Literarische Erinnerung an wilde Zeiten

 Hanau: Autor Rudolf-Friedrich Müller findet das „Klingonenmädchen“

Autor Rudolf Friedrich Müller mit seinen Büchern „Grenzgänge“ und „Die Sport-Bar“.
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Autor Rudolf Friedrich Müller mit seinen Büchern „Grenzgänge“ und „Die Sport-Bar“.

„Grenzgänge“ heißt der aktuelle Band des Hanauer Autors Rudolf-Friedrich Müller, der 15 Kurzgeschichten „aus dem Niemandsland“ vereint.

Hanau - Nach seinem Debüt „Die Sport-Bar“ erscheint mit „Grenzgänge“ der zweite Band des Hanauer Autors Rudolf-Friedrich Müller mit eigenen Geschichten. Das „Niemandsland“ existiert an der Grenzlinie zwischen historischen Ereignissen, der Fantasie und autobiografischen Erlebnissen des Schriftstellers. Vor allem historische Begebenheiten, Personen und ihr Lebensweg, verwunschene Orte und alte Überlieferungen bilden ein nahezu unerschöpfliches Reservoir für Müllers Short Storys.

Am Grab des Hauptmanns von Köpenick

Unter dem Titel „Schuster Voigt“ nimmt Müller seine Leser mit nach Luxemburg, wo der Hauptmann von Köpenick auf dem Liebfrauenfriedhof begraben liegt. In lockerem Plauderton erzählt der Autor die bekannte Geschichte, die ganz Preußen 1906 sprachlos machte. Müller ordnet das „Gaunerstück“ des Wilhelm Voigt in die Zeit des Kaiserreichs ein und beschreibt, wie das Leben des ehemaligen Tagelöhners und Diebes aus Tilsit sich zunächst in Luxemburg zum Guten wendete, er dann aber doch völlig verarmt gestorben ist. Auch wer das Grab bis heute pflegt und unterhält, können interessierte Leser hier erfahren.

Reise zurück in die Studentenzeit in Heidelberg

In der Geschichte über das „Klingonenmädchen“ wiederum erinnert sich der Ich-Erzähler im Rückblick an seine Studentenzeit im Heidelberg der 1960er. Während einer Taxifahrt durch die Stadt ruft sich der Autor diese „wilden Jahre“ ins Gedächtnis; Persönliches wird eingebunden in die Zeitgeschichte. Die Stadt am Neckar war der Hotspot der Musikszene, das Hauptquartier der US-Streitkräfte und Studentenstadt. Dies ist der Rahmen für die Geschichte von Anita, der Psychologiestudentin und dem wohlhabenden Amerikaner David Shoemaker, der sein „Klingon-Girl“ – ein Begriff aus der in Deutschland damals noch unbekannten, amerikanischen Kultserie ‚Star Trek’ – in Heidelberg findet. Unter anderem in diese Geschichte habe er seine Lebenserfahrung eingebaut, sagt Rudolf Müller.

Autor kommt aus dem Druckerei-Gewerbe

Der Hanauer, Jahrgang 1946, war über 36 Jahre Geschäftsführer einer Druckerei, ehe er sich entschloss, eine Leidenschaft seiner Jugendzeit wieder aufleben zu lassen: das Schreiben von Kurzgeschichten und Gedichten. Müller besuchte von 2007 bis 2009 die Schreibwerkstatt der Volkshochschule Hanau (VHS) und war Gründungsmitglied der Autorengruppe ZwanzigZehn. Bereits erschienen sind von Müller die „Die Erde von Verdun“ zum 20. Jahrestag des Mauerfalls und Kurzgeschichten für die Sammelbände „KlappStuhlGang“ und „LichterWahnSinn“, beide Bücher wurden von der Autorengruppe „Wortspieler“ herausgegeben.

Müller ist auch als Stadtführer in Hanau aktiv

Mit dem Band „Die Sport-Bar und 33 weitere Geschichten“ publizierte Müller zum ersten Mal eine Auswahl eigener Kurzgeschichten. Gemeinsam mit Schriftsteller Gerhard Roth veranstaltet er Lesungen im Alten Teehaus Kesselstadt. Diese, wie die Vorstellung seines aktuellen Buches „Grenzgänge“ sind coronabedingt auf das kommende Jahr verschoben. Der Hanauer Autor liest gerne und viel und recherchiert in Archiven und im Internet. In seinen Storys verarbeitet Müller diese historischen Ereignisse und Personen und interpretiert sie auf seine „eigene Art und Weise“. Humorvolle, skurrile Kurzgeschichten sind das Metier von Müller, er will seine Leser unterhalten und erinnert gerne an „alte Zeiten“. Dabei sind es oft die kleinen, alltäglichen Dinge, die seine Aufmerksamkeit finden und ihm Stoff für seine Erzählungen liefern. Vor vier Jahren hat Rudolf Müller zudem eine Ausbildung zum Stadtführer erfolgreich abgeschlossen. Seine Führungen bereiten ihm nicht nur sehr viel Spaß, sondern bieten nebenbei Stoff für neue Storys. Einige sind in dem Buch „Grenzgänge – 15 Storys aus dem Niemandsland“ nachzulesen.

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