Auszeichnung

Anschlag in Hanau: Vili Viorel Păun wird mit Medaille für Zivilcourage geehrt

Ein Foto erinnert an Vili Viorel Păun. Er wurde jetzt mit der Medaille für Zivilcourage geehrt (Symbolbild).
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Ein Foto erinnert an Vili Viorel Păun. Er wurde jetzt mit der Medaille für Zivilcourage geehrt (Symbolbild).

Er wollte den Täter des Anschlags in Hanau stoppen und wurde selbst zum Opfer: Vili Viorel Păun wird deshalb jetzt mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage geehrt.

Hanau - Mehr als 14 Monate ist es her, dass bei dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau neun Menschen ihr Leben verloren. Nun wird der ermordete Vili Viorel Păun posthum mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage geehrt. Der 22-Jährige hatte am 19. Februar 2020 versucht, den Täter zu stoppen.

Die Anrufliste auf Păuns Handy weist am Tatabend zwischen 21.57 und 21.59 Uhr fünf Versuche auf, den Notruf 110 zu wählen. Păun verfolgte den Täter im Auto, wurde dann aber auf einem Parkplatz vom Täter erschossen. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Polizei stellte später fest, dass sieben Projektile auf seinen silbernen Mercedes abgefeuert wurden. Der junge Mann starb am Kurt-Schumacher-Platz im Stadtteil Kesselstadt in Hanau, am zweiten Tatort in der Tatnacht. 

Anschlag in Hanau: Ermittler hielten Vili Viorel Păun zunächst für ein Zufallsopfer

Vili Viorel Paun unterscheidet sich in einer Sache von den anderen Opfern. Păun hatte laut Angabe seiner Eltern keine Kontakte im Stadtteil Kesselstadt, daher galt er lange als Zufallsopfer. Bei den verbleibenden Opfern der Mordnacht lässt sich nachvollziehen, warum sie sich an den jeweiligen Tatorten aufgehalten haben. Es handelte sich um Shisha-Lounge- und Barbetreiber, Angestellte und Stammkunden.

Am 19. Februar 2020 hatte der 43 Jahre alte Deutsche Tobias R. neun Menschen mit ausländischen Wurzeln in Hanau erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst. Die Bundesanwaltschaft attestierte dem Täter eine zutiefst rassistische Gesinnung.

Anschlag in Hanau: Volker Bouffier findet treffende Worte für Păuns Einsatz

„Vili Viorel Păun hat sich selbstlos, mutig und entschlossen für seine Mitmenschen eingesetzt“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in Wiesbaden. Statt zu- oder wegzuschauen habe der 22-Jährige blitzschnell und mutig reagiert. Er habe versucht, Menschenleben zu retten.

Die Medaille für Zivilcourage könne nicht ungeschehen machen, was passiert sei, betonte der Ministerpräsident. „Sie bringt den Eltern ihren Sohn nicht zurück.“ Die Auszeichnung solle aber ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für selbstloses und tapferes Einschreiten zum Wohle anderer sein. Die Hessische Medaille für Zivilcourage wird seit Januar 2009 verliehen. Nur in besonderen Fällen kann sie posthum vergeben werden.

Gedenktafel erinnern bereits an die Opfer des Anschlags in Hanau

In unmittelbarer Nähe der beiden Tatorte des rassistischen Anschlags wurden im September erste offizielle und bleibende Gedenkorte geschaffen. Bei der Zeremonie ergriff neben Oberbürgermeister Claus Kaminsky auch der Vater des Verstorbenen, Niculescu Păun, das Wort.

Kaminsky sagte damals, dass Vili Viore Păun seinem Schicksal noch hätte entkommen können. Der junge Mann sei nachts mit seinem Wagen am Heumarkt angekommen, habe die Schießerei mitbekommen und sei dem flüchtenden Täter Richtung Kesselstadt nachgefahren, statt zu flüchten. 

Anschlag in Hanau: Einige Fragen noch immer ungeklärt

Noch immer gibt es offene Fragen der Angehörigen zu den Geschehnissen in der Anschlagsnacht, in der Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saracoglu von dem Hanauer Täter erschossen wurden.

Der Anschlag von Hanau soll verfilmt werden. Angehörige und die Stadt kämpfen jedoch gegen das Projekt an. Sie halten den Regisseur für nicht geeignet. (luw/dpa)

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