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30 Minuten an Hanauer Orten

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Von: Christian Dauber

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Lyriker und Autor Arnd Dünnebacke hat mit „30 Minuten“ ein spannendes Projekt gestartet. Es soll in einem Buch münden.
Lyriker und Autor Arnd Dünnebacke hat mit „30 Minuten“ ein spannendes Projekt gestartet. Es soll in einem Buch münden. © CHRISTIAN DAUBER

„Ich wohne jetzt 17 Jahre hier, aber richtig warm geworden bin ich mit Hanau nie“, sagt Arnd Dünnebacke. Deswegen habe es für ihn nur zwei Optionen gegeben. Er habe sich gesagt: „Entweder ziehst du weg, oder du änderst deine Einstellung.“ Dünnebacke entschied sich für Letzteres, dafür, mehr über die Stadt zu erfahren, sie besser kennenzulernen, in sie tiefer einzutauchen.

Hanau - Die Idee für sein Projekt „30 Minuten“ war geboren, erläutert der gebürtige Sauerländer im Gespräch mit unserer Zeitung. 30 Minuten deswegen, weil Dünnebacke sich dafür eine halbe Stunde an einem Ort aufhält und aufschreibt, was er dabei erlebt. Drei Texte seien bereits entstanden. Dünnebacke saß mit offenen Augen am Kunstwerk „Die sechs Schwäne und ihre Schwester“, das früher am Freiheitsplatz stand und sich heute am Teich im Schlossgarten befindet. Er beobachtete, was sich am Altstädter Markt abspielt, und er tauchte 30 Minuten ein in das Geschehen vor dem Café Brasini (ein Auszug siehe Kasten).

„Ich setzte mich hin, schaue mir die Leute an, höre zu, was sie reden. Ich bin ein stiller Beobachter und mache mir Notizen. Zuhause schreibe ich dann“, sagt er über seine Arbeitsweise. Sein Plan sei es, 52 Ausgaben der „30 Minuten“ zu schreiben – jede Woche mindestens eine, erläutert der 45-jährige Autor und Lyriker, der in der Nähe des Klinikums wohnt.

Mit dem Bus quer durch Hanau

In der nächsten Zeit schwebt ihm für sein Projekt eine Begegnung mit den beiden wichtigen Hanauer Gedenktagen vor, dem 19. März und dem 19. Februar. Zudem habe er eine Liste gemacht mit weiteren Orten, die er besuchen wolle. Die Bushaltestelle hinter der Steinheimer Brücke etwa, die jedem ins Auge falle, der dort entlangfährt. Wilhelmsbad oder der Hauptbahnhof seien weitere Ideen. „Vielleicht fahre ich auch mal mit dem Bus quer durch Hanau“, überlegt Dünnebacke. Vieles werde sich ergeben, wenn es wieder wärmer ist. „Momentan wird es schon relativ schnell kalt“, sagt er. Die Geschichten wolle er später chronologisch ordnen und in ein Buch münden lassen. „Eine Art Jahrbuch“, sagt er. Der Familienvater – er ist verheiratet und hat zwei Söhne, sechs und acht Jahre alt – ist dafür auf der Suche nach einem Verlag. Zunächst werde er eine Auswahl seiner Texte auf seiner Homepage unter duennebacke.jimdofree.com/ veröffentlichen, kündigt er an.

Dünnebacke hat schon mehrere Bücher herausgegeben, die meisten davon Gedichtbände und im Selbstverlag. Er habe nicht nur geschrieben, sondern auch das Papier besorgt, sich um Satz und Bindung gekümmert, berichtet der bekennende Gedichtejunkie. „Ich finde es gut, viel in wenig zu sagen.“

Smartphones findet er furchtbar

Das Schreiben sieht er als seinen Beruf an, auch wenn er damit kaum Geld verdiene. „Beruf kommt ja von Berufung“, betont Dünnebacke, der sich in den vergangenen Jahren mit vielen sehr verschiedenen Jobs über Wasser gehalten hat. Er habe bei einem Fotografen gearbeitet und sei putzen gegangen. Zuletzt hat sich Dünnebacke in der Seniorenbetreuung engagiert.

Während der Corona-Zeit habe er enorm viele Texte geschrieben. Um die 300 müssen es seiner Schätzung nach alleine im ersten Halbjahr 2020 gewesen sein. „Je stiller es wurde, desto lauter wurde es in mir“, blickt Dünnebacke zurück auf die Zeit des ersten Lockdowns. Apropos Stille: Während des Gesprächs bleibt es ruhig in Dünnebackes Tasche. Keine Whatsapp-Nachrichten oder sonstige Benachrichtigungen stören die Unterhaltung. Denn: Der 45-Jährige hat kein Smartphone. So etwas findet er „furchtbar“. „Ich behalte meine Geschwindigkeit bei, wem sie nicht passt, der soll vorübergehen.“

Von Christian Dauber

30 Minuten am Café Brasini

Als Beispiel für sein Projekt hier ein Auszug aus Dünnebackes 30 Minuten am Café Brasini:
„Ich weiß gar nicht, wo ich hin will. Weil es schneidend kalt ist und die Sonne frei macht, halte ich den Weg heute kurz und parke mein Rad vorm Brasini, wo gerade die Weihnachtsdeko aus der Tür getragen wird. Ich hole mir einen Kaffee (der hier wirklich gut ist!) und setze mich nach draußen, den Hanau Laden rechts hinter mir. Ein Mensch mit Hackenporsche rüttelt an der Tür, liest die Öffnungszeiten, sagt „So ein Mist!“ und trollt sich. Wie oft erwischt man den einen Tag, dessen Getriebe nicht zum eigenen Gang passt? Es ist 10:00 Uhr. Zwei Lokale weiter wird die Legorampe an der Schwelle drapiert, made by Rita Ebel. Sie hat Raul Krauthausens Idee nach Hanau gebracht und perfektioniert. Dafür bitte das Bundesverdienstkreuz, mindestens. Auf Instagram hat ihr die Enkelin einen Account eingerichtet: die_lego_oma. Zwei Männer im orangen Stadtornat, die vor dem Forum rumscharwenzeln, wirken im schwarzbraunen Gewimmel zwar ähnlich farbenfroh wie Ritas Rampen, doch weitaus weniger stringent. Immerhin, sie halten Abstand, auch wenn es nur der zu der zusammengeklappten Leiter ist, die am Mauerwerk auf ihren Einsatz wartet“... cd

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