Aus dem Gericht

Mann schlägt Sanitäter ins Gesicht - Jetzt bekommt er dafür die Konsequenzen

Direkt ins Gesicht geschlagen: Ein Notfallsanitäter ist bei einem Einsatz angegriffen worden. Der Täter muss dafür ein halbes Jahr ins Gefängnis. 
Symbolfoto: Thorsten becker
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Direkt ins Gesicht geschlagen: Ein Notfallsanitäter ist bei einem Einsatz angegriffen worden. Der Täter muss dafür ein halbes Jahr ins Gefängnis.

Weil er einen Sanitäter ins Gesicht geschlagen hat, stand nun ein 59-Jähriger in Hanau vor Gericht. Das sind die Konsequenzen, mit denen der Mann zu rechnen hat.

Hanau – „Ich habe ja schon viel erlebt . . .“, betont der 52-jährige K., der auf dem Zeugenstuhl vor Amtsrichterin Santi Bhanja sitzt. Alle Augen richten sich auf den Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes, der in diesem Prozess der Hauptbelastungszeuge ist – und das Opfer.

Denn was sich in einem Mehrfamilienhaus an der Hirschstraße abgespielt hat, zeigt, wie wenig Respekt denjenigen gezollt wird, die rund um die Uhr bereit sind und loseilen, um Menschen in Not zu helfen: Rettungsdienste, Feuerwehren und Polizei.

Und Herr K. ist an diesem Tag der erste Helfer vor Ort. „Wir waren mit unserem Rettungswagen nur wenige Meter entfernt“, schildert er den Einsatz an der Hirschstraße. Aus einem Fenster dringt Qualm.

Hanau: Sanitäter wollte im Haus nachsehen, ob jemand in Gefahr ist

„Die Feuerwehr war noch auf der Anfahrt – also bin ich hinein, die Treppe hoch . . . aus einer Wohnung drang Qualm“, sagt der 52-Jährige, der sicher gehen will, dass keine Menschen in Gefahr sind.

Schnell erkennt er, dass es offenbar nur ein Essen gewesen sein kann, das zu dieser Mittagszeit offenbar auf dem Herd vergessen worden ist. „Ich habe dann schnell die Meldung an die Feuerwehr weitergegeben. Ich wollte doch nur helfen.“

Dank für seine Hilfe bekommt der Sanitäter nicht. Ganz im Gegenteil. Der Wohnungsbesitzer, Herr R. (59), ist aufgebracht. „Er kam aus der Wohnung und hat mich gleich beschimpft.“ Alle Versuche, R. zu beruhigen, verlaufen im Sand. Selbst als der erste Trupp der Feuerwehr am Ort des Geschehens eintrifft, gibt R. keine Ruhe.

Hanau: Wohnungsbesitzer schlug Sanitäter ins Gesicht

„Er hat mich dann auf einem Treppenabsatz eingekesselt“, schildert K. die Situation, die dann eskaliert: „Er hat mir dann direkt ins Gesicht geschlagen. Ich bin mit dem Kopf gegen die Wand geknallt, meine Brille ist heruntergefallen“, so der Mann vom DRK.

Die Brandschützer eilen zu Hilfe, die Polizei rückt an, eine Anzeige wird geschrieben. So landet der Fall vor Strafrichterin Bhanja.

Die drei hauptamtlichen Feuerwehrmänner erscheinen in tadellosen Uniformen vor Gericht. Ihre Zeugenaussagen sind eindeutig. „Wir hatten den Befehl, die Lage zu erkunden, deshalb habe ich zunächst nur gesehen, dass der Herr mit dem Sanitäter einen Streit hatte“, so der Leiter des Einsatztrupps, der schlichtend eingreifen will. Fast wäre es gelungen, denn der Sanitäter will das Treppenhaus bereits verlassen. „R. ist dann an mir vorbeigestürzt und hat dem Kollegen vom Rettungsdienst ins Gesicht geschlagen“, lautet die klare Aussage des Brandschützers. Eigentlich reicht das, um den Fall zu klären.

Soll einen Sanitäter geschlagen haben: Der Angeklagte kann vor dem Gericht in Hanau kaum zurückgehalten werden

Wäre da nicht der 59-jährige Angeklagte selbst, der im orange-grünen Hemd eines bekannten Kräuterlikörherstellers erscheint, sich selbstgefällig auf dem Stuhl rekelt, auch noch ungebeten Kommentare abgibt, die Amtsanwältin duzt und selbst von Rechtsanwalt Volker Bernhardt, seinem Pflichtverteidiger, kaum in Zaum zu halten ist.

R. ist nicht alleine. Er ist in Begleitung von zwei Justizwachtmeistern, die ihn aus der Strafhaft vorführen. Dort sitzt er bereits seit August vergangenen Jahres – wegen anderer Straftaten, darunter auch Körperverletzung. Zehn Einträge hat R. schon auf dem Kerbholz.

Einschlägig vorbestraft nennen das die Juristen. Noch dazu hat er den Sanitäter während laufender Bewährung angegriffen.

Hanau: Selbst der Verteidiger des Mannes, der einen Sanitäter geschlagen haben soll, verliert die Fassung

Groß beeindruckt hat ihn der Knast offenbar nicht. Er spuckt weiter große Töne, bis selbst Verteidiger Bernhardt die Hutschnur reißt und er seinen Mandanten anherrscht: „Jetzt sind Sie mal still!“

Den Schlag gegen den Helfer gibt er unumwunden zu: „Er hat mich beleidigt, da habe ich ihm zwei eingeschenkt“, lautet sein Geständnis.

Zwei Schläge? Das Opfer hat doch nur von einem Schlag berichtetet und keinerlei Eifer gezeigt, den Angeklagten besonders zu belasten. Es scheint so, als ob R. sich nicht mehr genau erinnern kann, denn er hat sich zuvor selbst kräftig „eingeschenkt“. Ein paar Bier und einige Wodka.

Schlag in das Gesicht des Sanitäters in Hanau: Angeklagter war nicht voll schuldfähig

So hat R. – das ist amtlich durch eine Blutprobe bestätigt – bereits zum Mittagsessen rund zwei Promille intus. In diesem „Suffkopf“ hat er wohl das Essen auf dem Herd vergessen. Diese Tatsache muss die Richterin berücksichtigen, denn der Angeklagte ist „erheblich vermindert schuldfähig“.

Ob R. noch mit einer Bewährungsstrafe davonkommt? „Unter normalen Umständen wäre das der Fall gewesen. Aber so wie Sie sich hier benehmen, geht das nicht mehr“, lautet die Ansage von Richterin Bhanja, die das Strafmaß wegen wegen Körperverletzung auf sechs Monate Gefängnis festlegt – ohne Bewährung. Dieses halbe Jahr muss R. nun zusätzlich absitzen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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