Aus dem Gericht

Angeklagter legt im Prozess um riesigen Drogenbunker Geständnis ab

Drogenhandel in großem Stil: Ein Angeklagter nennt nun die Details.
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Drogenhandel in großem Stil: Ein Angeklagter nennt nun die Details.

Im Prozess um Drogenbunker an der Großauheimer Rodgaustraße hat einer der Angeklagten jetzt ein Geständnis abgelegt.

Hanau – Verpacken, umpacken. Das hat Kristijan S., der von seinen Freunden „Kiki“ genannt wird, spätestens seit September 2019 gemacht – nebenberuflich, wie er selbst sagt. Jetzt packt der 44-Jährige, der zuletzt in Kesselstadt gewohnt und als Lüftungstechniker gearbeitet hat, vor der 2. Großen Strafkammer am Hanauer Landgericht auch noch aus.

Sehr detailliert schildert er dem Gericht unter Vorsitz von Dr. Katharina Jost, was sich rund um die Mietgarage an der Großauheimer Rodgaustraße abgespielt hat. Strafverteidigerin Gabriele Berg-Ritter übernimmt den schwierigen Teil und verließt zunächst die Angaben ihres Mandanten.

Der scheint die Flucht nach vorne anzutreten. Angesichts der Vorwürfe, die Staatsanwalt Dr. Oliver Piechaczek in der Anklage erhebt, nicht die schlechteste Variante. „Gewinnbringende Weiterveräußerung“ nennt Piechaczek den Vorwurf. Und den Drogenhandel im großen Stil unterstreicht er mit Zahlen: 130 Kilogramm Marihuana, zwei Kilogramm Kokain sowie neun Kilo Haschisch sind in der von „Kiki“ angemieteten Doppelgarage 7/8 gefunden worden.

Schon vor acht Monaten deutet alles darauf hin, dass es sich bei dem Zufallsfund um einen der größten im Main-Kinzig-Kreis in den vergangenen Jahren handelt, und dass dahinter eine größere Einheit aus dem Bereich der organisierten Kriminalität stecken müsse. Es geht also um deutlich mehr als die sichergestellte Menge, deren Schwarzmarktwert alleine schon auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt wird.

Das bestätigt der 44-Jährige zum Prozessauftakt. So seien „immer wieder Lastwagen mit spanischen Kennzeichen“ gekommen.

Die Richter wollen es genau wissen: „Die Laster hatten präparierte Doppelwände. Dort waren die Drogen versteckt“, sagt „Kiki“. Dann wurde umgeladen und der Stoff in der Doppelgarage gelagert. Zumeist in unauffällige XXL-Umzugskartons, die im nahegelegenen Heimwerkermarkt gekauft wurden. Die Kartons seien dann beschriftet worden.

Er selbst, so beteuert der Angeklagte, sei nur ein kleines Licht in der Organisation gewesen. Dort hätten die Herren D. und K. das Sagen gehabt, plaudert er. Von ihnen habe er auch die Aufträge für die Kurierfahrten erhalten. „Ich bin lediglich der Fahrer gewesen.“ Selbst gedealt habe er nicht.

Garage mit unscheinbaren Kartons

„D. hat mich angerufen, mir die Nummer auf dem Umzugskarton genannt und dann das Ziel. Dann bin ich damit nach Hannover oder nach Hamburg gefahren“, sagt er. Eine Entlohnung für seine Fahrten habe er ebenfalls nicht erhalten. Nur sporadisch etwas Geld. Selbst auf den Fahrtkosten sei er sitzen geblieben. „Ich habe die Tankquittungen gesammelt, aber Geld habe ich keins bekommen“, klagt er.

Von außen ist es fast eine perfekte Tarnung. Ein Lüftungsmonteur mietet eine Garage an, um sein Material zu verstauen. Und dazwischen stehen unscheinbare Kartons mit illegalen Millionenwerten. Hinzu kommt, dass dieser Drogenbunker offenbar strategisch ausgewählt wurde. Bis zur Bundesstraße 43a, die in alle Himmelsrichtungen führt, sind es nur wenige Meter.

Aber es ist nur fast perfekt. Denn die Lieferung vom 30. April 2020 wird die letzte sein. „Kiki“ hat die Garagenmiete nicht gezahlt, der Besitzer ist sauer und setzt die Zwangsräumung auf Samstag, 2. Mai, an.

Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt

An diesem Tag staunen die Arbeiter nicht schlecht. Als sie die Tore öffnen, steigt ihnen ein merkwürdiger Geruch in die Nasen. Sie rufen die Polizei auf den Plan, die den Bunker beschlagnahmt. Noch dazu laufen ihnen die beiden Angeklagten quasi in die Arme.

Allerdings: Alles auf den „Kommissar Zufall“ zu schieben, wäre falsch. Denn wie sich vor Gericht herausstellt, sind „Kiki“ und seine angeblichen Auftraggeber bereits Wochen vor dem Fund von der Frankfurter Polizei abgehört worden.

Während sein mutmaßlicher Komplize zu den Vorwürfen schweigt, scheint „Kiki“ ein sehr gefragter Mann zu sein. Nicht nur vor dem Hanauer Landgericht, weil er dort auspackt. Auch in der Untersuchungshaft scheinen sich viele Leute, die er bisher nicht gekannt hat, brennend für den Fall zu interessieren.

„Es sind komische Fragen. Jeden Tag kommen Fragen, viele Fragen“, sagt er. Aber „Kiki“ scheint sich nicht einschüchtern zu lassen. Er will auspacken – etwas anderes bleibt ihm kaum übrig.

Der Prozess wird am Montag, 25. Januar, fortgesetzt. (Von Thorsten Becker)

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