INTERVIEW

Angela Kirchhoff, stellvertretende Schulleiterin, über die prekäre Lage an der Otto-Hahn-Schule

Angela Kirchhoff ist stellvertretende Schulleiterin an der Otto-Hahn-Schule in Hanau.
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Angela Kirchhoff ist stellvertretende Schulleiterin an der Otto-Hahn-Schule in Hanau.

Aufgrund von drei Infektionen mit dem Corona-Virus hat die Otto-Hahn-Schule weiterführende Maßnahmen getroffen. Wir haben mit der stellvertretenden Schulleiterin Angela Kirchhoff gesprochen.

Hanau – An der Otto-Hahn-Schule in Hanau gibt es derzeit drei bestätigte Corona-Infektionen. Nachdem bereits am Mittwoch ein mit dem Virus infiziertes Geschwisterpaar bekannt geworden war, ist am Donnertag ein weiterer Fall hinzugekommen. Daraufhin wurde von der Schulleitung für vier Gymnasialklassen, die Jahrgangsstufe elf sowie den kompletten Haupt- und Realschulbereich Distanzunterricht (Unterricht von zu Hause) angeordnet.

Ein Präsenzunterricht sei aufgrund der Vielzahl von Lehrern, die sich ebenfalls in häusliche Quarantäne begeben mussten, nicht mehr aufrecht zu erhalten gewesen, so die stellvertretende Schulleiterin Angela Kirchhoff. Weitergehende Isolationsmaßnahmen sah das Gesundheitsamt derzeit nicht als notwendig an. Angela Kirchhoff schildert im Interview mit unserer Zeitung die aktuelle Lage. Die Otto-Hahn-Schule vereint ein Gymnasium mit gymnasialer Oberstufe, eine Realschule sowie eine Hauptschule zwar getrennt voneinander – aber auf einem Schulgelände. Die OHS ist mit 2100 Schülern die größte Schule Hanaus.

Hat Sie die Nachricht von den zunächst zwei Coronafällen, gestern kam ein weiterer hinzu, an Ihrer Schule vorbereitet getroffen?
Teils teils. Auf der einen Seite haben wir - insbesondere aufgrund der aktuellen Entwicklung im Main-Kinzig-Kreis – natürlich damit gerechnet, dass es auch uns jederzeit „treffen“ kann, schon alleine aufgrund der Tatsache, dass wir mit 2100 Schülern die größte Schule Hanaus sind. Auf der anderen Seite kann man eine solche Situation nur begrenzt planen, da im Vorhinein nicht der Umfang und Zeitpunkt der vorzunehmenden Maßnahmen abgeschätzt werden kann.
Wie viele Lehrkräfte sind von der Quarantäne betroffen?
Nach dem aktuellen Stand sind 24 Kollegen in häuslicher Isolation. Die Lehrkräfte zeigen bislang keinerlei Symptome auf.
Wie groß sind die Auswirkungen auf den Schulbetrieb?
Nun ja – uns fehlen alleine durch die Quarantäne eine sehr hohe Anzahl unserer Lehrkräfte, hinzu kommen noch die „regulär“ Erkrankten. Zusätzlich erachten wir es aus infektologischer Sicht nicht für sinnvoll, die einzelnen Lerngruppen durch neue Kollegen, die sonst nicht in diesen Klassen unterrichten, zu beschulen. Hier gilt es, im Interesse der gesamten Schulgemeinde eine grundsätzliche personelle Stabilität sicherzustellen. Dies hat zur Folge, dass ein normaler Schulbetrieb nicht mehr aufrecht zu erhalten ist, weshalb ab morgen ein Großteil unserer Schüler im Distanzunterricht beschult wird.
Gab es Konzepte für mögliche Coronafälle an Ihrer Schule?
Natürlich haben wir bereits in den Ferien die unterschiedlichsten Szenarien durchgespielt und auch soweit vorgeplant, wie es die grundsätzlich unsichere Lage zulässt. Dabei haben wir auf unsere Erfahrungen aus dem letzten Schuljahr zurückgegriffen und das vorhandene System auf Stärken und Schwächen überprüft. Dies erfolgte in enger Abstimmung mit dem Personalrat, dem Schulelternbeirat sowie der Schülervertretung, bei denen ich mich für die hervorragende Zusammenarbeit bedanken möchte. Auch die Kollegen zeigen eine sehr hohe Flexibilität und herausragenden persönlichen Einsatz in dieser fordernden Zeit. Für die Beschulung im Distanzunterricht stellt die Schul-Cloud ein zentrales Element dar. Sowohl die Eltern als auch die Schülerinnen und Schüler haben uns ein sehr positives Feedback hierzu gegeben und sind bestens mit dem Umgang vertraut. Insofern trifft uns die aktuelle Situation nicht unvorbereitet.

Die Fragen stellten Holger Weber-Stoppacher und Yvonne Backhaus-Arnold

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