Reichlich Sand im Getriebe

Beim Haus des Jugendrechts gibt es Verzögerungen

Zum Schlossplatz hin soll das Gebäude der städtischen Baugesellschaft im Oberschoss als Haus des Jugendrechts genutzt werden, im Erdgeschoss ist ein Lokal mit Außenterrasse vorgesehen. Fotos: Spindler (2)/Paul
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Zum Schlossplatz hin soll das Gebäude der städtischen Baugesellschaft im Oberschoss als Haus des Jugendrechts genutzt werden, im Erdgeschoss ist ein Lokal mit Außenterrasse vorgesehen. Fotos: Spindler (2)/Spindler

Beim Haus des Jugendrechts in Hanau gibt es Verzögerungen. Es ist reichlich Sand im Getriebe.

Hanau –  „Hier kommen die Büros der Polizei rein“, sagt Projektleiter Karsten Baumann beim Gang durch die Räume. Im rückwärtigen Teil sind die Sanitär-Vorbereitungen für die Toilettenräume bereits installiert.

Auch die Dachisolierung ist montiert, ebenso neue Versorgungsleitungen. Ansonsten wirkt das Gebäude, in dem im Herbst das künftige Haus des Jugendrechts seinen Betrieb aufnehmen soll, im Inneren an vielen Stellen noch wie ein Rohbau. Ob die Inbetriebnahme wirklich noch dieses Jahr erfolgen kann? „Baulich ist das zu schaffen“, sagt Jens Gottwald, Geschäftsführer der städtischen Baugesellschaft, der die Immobilie am Schlossplatz bzw. an der Graf-Philipp-Ludwig-Straße gehört – „eigentlich“, fügt er hinzu.

Beim Haus des Jugendrechts in Hanau – es soll das fünfte in Hessen werden – sind mehrere Akteure maßgeblich beteiligt: Die städtische Baugesellschaft als Immobilienbesitzer, der nach Landesvorgaben den Umbau vornimmt, sowie die hessischen Ministerien für Justiz und Finanzen, aber auch der Landesbetrieb Bau und Immobilien (LBIH). Da gibt es viel Koordinierungsbedarf, sind viele Absprachen notwendig. Und dabei scheint nicht alles rund zu laufen. Dazu wollen sich Baugesellschaftschef Gottwald und sein Projektleiter Baumann aber nicht äußern.

Tatsache ist, dass die Inbetriebnahme eigentlich längst erfolgt sein sollte. Als das Projekt im September 2018 vorgestellt wurde, war von einer „Rekordzeit von Planung bis zur Verwirklichung“ die Rede. Bereits wenige Monate später sollte das Haus seiner Bestimmung übergeben werden. Daraus wurde nichts. Später wurde April 2020 genannt, dann Sommer, jetzt soll es Herbst werden. Bei etlichen Beteiligten soll mittlerweile der Frust groß sein, weil offenkundig reichlich Sand im Getriebe ist.

Eine Besonderheit bei dem Millionen-Projekt ist die aufwendige Sicherheitstechnik, die eingebaut werden muss. „Dafür dürfen nur Firmen eingesetzt werden, die entsprechend vom Land zertifiziert sind“, erläutert Gottwald. Aber das ist nur ein Punkt, der den Fortgang der Arbeiten schwierig gestaltet.

Aus dem Justizministerium heißt es, man freue sich zwar, wenn alles fertig wird und das Haus in Betrieb gehen kann, so Sprecher René Brosius. Zum Termin könne man aber nichts sagen. Vom Landesbaubetrieb war gestern keine Auskunft zu bekommen. Und von der Baugesellschaft heißt es auf Nachfrage lediglich, dass Absprachen zwischen den Beteiligten mitunter „sehr schwierig“ seien. Während Stadt und Main-Kinzig-Kreis die Mietverträge für ihre Teile am Haus des Jugendrechts bereits unterzeichnet haben, steht die Unterschrift aus Wiesbaden noch aus. Allein das könnte bald den weiteren Baufortschritt hemmen.

Im Inneren wurde der Zuschnitt der Räume verändert, zum Teil wurden zudem neue Decken eingezogen.

Im Haus des Jugendrechts arbeiten Institutionen, die im Jugendstrafrecht zuständig sind, an einem Ort zusammen: Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch Jugendgerichtshilfe und freie Träger. Mit den bisherigen Einrichtungen in Wiesbaden und in Frankfurt habe man gute Erfahrungen gemacht, erklärte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Eröffnung der Einrichtung in Offenbach im April vorigen Jahres. „Unser Ziel ist es, kriminelle Karrieren im Keim zu ersticken. Deshalb ist es wichtig, dass die Strafe auf dem Fuße folgt.“

Im Haus des Jugendrechts in Hanau soll es nach Auskunft des Justizministeriums zwei staatsanwaltliche und eine richterliche Stelle geben, zudem zwei Stellen für Bürokräfte und eine Wachtmeisterstelle. Dazu kommen voraussichtlich zwei Dutzend Stellen der Polizei. Vertreten sind außerdem Jugendgerichtshilfe und freie Träger, die beratend und helfend tätig sind. Ein Teil der Arbeit ist der Täter-Opfer-Ausgleich, um Konflikte möglichst außergerichtlich beizulegen und auch rasch Sanktionen zu verhängen.

1600 Quadratmeter soll das Haus des Jugendrechts in dem insgesamt 2300 Quadratmeter großen Komplex belegen. Der größte Teil ist für die Polizei vorgesehen, die ebenso wie die Staatsanwaltschaft das Obergeschoss nutzen wird mit Büros, aber auch Vernehmungszimmern. Im Erdgeschoss zieht die Jugendgerichtshilfe ein.

Der Innenhof der Anlage, in der sich angrenzend Wohnungen befinden, ist für Garagen und Stellplätze der Polizei-Fahrzeuge vorgesehen. Ein Teil soll Grünanlage werden, sagt Gottwald.

Ursprünglich wollte die Baugesellschaft die Wohnungen in den Gebäuden sanieren und im Erdgeschoss Gastronomie oder Geschäfte ansiedeln. Vorbereitungen liefen bereits 2017. Dann kamen die Pläne für das Haus des Jugendrechts, für das eine innenstadtnahe Immobilie gesucht wurde. Im Oktober 2018 wurde mit der Entkernung der Gebäude begonnen. In der Folge mussten zum Teil aus statischen Gründen die Decken erneuert werden. Und es wurden neue Zwischenwände eingezogen. „Als nächstes sind Elektroarbeiten an der Reihe“, sagt Projektleiter Karsten Baumann.

Beim Ortstermin: Jens Gottwald, Chef der Baugesellschaft (rechts), und Projektleiter Karsten Baumann.

Zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss soll es künftig neben dem Haus des Jugendrechts in dem Gebäude geben. Richtung Schlossplatz soll ein Restaurant einziehen, das laut Gottwald „moderne deutsche Küche“ bietet. Und an der Ecke Sternstraße ist ein Lokal geplant, das Salate und Hamburger serviert. „Wir sind in den Endverhandlung“, sagt Gottwald. Der Umbau des Gebäudes soll insgesamt zehn Millionen Euro kosten.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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