Generationen zum Tanzen bringen

80-jähriger Schmidtchen Schleicher: Anders als die Anderen

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Günter Schmidt alias Schmidtchen Schleicher ist einer der bekanntesten Musiker in Hanauer. Bei seinen nach wie vor vielen Auftritten wird der rüstige Senior von seiner Ehefrau Elfriede begleitet. 

Hanau - Günter Schmidt, gerade 80 Jahre alt geworden, bringt mit seinem Akkordeon immer noch Generationen zum Tanzen. Von Dieter Kögel 

Seit 40 Jahren tourt er erfolgreich als Schmidtchen Schleicher, bestreitet und begleitet regionale und überregionale Veranstaltungen in Hallen, Sälen, auf Schiffen oder in Festzelten und begeistert sein Publikum nicht nur mit Schlager- und Tanzmusik. „Denn wenn Du Erfolg haben willst, dann musst Du es anders machen als die Anderen“, sagt er.

Der rüstige und quirlige 80-jährige Bruchköbeler, der in Hanau bekannt ist wie kaum ein anderer Musiker, hat es anders gemacht, als er vor 40 Jahren seine musikalische Alleinunterhalter-Karriere begann. Musikalische Erfahrungen hatte er da bereits ausreichend gesammelt - von 1955 bis 1968 mit der Band „St. Pauli“, danach bis 1978 mit dem „Orion Quartett.“

Auch so kennt man ihn: Als Chef des Seemannschors der Hanauer „Sumser“.

Aber dann, so erinnert sich Günter Schmidt, „war da die Luft raus“. Die Musiker im Nebenberuf gingen ihre eigenen Wege. Und für Schmidt, der in der Lebensmittelbranche gelernt hatte und danach im Speditionsbereich tätig war, begann die Karriere als musikalischer Alleinunterhalter. Nicht ohne Herausforderung. Denn als Sänger, so gesteht er ein, habe er sich nie gesehen. Aber er schafft sich die Schlagertexte drauf und spult sie bei seinen Veranstaltungen routiniert ab. Bis eines Tages bei einer goldenen Hochzeitsfeier einer der Gäste auf ihn zukam und fragte: „Macht Dir das Spaß, was Du da machst?“ Schmidtchen Schleicher war ehrlich zu sich selbst, die Antwort lautete eher: Nein.

Also überdachte er die Art seiner Auftritte, streute Geschichten ein, fand Wege, die Zuhörer einzubinden, sie zu animieren, auf die Tanzfläche zu locken. Er machte es auf einmal wirklich anders als die Anderen - und wurde zum gefragten Unterhalter.

Bis zu 300 Termine im Jahr hat er in den Hochzeiten seiner Laufbahn gespielt. „Manchmal drei Auftritte am Tag“, erinnert sich Schmidt. Da vergeht die Zeit dann anders. „Man hat von einem Termin zum anderen gelebt.“ Ehefrau Elfriede Schmidt hatte stets Verständnis für diese Situationen. Und sie hat aufgrund ihrer Berufstätigkeit „mir den Rücken freigehalten“, um das Geschäft des Alleinunterhalters langsam und ohne wirtschaftlichen Zwang zu entwickeln und wachsen zu lassen, sagt Schmidt voller Respekt.

Bilder: Hanau feiert auf dem Bürgerfest

Elfriede Schmidt teilt seit ihrem Ruhestand sogar den beruflichen Alltag ihres Mannes. Sie reist mit zu den Auftritten und unterstützt ihn, auch wenn bei Schmidtchen Schleicher mittlerweile etwas kürzer getreten wird. „Ich reiße mich nicht mehr um die Nachtgeschäfte“, sagt der 80-Jährige, der in Hanau unter anderem bei Tanztee-Veranstaltungen aufspielt, dieser Tage erst wieder in Klein-Auheim. Mittags losfahren, aufbauen, spielen, und abends wieder zu Hause sein, „das ist uns am liebsten“, sagt er. Und so wollen es Elfriede und Günter Schmidt auch weiterhin halten, „so lange, wie es eben Spaß macht.“ Das gilt auch für den Seemanns-chor des Hanauer Gesangvereins „Sumser“, dessen „Häuptling“ Günter Schmidt seit einem Jahr ist. Und auch die Sänger und ihre maritimen Lieder sind sehr gefragt - ob beim Weihnachtsmarkt, beim Weinfest, beim Hanauer Chorfestival oder bei einer Livesendung der Hessenschau.

Schmidts unverkennbares Makenzeichen indes ist und bleibt „Schmidtchen Schleicher“. Der Name hat übrigens nichts mit dem Schlager des Holländers Niko Haak aus dem Jahr 1975 zu tun, versichert Günter Schmidt. Vielmehr habe ihn lange vorher die kleine Wirtstochter eines regionalen Lokals, in dem er damals mit seiner Band gespielt habe, so genannt, als er sich auf leisen Sohlen angeschlichen und sie im Spiel abgeklatscht habe. Und der Name „Schmidtchen Schleicher“ sei sogar im Ausweis der damaligen Künstlergewerkschaft vermerkt.

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