Gutes tun statt Tanzbein schwingen

Abiturjahrgang der Paul-Gerhardt-Schulen spendet 1500 Euro an den AKHD Hanau

Abitur-Jahrgang der Paul-Gerhardt-Schulen spendet 1500 Euro an das Kinderhospiz Hanau: Die Idee dazu hatte Julia Lotz, die das Konto mit den Geldern für den Abschlussball verwaltet hat, hier mit ihrem Freund Daniel Laub.
+
Abitur-Jahrgang der Paul-Gerhardt-Schulen spendet 1500 Euro an das Kinderhospiz Hanau: Die Idee dazu hatte Julia Lotz, die das Konto mit den Geldern für den Abschlussball verwaltet hat, hier mit ihrem Freund Daniel Laub.

Da der Abschlussball coronabedingt nicht stattfinden konnte, haben sich die 30 Schülerinnen und Schüler dazu entschieden, 1500 Euro von dem Geld, das sie eigentlich für ihren Abschlussball gesammelt haben, an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau (AKHD) zu spenden. Angeregt hatte das Julia Lotz. Die Abiturientin hatte das Jahrgangskonto angelegt und verwaltet, auf dem die Schüler das gesammelte Geld für ihren Abiball einzahlten. „Wir haben das große Glück, alle gesund zu sein, und weil wir das so zu schätzen wissen, möchten wir gerne das Geld ans Kinderhospiz Hanau spenden und damit dem einen und anderen kranken Kind noch einen Wunsch erfüllen“, so Lotz.

Hanau – „Wir haben zwei Jahre lang den Abiball geplant und haben Geld gesammelt. Wir hatten den Saal gemietet, uns um die Deko gekümmert, einen Fotografen beauftragt und das Catering gebucht“, so Lotz. Statt Abiball fielen dann aber die Stornierungen an. Damit könnten sie stellvertretend für viele andere Abiturjahrgänge im Corona-Jahr 2020 stehen. Die Abiturzeit haben Lotz und ihr Jahrgang als sehr besondere Zeit erlebt, die mit vielen Erwartungen verbunden war, im Gegenzug jedoch mit Unsicherheiten aufwartete. Sie und ihr Freund Daniel Laub erinnern sich noch genau an die Zeit vor dem ersten Lockdown, als plötzlich gar nicht mehr sicher war, ob die Prüfungen überhaupt im Frühjahr stattfinden können. „Noch bis abends vor der Abiturprüfung haben wir eigentlich mehr vor den Pressekonferenzen gesessen als vor unseren Lernzetteln oder Übungsaufgaben“, sagt Laub. Kurz vor den schriftlichen Prüfungen wurden die Schulen geschlossen.

„Von außen haben wir öfter zu hören bekommen, ‘ihr macht jetzt Corona-Abitur, das ist ja viel leichter’, das war es aber nicht, sondern viel schwerer, weil die Vorbereitung gefehlt hat und wir auf uns allein gestellt waren.“ Statt Lerngruppen zu gründen oder in Bibliotheken zu lernen, seien sie auf sich allein gestellt gewesen. „Wir haben uns nur ein, zwei Mal mit unserem Mathe-LK getroffen, um die wichtigsten Fragen zu klären“, so Lotz. Ähnlich sei das auch vor den mündlichen Prüfungen gewesen, als kein Online-Unterricht davor stattfand. „Uns wurde ja auch das vierte Halbjahr genommen, das in die Wertung der Abiturnote mit einfließt. Teilweise wurden wir da einfach in Schubladen gesteckt, weil sich die Lehrer nach Empfehlung des Kultusministeriums an Noten vorheriger Zeugnisse orientierten.“ Die Stimmung vor den schriftlichen Prüfungen, als man sich nicht direkt austauschen konnte, hätten sie als sehr bedrückend empfunden.

Und noch etwas anderes fehlte: „Wir konnten uns eigentlich gar nicht richtig von einander verabschieden“, sagt sie. Zwar gab es an den Paul-Gerhardt-Schulen aufgrund der geringen Anzahl von Schülern im Abschlussjahrgang der Privatschule eine offizielle Zeugnisvergabefeier mit allen 30 Schülern und Eltern, die Feierlichkeiten aber mussten ausfallen.

Auf viele Rituale, auf die sich ihr Jahrgang gefreut hatte, mussten sie verzichten: Keine Motto-Woche, kein Abi-Streich, kein Ball. „Wir haben teilweise zwölf Jahre zusammen verbracht und hatten keine Gelegenheit, uns richtig Tschüss zu sagen.“ Auch das erste Semester fand für beide bislang überwiegend digital statt. Lotz studiert Business Administration, Laub Rechtswissenschaften in Frankfurt.

Auch der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst musste in diesem Jahr auf die Feierlichkeiten des fünfjährigen Bestehens verzichten. „Die Pandemie hat dieses Jahr viel Umdenken gefordert und es ist sehr schade, dass so wichtige Ereignisse wie das Bestehen des Abiturs nicht gebührend gefeiert werden konnten. Umso mehr freuen wir uns, dass Frau Lotz und ihre Mitschüler auf diese tolle Idee gekommen sind, uns unterstützen“, sagt Sabrina Schwanebeck vom AKHD.

Viele Angebote für ehrenamtliche Mitarbeiter und Familien mussten ebenfalls ausfallen. „Die betroffenen Familien mit ihren lebensverkürzend erkrankten Kindern können nicht warten, bis die Pandemie vorbei ist, sie verlassen sich auf die Entlastung und Begleitung durch unseren Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst“, so Schanebeck. Während der Corona-Pandemie habe der AKHD daher neue Plattformen des Zusammenseins und Austausches gefunden und neue Angebote geschaffen. „Um diese Unterstützung zu bieten und weiterhin Anlaufstelle zu sein, sind wir auf Spenden angewiesen. Als Ambulanter Kinderhospizdienst des Deutschen Kinderhospizvereins mit Sitz in Olpe werden wir zu 75 Prozent durch Spenden finanziert und jede Spende sichert das Fortbestehen unserer Arbeit.“ Die Spendenübergabe an den AKHD Hanau soll am 15. Dezember erfolgen.

Von Jasmin Jakob

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare