Anzeige gestellt

Anschlag in Hanau: Kostete verschlossener Notausgang Menschenleben? Schwere Anschuldigen gegen Polizei

Knapp ein Jahr nach dem Anschlag in Hanau werden neue Details bekannt. Angehörige der Opfer haben Anzeige wegen eines verschlossenen Notausgangs in der „Arena Bar“ erstattet.

  • Anschlag in Hanau: Tobias R. tötet zehn Menschen und sich selbst
  • Angehörige der Opfer haben nun Anzeige erstattet.
  • In einer Shisha-Bar sollen die Notausgänge verschlossen gewesen sein.

Hanau - Der Terror-Anschlag in Hanau ist auch fast ein Jahr danach noch lange nicht aufgearbeitet. Am 19. Februar 2020 tötete Tobias R. bei seinem rechtsextrem motivierten Anschlag neun Menschen in und vor zwei Shisha-Bars sowie auf seiner Fahrt dazwischen. Der Täter erschoss anschließend sich selbst und seine Mutter.

Nun haben nach Berichten der „Bild am Sonntag“ Familien der Opfer und Überlebenden Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Ermittelt wird derzeit gegen den Betreiber der „Arena Bar“ am Kurt-Schuhmacher-Platz, dem zweiten Tatort des Anschlags. Eine Notfalltür in der Shisha-Bar soll verschlossen gewesen sein und die Flucht aus dem Gebäude vor dem Attentäter somit unmöglich gemacht haben. fünf Menschen hatte Tobias R. in der Bar erschossen, mehrere Opfer wurden zum Teil schwer verletzt.

Das „Arena Bar&Cafe“ in Hanau ist einer der Tatorte beim Anschlag am 19. Februar 2020.

Anschlag in Hanau: Verschlossener Notausgang „ein offenes Geheimnis“

Ein Augenzeuge schilderte laut dem Bericht, dass die Personen, die sich in der Bar aufhielten als Tobias R. auf diese zulief, bewusst nicht zum Notausgang gerannt seien. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass die Notausgangstür seit Jahren verschlossen gewesen sei, so der Augenzeuge. Auch die Tür im Lager sei verschlossen gewesen, sodass eine Flucht aus dem Gebäude nicht möglich gewesen sei.

Laut der Anzeige soll es Anhaltspunkte dafür geben, dass Polizisten von dem zugebauten Fluchtweg und dem verschlossenen Notausgang der Shisha-Bar wussten. Es steht sogar der Verdacht im Raum, dass dies aufgrund von regelmäßigen Razzien auf Anordnung der Behörden geschehen sein soll. „Es war ein offenes Geheimnis, dass der Notausgang grundsätzlich verschlossen war, damit niemand bei den Razzien abhauen konnte“, äußerte sich ein Stammgast anonym gegenüber der „Bild am Sonntag“. Die Polizei Südosthessen hat die Vorwürfe bereits zurückgewiesen. „Durch die Polizei ergeht niemals eine Weisung oder Aufforderung, Notausgänge zu verschließen oder auf andere Weise zu versperren“, wird ein Sprecher zitiert.

Anschlag in Hanau: Neun Menschen in zwei Shisha-Bars getötet

Beim rassistischen Anschlag in der Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt und in der „Arena Bar“ am Kurt-Schuhmacher-Platz in Hanau erschoss Tobias R. gezielt neun Menschen mit Migrationshintergrund. Das SEK fand noch in der Nacht die Leiche des Täter in der Wohnung der Eltern. Seinen Rassismus und seine Wahnvorstellung beschrieb der Täter in einem Bekennerschreiben. Der Fall löste weltweit Trauer aus. (Erik Scharf)

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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