Ginkgo als Symbol der Hoffnung

Baum im Bürgerpark in Hanau erinnert an selbstlose Tat von Alptug Sözen

Erinnerung an den zu Tode gekommenen Lebensretter: Gemeinsam mit Yasemin Sözen und Ejder Sözen sowie weiteren Familienmitgliedern und Freunden pflanzte OB Kaminsky den Baum im Bürgerpark Freigericht. 
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Erinnerung an den zu Tode gekommenen Lebensretter: Gemeinsam mit Yasemin Sözen und Ejder Sözen sowie weiteren Familienmitgliedern und Freunden pflanzte OB Kaminsky den Baum im Bürgerpark Freigericht. 

Vor einem Jahr, am 13. November 2018, kam der 17 Jahre alte Hanauer Schüler Alptug Sözen beim Versuch, einen hilflosen Mann aus dem Gleisbett an der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße zu retten, ums Leben.

Hanau – Nicht nur die Menschen in Hanau, sondern weit über die Grenzen der Stadt hinaus reagierten mit großer Betroffenheit und Trauer auf die Nachricht vom Tod des selbstlosen und mutigen jungen Mannes. Mehrere hundert Trauernde trugen sich in ein Kondolenzbuch ein, das im Rathaus der Stadt auslag.

Alptug Sözen zu Ehren und im Gedenken an ihn wurde an seinem Todestag im Auftrag der Stadt ein Ginkgo-Baum im Bürgerpark Freigericht – unweit der Wohnung seiner Eltern – gepflanzt. „Der Baum gilt als Symbol für Stärke und Hoffnung und wurde durch das deutsche Kuratorium Baum des Jahres zum Mahnmal für Frieden und zum Baum des Jahrtausends erklärt“, sagte OB Claus Kaminsky im Rahmen der kleinen Zeremonie, bei der der engste Familien- und Freundeskreis von Alptug Sözen anwesend war. „Der Baum soll hier wachsen und gedeihen und an diesen mutigen und heldenhaften jungen Mann erinnern, sowie auch als Zeichen der Hoffnung für die Zukunft dienen“, sagte Kaminsky. Eine Plakette, die an Alptug Sözen erinnert, ist in Arbeit, sie soll auf einer Stele neben dem Baum installiert werden.

„Es ist uns sehr wichtig, dass unser Sohn und seine Tat nicht vergessen wird“, sagte seine Mutter Yasemin Sözen, „deshalb sind wir dankbar für alles, was die Menschen an ihn erinnert.“ Auch sein Vater Ejder Sözen dankte OB Kaminsky für das Symbol in Form des Ginkgo-Baumes: „Ich werde jeden Tag hier vorbeigehen und diesen Baum wachsen sehen und an meinen Sohn denken. Das macht mich sehr froh.“

Im Januar 2019 beschloss der Magistrat, Alptug Sözen posthum die Ehrenplakette in Gold der Stadt Hanau zu verleihen, um ihn für sein uneigennütziges Verhalten zu würdigen. „Alptug Mustafa Sözens selbstloses Handeln und seine große Hilfsbereitschaft sind außergewöhnlich und in unserer Gesellschaft absolut nicht selbstverständlich. Durch seine Tat hat er mehr für die Verständigung und den Respekt zwischen den Kulturen getan, als es 1000 Worte vermögen“, zitierte OB Kaminsky aus der Begründung für den Magistratsbeschluss.

Eine Gedenkveranstaltung und die Übergabe der Ehrenplakette an die Familie Sözen fand, wie berichtet, am 10. Oktober in der Ludwig-Geißler-Schule statt, die Alptug besuchte. Dort wurde auch eine Gedenktafel enthüllt, die von einem Lehrer und Schülern der nahe gelegenen Staatlichen Zeichenakademie gestaltet wurde. „Alptug Sözen (15.1.2001 - 13.11.2018) - In ehrendem Gedenken an seine mutige und selbstlose Hilfe für einen Mitmenschen“ ist darauf zu lesen. Darunter überkreuzen sich eine dunkle und eine helle Hand, die eine helfend, die andere Hilfe suchend.

Am 12. Juni fand zudem in der S-Bahn-Station Ostendstraße eine Gedenkfeier zu Ehren des Verstorbenen statt. Im Beisein der Familie wurde in der großen Halle im Mittelgeschoss der Station eine neue Gedenktafel enthüllt, auf der geschrieben steht: „Mustafa Alptug Sözen bewies an dieser Stelle Heldenmut und Zivilcourage. Er ließ sein Leben beim Versuch, einen hilflosen Menschen von den Gleisen zu retten. Die S-Bahn-Station wird für immer mit seinem Namen verknüpft sein.“ Außerdem wurde über dem Schild „Ostendstraße“ ein Stationsschild ergänzt, auf dem „Alptug-Sözen-Station“ zu lesen ist. Ein weiteres Zusatzschild wurde am Zugang zur Station Hanauer Landstraße/Ecke Grüne Straße angebracht.  

VON CHRISTIAN SPINDLER

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