Vorbereitungen für zentrale Trauerfeier

Hanau nach dem Anschlag: „Wir müssen mehr Brücken bilden“

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Eine klare Botschaft sendet Hanau nach der Terrortat aus vielfache Weise aus.

Hanau nach dem Anschlag: Das schwerste und bedrückendste Treffen des Runden Tischs der Religionen stand an. Der Tenor: „Wir müssen mehr Brücken bilden“

  • Rassistischer Anschlag in Hanau mit 10 Toten
  • Die Stadt bereitet sich auf die Trauerfeier vor
  • Runder Tisch der Religionen mit klarem Statement

Hanau – Es war das bisher schwerste und das bedrückendste Treffen des Runden Tischs der Religionen. Am Montagabend, sechs Tage nach dem rassistischen Anschlag in der Brüder-Grimm-Stadt, trafen sich Vertreter von Kirchen und religiösen Gemeinschaften zu einer Sondersitzung. Gestern wurde dann in Dietzenbach mit Sedat Gürbüz ein weiteres Opfer des Hanauer Anschlags unter großer Anteilnahme beigesetzt. Der 30-Jährige war einer der Teilhaber der Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt, dem ersten Tatort.

Mittlerweile sind sieben der neun Opfer mit Migrationshintergrund beigesetzt worden, zwei wurden in die Türkei überführt. Am Freitag soll auf dem Marktplatz ab 15 Uhr ein weiteres muslimisches Totengebet stattfinden.

Hanau nach dem Anschlag: Opfer keine Fremden, sondern „in der Rhein-Main-Region verwurzelte Menschen“

Nach der Sitzung des Runden Tischs der Religionen, zu der Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck eingeladen hatten, haben Vertreter der Kirchen und Glaubensgemeinschaften eine gemeinsame Erklärung verfasst. „Wir trauern um die Toten des 19. Februar. Sie waren keine Fremden, sondern in der Rhein-Main-Region verwurzelte Menschen“, heißt es darin unter anderem. Und weiter: „Unsere Erschütterung über den rassistischen Terrorakt am 19. Februar 2020 hält an. Wir empfinden eine tiefe Scham angesichts des unfassbaren, entsetzlichen Verbrechens. Uns ist bewusst, dass das Leid der vom Terrorakt betroffenen Familien schier unermesslich ist.“ 

Die Vertreter des Hanauer Runden Tischs der Religionen veröffentlichten gestern eine gemeinsame Erklärung.

Die Kirchenvertreter sichern den betroffenen Opfern und deren Familien „unsere Solidarität und Nächstenliebe“ zu. „Wir beten für sie und für alle, die ihre Liebsten verloren haben und weiter in Angst leben.“ Hanau sei eine offene, tolerante, lebensbejahende, lernende Stadt und müsse das auch bleiben. Hier werde allen Menschen mit dem nötigen Respekt begegnet.

Hanau nach dem Anschlag: Religionen wollen sich für Vielfalt und Einheit einsetzen

Das gelte seit der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen Ende des 16. Jahrhunderts. „Das ist Vermächtnis auch für die Zukunft“, heißt es in der Erklärung. Nach dem Anschlag müssten sich „alle gesellschaftlichen Gruppierungen noch stärker dafür einsetzen, Vorurteile abzubauen und Brücken zu bilden.“ Die Mitglieder des Runden Tischs der Religionen wollen sich mit Nachdruck für Vielfalt und Einheit in Hanau einsetzen und den gesellschaftlichen Dialog fördern.

Die Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt war einer der Tatorte des rassistischen Anschlags.

Dem 2013 gegründeten Gremium gehören Vertreter aus 36 Kirchen und religiösen Gemeinschaften an. Ziel ist die Förderung und Intensivierung des Dialogs zwischen den Religionen.

Derweil laufen die Vorbereitungen für die angekündigte zentrale Trauerfeier in Hanau. Sie soll, wie berichtet, im März stattfinden. Offenbar wird neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet. Er war bereits am Tag nach dem Anschlag in Hanau und traf sich unter anderem mit Angehörigen der Opfer. Wo die Trauerfeier stattfinden wird, steht noch nicht fest. Angeblich soll es auch eine Übertragung auf Großleinwand geben.

Von Christian Spindler

Zu der zentralenTrauerfeier nach dem Anschlag in Hanau wird Kanzlerin Angela Merkel erwartet. Die Trauerfeier soll an mehrere Orte in Hanau* live übertragen werden. Alle aktuellen Informationen im Ticker.

Ausgerechnet der rechtspopulistische AfD-Politiker André Poggenburg kam für einen Besuch nach Hanau, um der Opfer des rassistischen Anschlags zu gedenken. Das blieb nicht ohne Widerspruch in der Stadt.

Die Angehörigen der Getöteten des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau versuchen das Trauma zu bewältigen – doch durch die Corona-Regeln wird die Trauerarbeit nicht leichter.

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