Plausch und Pop am Schloss Philippsruhe

Fast perfekter Abend mit Anastacia im Amphitheater Hanau

Anastacia mit voller Energie beim Auftritt im Hanauer Amphitheater. J  Foto: Reinhard Paul
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Anastacia mit voller Energie beim Auftritt im Hanauer Amphitheater.

Hanau - Ähnelt das Amphitheater Hanau einem Raumschiff? Ja! Zumindest für Anastacia. Während ihrer „Ultimate Collection Tour 2017“ gastierte die amerikanische Sängerin am Schloss Philippsruhe. Ausverkauft ist das Konzert zwar nicht, aber gut besucht. Von Thomas Ungeheuer

Der Zuschauer merkt Anastacia an, dass sie sich über ihr Publikum freut. Neugierig fragt die 48-Jährige, wer erstmals eine Show von ihr besucht. Etwa die Hälfte der Fans hebt die Hand. Erstaunlich. Obwohl die Sängerin und Songschreiberin bereits im Jahr 2000 mit dem Debütalbum „Not That Kind“, das über sieben Millionen mal über den Ladentisch ging, bekannt wurde, gibt es noch Menschen, die sie live neu entdecken wollen. So verwundert es nicht, dass sich die Tochter des Sängers Robert Newkirk und der Broadway-Schauspielerin Diane Hurley in bester Laune zeigt. Zwölf Stunden habe sie geschlafen und danach eine Massage genossen, erzählt sie. Wie sich ihre vier Musiker an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards sowie ihre drei Background-Sängerinnen die Zeit vertrieben hätten? Das verrät Anastacia nur andeutungsweise. „Ich bin ein schlimmer Boss“, sagt sie und bringt damit die Leute zum Lachen. Keiner will ihr glauben.

Was hingegen stimmt, ist jeder Ton, den Anastasia singt. Ganz gleich, ob sie Lieder wie „Sick And Tired“, „Stupid Little Things“, oder auch „Paid My Dues“ vorträgt. Ihre Stimme erscheint strahlend, voll und vor allem unverbraucht. Eigentlich bräuchte diese Musikerin keine ihrer drei weißen Background-Sängerinnen. Aber letztlich bereichern sie die Songs ungemein. Schließlich klingt Anastacias kraftvolles Organ eher schwarz als weiß. So genießt das Publikum in Hanau deren „Sprock“ in vollen Zügen.

Anastacia rockt die Jahrhunderthalle

Anastacia rockt die Jahrhunderthalle

„Sprock“? Ja, so nennt die Amerikanerin ihre reizvolle Mischung aus Soul, Pop und Rock, die sie auf einer aufwendig gestalteten Bühne präsentiert. An jeder Seite befinden sich zwei Treppen, die durch einen Laufsteg miteinander verbunden sind. Ab und an wird diese Konstruktion von Anastacia und ihren tanzenden Background-Sängerinnen in einer Show genutzt, die während voranschreitender Dunkelheit mehr und mehr an Wirkung gewinnt. Bisweilen wechselt Anastacia ihr Kostüm. Mal trägt sie zerfetzte Blue-Jeans, mal ein Kleid, das mit roten Rosenmotiven bedruckt ist oder einen schwarzen Lederanzug. Stets bewegt sich die zierliche Frau auf hochhackigen Schuhen elegant. Zwischendurch stellt sie charmant einzelne Bandmitglieder vor und lässt deren Namen vom Publikum rufen. „Hi Christina“, „Hi Maria“– das hebt die Stimmung. So gibt es immer wieder viel Applaus. Nicht nur für ihre Musik, sondern auch für die Bemerkung „nicht Donald Trump gewählt“ zu haben. Ein perfekter Abend also? Fast. Denn der Sound im Amphitheater war im Gegensatz zu dem gut anderthalbstündigen Konzert nicht berauschend.

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