Filmprojekt von Uwe Boll

Anschlag von Hanau: Umstrittener Film soll ausgerechnet im Februar erscheinen

Regisseur Uwe Boll kann die Kritik zu seinem bald erscheinenden Film „Hanau – Deutschland im Winter“ nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen.
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Regisseur Uwe Boll kann die Kritik zu seinem bald erscheinenden Film „Hanau – Deutschland im Winter“ nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen.

Regisseur Uwe Boll erhielt für sein Filmprojekt über den Anschlag von Hanau heftige Kritik. Dennoch setzte er die Dreharbeiten fort. Im Februar soll der Film fertig sein und veröffentlich werden.

Hanau – Zwei Jahre nach der Terror-Nacht in Hanau* soll der Film „Hanau – Deutschland im Winter“ erscheinen. Im Februar kommenden Jahres plant Regisseur Uwe Boll die Veröffentlichung – trotz der heftigen Kritik, die er seit Beginn des Projekts erntet. Ihm wird vorgeworfen, das unbeschreibliche Leid der Opfer und Angehörigen des rassistischen Attentats* in Hanau für persönliche Zwecke und Aufmerksamkeit zu nutzen. Boll selbst sehe in seinem Film jedoch das Potenzial, ein „Psychogramm“ des Täters zu zeichnen.

Es gehe ihm dabei vor allem darum zu klären, wie es zu der Radikalisierung des 43-jährigen Tobias R. gekommen ist. Am 19. Februar 2020 erschoss dieser in Hanau aus rassistischen Motiven neun Menschen, bevor er seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Seitdem sind viele Fragen offen: Warum ließ die Polizei den Täter lange gewähren, obwohl er mehrfach durch paranoide Wahnvorstellung und seine rechtsradikale Ideologie auffiel? Wie konnte er in den legalen Besitz von Waffen gelangen? Warum blieben zahlreiche Anrufe in der Tatnacht von der Polizei Hanau unbeantwortet?

Film über Attentat in Hanau: Angehörige klar gegen eine Veröffentlichung

Die lückenhafte Aufklärung schien Boll dazu veranlasst zu haben, selbst Recherchen anzustellen und sie in Form eines Films zu visualisieren. „Durch Stillschweigen verzögert man Reformen. Im Zeigen was tatsächlich ablief, wird das Behördenversagen deutlich“, so Boll, der von führenden Kritikern einst als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ bezeichnet wurde. Für die Angehörigen der Opfer ist das Projekt jedoch der falsche Weg, das Attentat aufzuklären – sie sehen in „Hanau – Deutschland im Winter“ eine deutliche Grenzüberschreitung.

So sagte Cetin Gültekin, der Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin, im Spiegel: „In meinen Augen tötet er mit dieser Verunglimpfung meinen Bruder ein zweites Mal.“ Und auch die Mutter der getöteten Sedat Gürbüz macht deutlich: „Er hat uns nicht gefragt. Der darf das nicht. Der war nie hier.“ Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) solidarisierte sich mit den Angehörigen. In einem offenen Brief forderte die Stadt Uwe Boll im März dieses Jahres dazu auf, die Dreharbeiten einzustellen und auf eine Veröffentlichung zu verzichten. Das schien Boll allerdings nicht sonderlich zu beeindrucken. Obwohl er nach eigenen Angaben keine Geldgeber fand und das Projekt zu scheitern drohte, setzte die Dreharbeiten schließlich fort.

Nach eigenen Angaben habe er das Gespräch mit den Angehörigen der Opfer gesucht, diese wollten von dem Film allerdings „nichts wissen“, so Boll. „Ich will nicht, dass die denken, ich wolle das Andenken der Toten in den Schmutz ziehen.“ Stattdessen wolle er angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen vielmehr auf das Thema der Radikalisierung aufmerksam machen, behauptet der Regisseur.

Film über Attentat in Hanau: Boll muss mit juristischen Konsequenzen rechen

Uwe Boll hat seinen Film „Hanau - Deutschland im Winter“ auch auf Filmfestivals angeboten. Falls er dort laufen sollte, wird er voraussichtlich erst im März veröffentlicht, da Festivalveranstalter Filme in der Regel als Uraufführungen zeigen wollen. Ob der Regisseur nach der Veröffentlichung des Films mit rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, bleibt abzuwarten. In dem offenen Brief der Stadt Hanau wurde verlangt, „die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen, deren Pietätsempfinden und die fortwirkende Menschenwürde der Verstorbenen zu beachten“, sollte er den Film trotz aller Forderungen veröffentlichen. Andernfalls müsse er mit juristischen Schritten rechnen.

Bei dem Attentat in Hanau suchte der rechtsextreme Tobias R. am Abend des 19. Februars 2020 zunächst eine Shisha-Bar, eine weitere Bar und schließlich einen Kiosk in der Hanauer Innenstadt auf. Innerhalb kurzer Zeit schoss er auf mehrere Menschen und tötete neun Menschen. Das Ziel von R. waren Menschen mit Migrationshintergrund, sodass die Tat als rassistischer Terrorakt eingestuft wird. Nach dem Anschlag ging der 43-Jährige in die Wohnung seiner Mutter, wo er zunächst diese und dann sich selbst erschoss. (Teresa Toth) *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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