Vermittler zwischen Tier und Mensch

Außergewöhnlicher Job: Matthias Fink (35) ist Bibermanager

Bei „Konflikten“ zwischen Menschen und Wildtieren wie dem Biber vermittelt Experte Matthias Fink und sucht nach Lösungen, mit denen beide Seiten leben können.
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Bei „Konflikten“ zwischen Menschen und Wildtieren wie dem Biber vermittelt Experte Matthias Fink und sucht nach Lösungen, mit denen beide Seiten leben können.

Der Biber hat in Hessen die Marke von 1000 Exemplaren geknackt. Davon ist Matthias Fink überzeugt. Der 35-Jährige ist einer von zwei Biber- und Wildtierkonfliktmanagern beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt.

  • Matthias Fink ist Bibermanager des Regierungspräsidiums Darmstadt
  • Der 35-Jährige vermittelt bei Konflikten zwischen Mensch und Tier
  • In Hanau fühlen sich die Biber wohl

Hanau – Unsere Zeitung hat ihn bei einer Ortsbegehung am Hellenbach zwischen Steinheim und Klein-Auheim begleitet. Dort fühlen sich die Biber sichtlich wohl. In den vergangenen Jahren lag der Hellenbach an vielen Stellen trocken, im letzten Winterhalbjahr hat ihn der Biber aufgestaut. Im Frühjahr wurde das Werk des Bibers besonders deutlich: Auf dem Fußweg unterhalb des Hellenwalds stand auf einem Abschnitt von circa 30 Metern das Wasser.

Hanau – „Mittlerweile gibt es einhundert Biberreviere im Main-Kinzig-Kreis“

Der Biber – pro Revier rechnet man beim RP statistisch 3,3 Tiere – hat im Hellenbach mehrere Dämme gebaut und so die angrenzenden Wiesen geflutet. Zum Wohl der Pflanzenwelt und der dort lebenden Amphibien und Insekten nach vielen trockenen Sommern. „Mittlerweile gibt es einhundert Biberreviere im Main-Kinzig-Kreis“, weiß Fink. Mehrere Elbe-Biber wurden 1987 im Sinntal und an der Jossa angesiedelt. Von dort aus haben sie sich dann ausgebreitet.

In Hessen kümmern sich die bei den Regierungspräsidien angesiedelten Oberen Naturschutzbehörden um das sogenannte Wildtier-Konfliktmanagement. Im Blick haben sie Tierarten, die wieder ansässig werden und Konflikte mit dem Menschen auslösen können: Wolf, Luchs, Biber oder Fischotter. Im Anschluss an die Begehung trifft sich Fink in Nidderau mit einem Landwirt und der Unteren Naturschutzbehörde, um zu beraten, wie eine überschwemmte Wiese am Katzbach wieder als Weidefläche genutzt werden kann. Dies sei etwa durch Anlegen eines Entwässerungsgrabens möglich. Der Experte versucht zu erreichen, dass Biber und Anrainer eben möglichst konfliktfrei nebeneinander leben können.

Am Hellenbach hat der Biber mehrere Dämme aus Holz gebaut.

Hanau: Der Biber gestaltet sich seinen Lebensraum selbst

„Der Biber ist ein Multiplikator“, sagt Fink. „Er ist das einzige Tier, das seinen Lebensraum selbst gestalten kann. Durch das Aufstauen von Gewässern schafft er neue Biotope und ermöglicht anderen Tieren neue Lebensräume.“ Amphibien, Libellen, Eisvögel, Schwarz- und Weißstörche besiedeln den überschwemmten Lebensraum. „Sie alle profitieren vom Biber, der eine Schlüsselart für Biodiversität ist.“ Zudem ist er streng geschützt.

Für den studierten Landschaftsarchitekten mit Schwerpunkt Naturschutz ist sein Beruf als Bibermanager eine Berufung. Schon früh stand für ihn fest, dass er in der Natur unterwegs sein möchte. Die Faszination für die Nager ist ihm anzumerken. Die Zahl der Biber am Hellenbach schätzt der Experte auf fünf bis acht Exemplare.

Hanau: Im Wasser fühlt sich der Biber wohl

Typisch für den Biber ist der Sanduhrenbiss, mit dem er diese Weide gefällt hat.

„Im zweiten Lebensjahr werden Biber geschlechtsreif, dann müssen sie ihre Familie verlassen, werden von ihren Eltern weggebissen“, sagt Fink. Jungbiber wandern bei der Suche nach einem Revier in einer Nacht problemlos 25 Kilometer. Mit ihren Zähnen und dem typischen „Sanduhrenbiss“ fällen sie vorzugsweise Weichhölzer. Sie nagen die Rinde ab – Pappeln und Weiden gehören zu ihrer bevorzugten Nahrung. Mit ihren Staudämmen sorgen sie nicht nur dafür, dass der Eingang zur Biberburg unter Wasser liegt. „Sind Flächen überflutet, kann er leichter von Lebensraum A nach B schwimmen“, erläutert Fink. Denn im Wasser fühlt das Tier sich sicherer als an Land. „Da ist er eher behäbig.“

VON HOLGER HACKENDAHL

Der Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau ist wieder geöffnet. Jetzt gelten aber bestimmte Regeln. 

Oliver Gross aus Hanau-Steinheim war 1995 auf Platz 60 der Tennis-Weltrangliste. Heute lebt er in Doha, der Hauptstadt von Katar.

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