Anbau für Rinderherde

Ein „Schlaraffenland“: Auerochsen bekommen neues Gehege im Wildpark Alte Fasanerie

65000 Euro hat der neue Stall für die Klein-Auheimer Auerochsen gekostet. Während die mächtigen Rinder ihr neues Domizil nur aus der Ferne betrachteten, wagte die Ziege schon mal einen neugierigen Blick hinein.
+
65000 Euro hat der neue Stall für die Klein-Auheimer Auerochsen gekostet. Während die mächtigen Rinder ihr neues Domizil nur aus der Ferne betrachteten, wagte die Ziege schon mal einen neugierigen Blick hinein.

Die kleine Herde der mächtigen Rinder im Wildpark Alte Fasanerie zieht in neues Gehege. Dort soll es dann auch Zuwachs geben.

Hanau – Vom „Schlaraffenland“ oder einer „grüne Oase“ war im Klein-Auheim Wildpark Alte Fasanerie die Rede, als dort das neue Gehege der Auerochsen eingeweiht wurde. Auf dem Areal unweit des Eingangs am Steinheimer Tor, in dem früher Elche beheimatet waren, leben nun drei Auerochsen-Kühe – gemeinsam mit sechs Ziegenböcken. Das weitläufige, durchgrünte Gelände biete Platz für bis zu fünf Auerochsen, erläuterte Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel die Konzeption des Geheges, dessen Herzstück ein mächtiger neuer Stall ist.

„Unser ganz großer Dank gilt dem Wildpark-Förderverein für die Finanzierung“, sagte die stellvertretende Forstamtsleiterin Sigrun Brell. Der Wildpark-Förderverein hat zwei Drittel der insgesamt 65 000-Euro-Investition gestemmt. Brell dankte zudem Schreiner Martin Köhler für die fachliche Beratung und Tierpfleger Björn Ludwig, der als Mitverantwortlicher für die Ur-Rinder im Wildpark weiß, wie die imposanten Hornträger artgerecht gehalten werden. Ein dickes Lob gab es zudem für Ralf Reußwig, der die bauliche Umsetzung des 13 mal 10 Meter großen Stalls übernommen hatte. Der Stall ist unterteilt in fünf Einzelboxen, die jeweils mit einem separaten Futtertrog ausgestattet sind.

„Die Auerochsen sind glücklich, in dieser grünen Oase leben zu können“, glaubt Fördervereins-Vorsitzende Hannelore Moravec. Es habe sich ausgezahlt, Tierpfleger Björn Ludwig mit in die baulichen Planungen einzubeziehen, denn er wisse am besten, was die Tiere brauchen, um sich wohl zu fühlen.

Insgesamt sei das Projekt überaus gelungen, findet Moravec, die auch stolz darauf ist, dass der Förderverein selbst in der Hochphase der Coronazeit, als auch der Wildpark geschlossen war, einen satten Mitgliederzuwachs verbuchen konnte. „Inzwischen haben wir 2900 Mitglieder. Unter ihnen sind 262 Tierpatinnen und -paten“, so Moravec. Mehr als 30 Fördervereinsmitglieder hätten sich in den vergangenen Wochen dazu entschlossen, ebenfalls Tierpatenschaften zu übernehmen.

Den drei Auerochsen-Kühen – der 17-jährigen Maja sowie den beiden 2014 und 2018 geborenen Kühen – sollen zwei weitere der imposanten Urrinder ins „Schlaraffenland“ folgen. „Wenn Maja mal nicht mehr ist, wollen wir zur Auffrischung des Genpools einen neuen Auerochsenstier aus dem Neandertal holen“, kündigte Dr. Ebel an. Dieser neue Stier soll dann die Kühe decken und für Vermehrung der kleinen Herde sorgen.

Eine „grüne Oase“ ist das neue Auerochsen-Gehege für die kleine Herde. Drei Tiere leben vorerst dort.

Der Auerochse, auch Ur genannt, gehörte bis zu seiner Ausrottung im 17. Jahrhundert zu den größten Landtieren Europas und diente vor allem den besser betuchten Menschen als Fleischlieferant. „Im Jahr 1627 wurde in Polen der letzte lebende Auerochse geschossen“, erläuterte Dr. Ebel. „Die echten Auerochsen sind definitiv ausgestorben. In den 1920er Jahren haben die Gebrüder Heck durch Rückzüchtung aus verschiedenen der 800 unterschiedlichen Hausrinderrassen ein dem Auerochsen sehr ähnlich sehendes, allerdings etwas kleineres Rind züchten können“, weiß die Wildpark-Biologin. Die Neuzüchtung sei auch weitaus weniger aggressiv als der ausgestorbene Auerochse, der eine Schulterhöhe von bis zu 1,80 Meter hatte.

Noch vor einigen Jahren glaubten Wissenschaftler, dass der Auerochse die Stammform der Hausrinder sei. Genetische Untersuchungen zeigten jedoch, dass es tatsächlich keine Anzeichen dafür gibt, dass der vor rund 400 Jahren ausgestorbene Ur in Europa jemals domestiziert wurde. Die europäischen Hausrinder stammen vielmehr allesamt aus dem Nahen Osten und kamen mit von Menschen organisierten Viehzügen über Anatolien nach Europa. VON HOLGER HACKENDAHL

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare