„Tickende Zeitbombe“

Anzeige gegen Vater des Attentäters von Hanau

Welche Rolle spielte der Vater des Attentäters von Hanau bei dem Anschlag? War er womöglich sogar am Tod der Mutter beteiligt?

  • Schon lange wird über die Rolle des Vaters des Attentäters von Hanau* spekuliert.
  • Angehörige der Hinterbliebenen haben nun Strafanzeige gegen den 73-Jährigen gestellt.
  • Demnach sei es sogar möglich, dass dieser selbst an einem Mord beteiligt war.

Hanau – Schon länger haben die Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau auf die Rolle des Vaters des Attentäters hingewiesen. Nun haben sie Anzeige erstattet, das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ).

Dem Bericht zufolge sehen die Angehörigen in dem Mann eine „tickende Zeitbombe“. Er soll sich nicht nur einen Schäferhund angeschafft haben, sondern auch eine Familie in der Nachbarschaft mit schwarzem Pflegekind beschimpfen. Er glaubt außerdem, dass ein Geheimdienst den Anschlag in Hanau begangen hat, nicht sein Sohn. Die „Täter“ sind seiner Ansicht nach die Opfer des Anschlags.

Vater das Attentäters von Hanau als Mitschuldiger?

Nach Ansicht der Angehörigen von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Mercedes Kierpacz, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov, Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtović ist der Vater des Attentäters von Hanau selbst ein Täter. Das geht aus der 16 Seiten langen Anklage hervor. Demnach werfen sie dem 73-Jährigen Beihilfe zum Mord und die Nichtanzeige von Straftaten vor. Nach Angaben der SZ besteht der Anfangsverdacht, dass der Vater von den Plänen seines Sohnes wusste und ihn womöglich sogar darin bestärkt hat. Der Bundesanwaltschaft werfen die Angehörigen vor, den Vater nicht als möglichen Mitwisser und Mittäter im Visier zu haben. Kurz nach der Tat hatte es geheißen, der Täter von Hanau habe mit niemandem über seine Pläne gesprochen.

Ein Jahr ist der Anschlag in Hanau her, noch immer ist die Trauer bei vielen groß. Auch bleiben weiterhin Fragen offen.

Dabei gibt es bereits seit Längerem Hinweise auf eine toxische Beziehung zwischen Vater und Sohn. So schildert ein Jobcenter-Mitarbeiter, welcher beide Männer zusammen erlebt hat, als „Produkt des Vaters“. In seinen mehr als 250 Rechtsstreitigkeiten hat sich der Täter des Anschlags von Hanau auch noch im Alter von Mitte dreißig vertreten lassen. In einer Einschätzung eines Psychiaters aus dem Jahr 2002 ist zu lesen, dass der Vater die Behandlung des Sohnes „aktiv verhindere“. Sogar eine zusammen ausgelebte psychische Störung sei demnach möglich.

Beteiligung am Mord an der Mutter des Attentäters von Hanau möglich

Auch die Rolle des Vaters in der Tatnacht ist noch ungeklärt. Nicht nur machte der 73-Jährige nachweislich falsche Angaben. Er will auch in der Nach des Anschlags weder den Hubschrauber über seinem Haus in Hanau, noch die Schüsse auf seine Frau und den Suizid seines Sohnes im Nebenzimmer gehört haben. Die Anwälte der Familien der Hinterbliebenen halten es dagegen für möglich, dass der Vater am Tod seiner Frau beteiligt war, denn auf seiner Kleidung wurden Schmauchspuren gefunden. Die Anwälte halten den Vater für einen „überzeugten Ideologen“, sie fordern erneute Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. (Marcel Richters mit SZ) *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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