt an die Fahrbahn grenzen. Dort gibt es die meisten Leerstände. Anders sieht es im rückwärtigen Teil aus. Dort sei mit den Grünanlagen und auch wegen der Nähe zur S-Bahn-Station durchaus „attraktives Wohnen möglich“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky, zugleich Aufsichtstratsvorsitzender der Baugesellschaft, dieser Tage. Offenbar sehen die Planungen der städtischen Baugesellschaft unter anderem vor, Wohnbereiche anders zu strukturieren und Eingänge zu verlegen.

Stürmische Zeiten in Hanau (2011)

Stürmische Zeiten in Hanau

Vor allem der zurückgesetzte stattliche Torbau mit zwei großen Betonfiguren als „Denkmal der Arbeit“ ist eine architektonische Besonderheit. Dort befinden sich neben Wohnungen mit zwei und drei Zimmern auch acht große Vier-Zimmer-Wohnungen. Zuletzt hatte Jochen Dohn von den Linken angemahnt, dass die „ziemlich weit heruntergekommene“ Siedlung endlich saniert werden müsse. Das werde „mit beachtlicher Geschwindigkeit geplant“, so OB Kaminsky.

Die Anlage am Hafenplatz entstand in den 20er Jahren nach Eröffnung des Hanauer Mainhafens. Sie galt damals als Mustersiedlung für Arbeiter, Angestellte und Beamte im Hafengebiet. Nach der teilweisen Zerstörung im Krieg wurde die Siedlung um 1950 wieder aufgebaut.

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