Mauer zum Sitzen

Bury-Kunstwerk für den neuen Kirchplatz

So sieht das Modell des bereits aus den 1980er Jahren stammenden Entwurfs von Claus Bury aus. Auf einer 15 mal 17 Meter großen Fläche soll die Neustadt-Sitzgruppe nun realisiert werden. Ansichten: Stadt Hanau/Foto: Spindler
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So sieht das Modell des bereits aus den 1980er Jahren stammenden Entwurfs von Claus Bury aus. Auf einer 15 mal 17 Meter großen Fläche soll die Neustadt-Sitzgruppe nun realisiert werden. 

Ein halbes Dutzend Bagger in verschiedenen Größen sind auf dem Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche im Einsatz. Die Erdarbeiten laufen auf Hochtouren. 

Hanau – Die hochgezogenen Steineinfassungen der künftigen Grünflächen sind gesetzt, Teile des Platzes bereits gepflastert. Momentan wird der Bereich direkt an der Kirche mit anthrazitfarbenen und hellen Natursteinen belegt. Vor Wochen wurden schon die ersten Bäume auf dem künftigen innerstädtischen Platz gepflanzt, auf dem seit März vorigen Jahres die Arbeiten für den sechs Millionen Euro teuren Umbau laufen.

Indes wird auch im 420 Kilometer entfernten Aicha vorm Wald an dem Element gewerkelt, das die besondere Attraktion des neuen Kirchplatzes werden soll: Eine große Sitzgruppe, die zu einem begehbaren Plan der Hanauer Neustadt gehört.

Das Projekt, ein Entwurf des renommierten Bildhauers Claus Bury, hat eine ungewöhnliche Historie: Bury hatte das Modell des Bodenreliefs bereits in den 1980er Jahren angefertigt. Es sollte damals bei der Neugestaltung des Marktplatzes verwirklicht werden. Die Idee wurde seinerzeit am Ende aber doch nicht realisiert. 30 Jahre später wird das nun an anderer Stelle nachgeholt.

„In einem Granitwerk im Bayerischen Wald werden derzeit die großen Steine für die Sitzbänke und Straßenquartiere dieses besonderen Kunstwerks geschnitten“, erläutert Martin Hoppe, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur. Und auch die Straßennamen für die Metallbandeinlagen werden schon gefräst. Zudem seien die Planungen für Fundament, Entwässerung und Beleuchtung der künftigen Sitzgruppe abgeschlossen.

Auf einer Gesamtfläche von mehr als 250 Quadratmetern soll bis Ende Juni das Bury-Relief auf dem Kirchplatz installiert sein. „Es ist alles im Zeitplan“, sagt Hoppe.

Der begehbare Stadtplan basiert auf dem Metzger-Plan, einer 1665 angefertigten Neustadt-Ansicht aus der Vogelperspektive. Die einst sternförmige Neustadt-Befestigung wird im Bury-Werk durch Stein-Sitzbänke dargestellt. Die offenen Zugänge zum begehbaren Plan befinde sich an den Stellen der einstigen Stadttore. Das quadratisch angelegte Straßenraster der 1597 gegründeten Hanauer Neustadt wird im Steinrelief vertieft dargestellt. Die historischen Straßenbezeichnungen werden auf Metallbändern auf den Steinplatten zu lesen sein.

Bereits vor sieben Jahren hatte die Stadtverordnetenversammlung im Zuge der Planungen für den Innenstadt-Umbau 350 000 Euro für die Neustadt-Sitzgruppe bereitgestellt. Entwurf, Konstruktion und Fertigung des Werks im Bayerischen Wald kosten laut Hoppe 249 000 Euro. Zum Fundament wird eine besondere Lichttechnik gehören, die die Sitzgruppe abends illuminiert.

Der Nordwest-Bereich des Kirchplatzes um die Kirche herum ist bereits seit November fertig, der nordöstliche Teil soll bis Ende März folgen. Derzeit wird der Untergrund in anderen Bereichen vorbereitet. Die Verlegung des Natursteinpflasters soll witterungsbedingt erst ab Februar weitergehen, heißt es vom städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) auf Anfrage. Dann sollen auch die vier großen Platzleuchten um die Kirche aufgestellt werden. Im Weiteren folgen Arbeiten unter anderem am südlichen Teil der Französischen Allee in Lindenstraße und Karl-Röttelbarg-Straße und an der Hahnenstraße. Dort wurde eine riesige Baugrube ausgehoben. Die Nassauische Heimstätte baut dort neue Wohnungen (wir berichteten).

Der neue Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche soll im Oktober dieses Jahres eingeweiht werden. Insgesamt 35 Bäume werden dann dort stehen, zumeist Amber- und Schnurbäume sowie südostasiatische Silberlinden, die gut 20 Meter groß werden und laut HIS-Betriebsleiter Markus Henrich besonders hitzeresistent sind. Eine vom alten Kirchplatz verbliebene 50 Jahre alte Linde war unlängst an ihren neuen Standort an der Westseite des Platzes versetzt worden.

Insgesamt stehen für den Umbau des Platzes rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche sechs Millionen Euro bereit. Als letzter der fünf Innenstadt-Plätze wird in den nächsten Jahren schließlich noch der Schlossplatz zwischen Kanzleigebäude und Congress Park Hanau umgebaut.

VON CHRISTIAN SPINDLER

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