19. Februar

Anschlag in Hanau: Musiker machen Song gegen Rechts - „Wir waren total geschockt“

Musik ist ihre gemeinsame Sprache: Reza Hosseini, Kamran Inaiat und Andreas Herbeiu (von links) verliehen ihren Gedanken und Gefühlen nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar in einem Lied Ausdruck.
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Musik ist ihre gemeinsame Sprache: Reza Hosseini, Kamran Inaiat und Andreas Herbeiu (von links) verliehen ihren Gedanken und Gefühlen nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar in einem Lied Ausdruck.

Nach dem Anschlag in Hanau haben drei Musiker ihrer Gefühle und Gedanken in einem Rap-Song verarbeitet.

Hanau – „Wir sind zwar verschieden, aber alle gleich“, lautet die Botschaft von drei Musikern aus Hanau, die sich nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar zusammengetan haben, um ihren Gedanken und Gefühlen musikalisch Ausdruck zu verleihen: Reza Hosseini, Kamran Inaiat und Andreas Herbeiu. “G.I.A.M“ haben sie ihre Gruppe genannt, was für „getting into another’s mind“ steht. Und im Kopf bleibt der eingängige Song allemal.

„Wir waren total geschockt“, sagt Kamran Inaiat, der in der Nähe des Marktplatzes wohnt. „Man denkt immer, Rassismus und Terror sind so weit weg und auf einmal war es in unserer Stadt“, sagt Herbeiu und Inaiat ergänzt: „Wir sind ja auch in Hanau unterwegs. Es hätte uns auch treffen können. Wir mussten einfach irgendwas machen.“ Wenig später habe er die Melodie in seinem Studio eingespielt und den anderen beiden Musikern geschickt. Die Texte zu dem Lied haben die drei selbst geschrieben, jeder individuell in seinen eigenen Worten. Herbeiu auf Deutsch, Hosseini in seiner Muttersprache Farsi und Inaiat auf Englisch. „Die eigentliche Idee war es, ganz viele Sprachen zu haben“, sagt Inaiat, der noch mehr Leute ins Boot holen wollte. Dann ging jedoch alles ganz schnell. „Der Song war im März schon fertig.“ Im Mai konnten sie ihn bei der Live-Stream Hip-Hop-Nacht präsentieren. Im Song „Goin’ Round in Circles“, was übersetzt so viel heißt, wie „wir drehen uns im Kreis“ wird Rassismus als wiederkehrende schwarze Pest bezeichnet, die immer wieder ausbricht. „Ich war einfach schockiert, dass wir 2020 immer noch über dieses Kackthema reden müssen, weil in unserer Stadt Menschen ermordet werden“, sagt Inaiat.

Gebürtig kommt Inaiat aus Tadschikistan, Herbeiu aus Rumänien und Hosseini aus dem Iran. Ihre ganz persönlichen Geschichten haben sie nach Deutschland geführt, wo sie größtenteils aufgewachsen sind. „Musik ist unsere gemeinsame Sprache“, sagt Kamran Inaiat. Der 32-jährige Sozialarbeiter ist der Frontman der Rockband „120 Minds“ Rap ist für ihn daher eher ungewohnt, während Hosseini und Herbeiu im Hip-Hop ihre musikalische Heimat gefunden haben und einen Weg, ihre Gefühle auszudrücken.

Gemeinsam gegen Rassismus

„Rap ist im Iran eigentlich verboten“, sagt Hosseini, der 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam. Als Sohn Afghanischer Eltern im Iran sei er aufgrund seiner Abstammung unterdrückt und entrechtet worden, durfte nicht zur Schule gehen. Über die Balkanroute und das Mittelmeer ist er nach Deutschland geflohen. „Hier haben alle gleiche Rechte“, sagt er. Obwohl er einen afghanischen Pass hat, war er noch nie in seinem Leben dort, habe kaum eine Beziehung zu dem Land. „Menschen sind so viel mehr als das, was auf irgendwelchen Dokumenten steht“, sagt er. In Deutschland hat der 27-Jährige seinen Schulabschluss nachgeholt und eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen.

Doch auch in Deutschland müsse in den Köpfen vieler Leute noch einiges passieren: „Rassismus fängt im Kleinen an, die Thematik muss dringend gründlich aufgearbeitet werden.“ Beim Dreh ihres Musikvideos wurden sie finanziell von Demokratie leben und dem KUZ unterstützt. Weil die Chemie zwischen den Musikern so gut gepasst hat, haben sie noch zwei weitere Songs aufgenommen und wollen auch in Zukunft zusammenarbeiten. (Von Jasmin Jakob)

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