Bomben-Evakuierung in Hanau

Anwohner kritisieren die Stadt / Doch die sagt: Es gab Notunterkünfte

Immer wieder werden auf dem Pioneer-Areal Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden – dieses Exemplar etwa im Juni 2019.
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Immer wieder werden auf dem Pioneer-Areal Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden – dieses Exemplar etwa im Juni 2019.

Einmal mehr mussten am Dienstagabend die Nachbarn sowie die Bewohner des Pioneer Parks im Umkreis von 750 Metern ihre Häuser und Wohnungen verlassen: Bei Sondierungsarbeiten war wie berichtet eine 50-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Fast schon Routine für die Betroffenen, denn immer wieder werden seit Baubeginn Fliegerbomben auf dem einstigen militärischen Areal gefunden.

Hanau/Wolfgang – Eine Anwohnerin aus der Dunlopstraße, die ebenfalls ihre Wohnung verlassen musste, kritisiert die Art und Weise der Evakuierung, bemängelt fehlende Unterstützung und fühlt sich von der Stadt Hanau im Stich gelassen. Im Rathaus betont man allerdings auf Nachfrage, dass es wie bei den vorangegangenen Evakuierungen auch am Dienstagabend Hilfe für die betroffenen Anwohner durch die Behörden gegeben habe.

Gegen 18.30 Uhr sei es gewesen, als die Polizei an ihrer Tür klingelt, sagt Christa Doyle im Gespräch mit unserer Zeitung einen Tag nach der glimpflich ausgegangenen Bombenentschärfung. Die Beamten machen der Rentnerin sowie ihren Nachbarn in der Dunlopstraße deutlich, dass sie „schnell raus müssen“. „Eine Polizistin sagte uns, wir sollen in die Jahnhalle gehen“, so Doyle. Das tun sie und ihre Nachbarn auch – zu Fuß. Doch in der Jahnstraße angekommen, stehen sie vor verschlossenen Türen: Die Jahnhalle ist zu, unbeleuchtet, es ist auch niemand da, um sie in Empfang zu nehmen. „Keiner wusste, wohin“, erzählt die 72-Jährige. Sie selbst sei noch gut zu Fuß, sagt sie. Doch es seien ja auch Nachbarn mit eingeschränkter Mobilität beziehungsweise mit kleinen Kindern dabei gewesen. Eine missliche Lage, die durch den Lockdown verschärft wurde: „Wir konnten ja nicht einmal in ein Café oder Restaurant gehen“, so Doyle. Diese sind schließlich geschlossen.

Bagger hatte Weltkriegsbombe bei Arbeiten beschädigt

Ob es nun ein Missverständnis oder mögliche Unwissenheit der Polizistin an der Haustür war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren: Doch die Stadt Hanau macht deutlich: Die Jahnhalle war nicht als Notunterkunft vorgesehen. Festgelegt waren vielmehr die Lindenau-Halle und die Sporthalle Elisabeth-Schmitz-Schule in Wolfgang. Es hätte auch niemand zu Fuß dorthin laufen müssen, denn die Hanauer Straßenbahn (HSB) habe wie bei vorangegangenen Evakuierungsaktionen Sonderbusse zur Verfügung gestellt, so Magistratssprecherin Güzin Langner. Diesbezüglich habe es auch keine Meldung an den Führungsstab über fehlende Transportmöglichkeiten gegeben, so Langner. Und weiter: „In den Notunterkünften wurden Kalt- und Warmgetränke gereicht. Decken waren dort ebenfalls vorhanden.“

Dass die Evakuierung am Dienstagabend sehr schnell über die Bühne gehen musste, bestätigen sowohl Rudi Neu von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südosthessen als auch die Pressestelle der Stadt Hanau. Laut Neu hatte ein Bagger die Weltkriegsbombe bei den Arbeiten auf dem Pioneer-Gelände beschädigt. Es bestand also die Gefahr, dass das 50-Kilo-Ungetüm aus dem Bombenkrieg explodieren könnte. „Aufgrund der Lage und des Zustands der Bombe war eine sofortige Maßnahme ohne die übliche Vorbereitungszeit erforderlich. Die Festlegung des Evakuierungsbereichs und die hierfür notwendigen Maßnahmen wurden mit den beteiligten Behördenvertretern – Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums, Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr ermittelt und umgesetzt“, heißt es zum Ablauf aus dem Rathaus. Gegen 15.30 Uhr sei der Vorfall passiert, um 15.50 Uhr die Feuerwehr alarmiert worden.

Mit dem Hinweis auf die Jahnhalle auf die „falsche Fährte“ geführt, nahm der Abend für Doyle und einige ihrer Nachbarn keinen erfreulichen Fortgang: Dreieinhalb Stunden harrten sie in der Kälte aus, ehe sie zufällig von einem Busfahrer die Aufhebung der Sperrung erfahren hätten. Doch auch diesbezüglich hatte die Stadt vorgesorgt, wie Langner mitteilt: Über Radio, Katwarn, auf verschiedenen Social-Media-Kanälen, in den eingerichteten Notunterkünften sowie am Bürgertelefon sei über die erfolgreiche Entschärfung und Aufhebung der Sperrungen informiert worden. Lautsprecherdurchsagen zu diesem Zwecke seien nicht üblich und in der Vergangenheit auch nicht erfolgt. (Von David Scheck)

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