Lokal-Politik

An die Fraktionsspitze geklettert: Max Bieri (30) führt seit Kurzem die SPD-Fraktion

Hat noch viel vor: der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Maximilian Bieri.
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Hat noch viel vor: der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Maximilian Bieri.

Seit kurzem ist der 30-jährige Max Bieri Fraktionsvorsitzende der SPD Hanau. Wir haben mit ihm gesprochen.

Hanau – „Mein erster Gedanke war, sie zu überreden, weiterzumachen“, blickt Maximilian Bieri zurück. Gerade hatte ihm Cornelia Gasche bei einem Abendessen eröffnet, dass sie aufhören will, ja aufhören muss.

Die langjährige Hanauer SPD-Fraktionschefin ist in ihrem Job im Kreis-Gesundheitsamt wegen Corona so gefordert, dass keine Zeit mehr für die Politik bleibt. Also sprach sie Bieri an, ob er sich vorstellen könne, zu übernehmen. Zwei Monate ist das her. Der 30-Jährige besprach sich mit seiner Freundin und der Familie, sagte ja, und ein einstimmiges Votum später war er neuer SPD-Fraktionschef. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät Bieri, was er sich für Hanau wünscht und blickt auf die Herausforderung, seinen neuen Job und das neue Amt unter einen Hut zu kriegen.

Bieri habe großen Respekt vor dieser Aufgabe

Bieri, dessen Familie nach Hanau zog, als er zwei Jahre alt war, trat 2011 in die SPD ein. „Ich war schon immer politisch interessiert“, sagt er. In seinem Umfeld habe es zwar niemanden gegeben, der Mitglied war. Aber er habe Leute kennengelernt, durch die er zur SPD gekommen sei. „Und ich habe gesehen, wie viel in Hanau bewegt wurde“, gibt er als weiteren Grund für den Eintritt an. Der Weg führte ihn immer weiter nach oben auf der politischen Karriereleiter: Seit 2017 steht der Steinheimer an der Spitze seines Ortsvereins. Mitglied der Stadtverordnetenversammlung wurde er im Dezember 2018, als Waldtraut Hoppe ihre aktive politische Zeit beendete. Ein Steinheimer rückte für eine Steinheimerin nach. Knappe zwei Jahre später führt Bieri die 20-köpfige Fraktion, die in der Stadtverordnetenversammlung mit den Grünen, der BfH und der FDP eine Koalition bildet.

Es sei ihm bewusst, dass das eine große Aufgabe sei, vor der er „großen Respekt“ habe. Aber er habe sich dies gut überlegt, sagt der Mathematiker, der an der Uni Frankfurt gerade seine Dissertation mündlich verteidigt hat, bald seine Abschlussurkunde in den Händen halten wird und am 1. Dezember seinen neuen Job in der Energiebranche beginnt. Mehr will er dazu nicht verraten.

Kinzig berge viel Potenzial

„Wir funktionieren als Team, sind eine geschlossene Mannschaft“, sagt Bieri mit Blick auf seine Fraktionskollegen. Mit Ute Schwarzenberger und Dr. Amin Jebabli hat Bieri gleich zwei Stellvertreter an seiner Seite. Außerdem wisse er erfahrene Mitstreiter um sich, wie etwa Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, die als Spitzenkandidatin für die SPD bei der Kommunalwahl antritt. Es sei richtig, dass bekannte Gesichter die Liste anführten, sagt er. Hanau sieht Bieri auf einem guten Weg. Dennoch mangelt es ihm nicht an Ideen: „Es wäre schön, wenn wir eine Bundesliga-Mannschaft in Hanau hätten. Das wäre im Handball oder Basketball denkbar“, sagt der SPD-Fraktionschef, der selbst jedoch in einer anderen Sportart unterwegs ist. Er spielt bei der Turngemeinde Hanau Volleyball. Voranbringen will er auch den Ausbau der Stadt zum Hochschulstandort. Und weitere Freizeit- und Naherholungsangebote schaffen: „Die Kinzig ist ein Juwel in der Stadt“, sagt Bieri. Da gebe es noch viel Potenzial.

Jedoch sei die Lage derzeit eine andere. Das Coronavirus stelle auch Hanau vor enorme Probleme. Insbesondere der Einzelhandel habe zu kämpfen. Aus seiner Sicht tut die Brüder-Grimm-Stadt jedoch viel, um den Betroffenen über die Unterstützung von Bund und Land hinaus zu helfen. „Die Grimmscheck-Aktion ist ein Erfolg“, sagt er.

Bieri will sich auf den Fraktionsvorsitz konzentrieren

Die Pandemie beeinflusse auch die Parteiarbeit. Vieles spiele sich online ab – abgesehen vom Parteitag, den man aus rechtlichen Gründen live abhalten habe müssen, so Bieri. Auch seine ersten Schritte als SPD-Fraktionschef hat Corona stark beeinflusst. „Ich habe erstaunlich viel telefoniert in den letzten Tagen. Sonst schreibt man ja eher in meinem Alter“, sagt er. Er wolle noch viele Leute treffen und Gespräche führen. Die aktuelle Situation erschwere dies leider.

Bieris politische Weggefährten sollten sich schon einmal warm anziehen. Als Halb-Schweizer hat der 30-Jährige die doppelte Staatsbürgerschaft. Sein Vater ist Eidgenosse. Sachlichkeit und diplomatisches Geschick dürften ihm somit in die Wiege gelegt worden sein. Doch Bieri kennt auf dem Weg nach oben kaum Grenzen. In seiner Freizeit geht er nämlich regelmäßig bergsteigen. Als er in Marseille studiert habe, habe er Dimitri kennengelernt, blickt er zurück. Mit seinem guten Freund habe er gemeinsam die Berge für sich entdeckt. „Wir waren schon zusammen auf dem Großglockner“, erzählt er.

Will er auch bei der SPD hoch hinaus? Kann er sich einen Stadtratsposten oder gar eine OB-Kandidatur in sechs Jahren vorstellen? Er konzentriere sich jetzt auf seinen Posten als Fraktionschef und seinen neuen Job. „Alles andere ist im Konjunktivbereich“, sagt Bieri. Aber er wisse, dass das Journalisten gerne fragen, sagt er und schmunzelt.

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