Auswilderung in der Mongolei

Przewalski-Pferde stehen vor der Reise ihres Lebens

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Pepper und Priska heißen die beiden in Hanau geborenen Prezewalski-Pferde, die vor der Reise ihres Lebens stehen. Sie werden in der Mongolei ausgewildert.

Hanau – Pepper und Priska stehen vor einer großen Reise. Es ist eine Reise um die halbe Welt und eine Reise in die Freiheit. Denn die beiden im Hanauer Wildpferde-Reservat Campo Pond geborenen Przewalski-Pferde sollen in der Mongolei ausgewildert werden.

Seit knapp zehn Jahren gibt es das Wildpferde-Reservat im Fauna-Flora-Habitat Campo Pond. Dort werden die in freier Wildbahn äußerst seltenen Przewalski-Wildpferde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gehalten. Vor gut drei Jahren kamen dort auch die beiden Stutfohlen Pepper und Priska zur Welt, die jetzt ihre große Reise in die Freiheit antreten: Als erste in Hanau geborene Wildpferde sind sie für die Auswilderung in der West-Mongolei, dem Ursprungsgebiet der Przewalski-Pferde, vorgesehen. Nach einer Übergangsphase in einem Außengelände des Prager Zoos, sollen die Tiere im Sommer 2020 zu den über 240 in einem Nationalpark frei lebenden Przewalski-Pferden entlassen werden.

„Die Tatsache, dass Przewalski-Pferde in ihrem ehemaligen Lebensraum wieder heimisch geworden sind, gehört zu den großen Erfolgsgeschichten der Artenschutzbemühungen des EEP“, freut sich Christoph Goebel, Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn, der für die Haltung der Tiere verantwortlich zeichnet, „wir sind somit Teil internationaler Bemühungen um die erfolgreiche Wiederansiedlung der Wildpferde in der Mongolei.“ Auch aus diesem Grund sei das Projekt „Campo Pond“ 2016 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden.

Auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) ist angetan von der Vorstellung, dass die beiden „waschechten Hanauerinnen“ zukünftig in der Mongolei leben werden. „Ich freue mich mit allen Beteiligten aus Hanau und dem Bundesforstbetrieb, dass die viele Arbeit, die in das Projekt gesteckt wurde, nun Früchte trägt“, sagt der OB.

Hanau: Auswilderung von Pepper und Priska

Die Auswilderung von Pepper und Priska wird von langer Hand vorbereitet: Bereits seit Oktober 2018 stehen der Bundesforstbetrieb, die betreuenden Tierärztinnen des Zoos Frankfurt und der Prager Zoo in engem Kontakt. Dabei standen zunächst der gesundheitliche Zustand und der Impfstatus der Stuten sowie Blut- und Genuntersuchungen im Fokus. Nachdem alle Ergebnisse positiv waren, wurde die Auswilderung weiterbetrieben. „Im Moment befinden sich die beiden Stuten auf dem Weg in den Prager Zoo“, erläutert Goebel. „Dort erfolgen letzte Untersuchungen und die beiden Stuten lernen die anderen Pferde kennen, die mit ihnen zur Auswilderung vorgesehen sind.“ 

Von Prag aus geht es dann mit einem Transportflugzeug der tschechischen Luftwaffe nach Bulgan Sum, einer Provinzstadt im Norden der Mongolei. „Mit einem Lastwagen werden die Pferde schließlich in das Takhin Tal, ein Teil des streng geschützten Nationalparks Great Gobi, transportiert“, berichtet Goebel.

Im Takhin Tal (Takhi ist die mongolische Bezeichnung für das Przewalski-Pferd) werden die Tiere zunächst für ein Jahr in einem weitläufigen Gehege gehalten, um sicherzustellen, dass sie sich gut an das neue Klima sowie das dortige Futterangebot gewöhnen. Im Sommer 2020 sei dann geplant, sie zu den über 240 im Nationalpark frei lebenden Przewalski-Pferden zu entlassen.

Przewalskis in der freien Wildbahn seit 1970 ausgestorben

Seit 1970 galten Przewalskis in der freien Wildbahn als ausgestorben. Nur noch in Zoos gab es einige wenige Exemplare, doch dort konnte wegen des knappen Platzes kein überlebensfähiger Bestand aufgebaut werden. So suchten die Tiergärten unter Federführung des EEP verfügbare Flächen für die in den Zoos gezüchteten Przewalski-Pferde.

Mit diesem Anliegen trat der Münchner Zoo Hellabrunn auch an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Hanau heran und fragte nach, ob der ehemalige US-Army-Truppenübungsplatz Campo Pond als Semi-Reservat genutzt werden könnte. Schnell waren die Stadt Hanau, der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn als Eigentümer des Konversionsgelände Campo Pond, die Naturschutzbehörde und das Umweltzentrum von der Idee begeistert und im September 2010 kamen die ersten Przewalski-Pferde aus dem Hellabrunner Zoo auf Campo Pond an. Hier sollten die Wildpferde auch die wertvollen Magerrasenflächen durch Beweidung pflegen und gleichzeitig für eine mögliche Auswilderung in ihrer ursprünglichen Heimat vorbereitet werden.

Artenschutzprojekt „Campo Pond“ der Deutschen Bahn

Auch die Deutsche Bahn ist Partner im Artenschutzprojekt „Campo Pond“: Die Pflege und Entwicklung des als NATURA 2000 Gebiet ausgewiesenen Geländes durch die Przewalski-Pferde sowie viele weitere Schutzmaßnahmen für gefährdete Pflanzen- und Tierarten werden durch die Bahn finanziert und sind Teil des Ausgleichskonzeptes für die DB-Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim.

Urwildpferde im Hanauer Naturschutzgebiet: Bilder

„Das Projekt nahm eine solch positive Entwicklung und wurde so begeistert von der Hanauer Bürgerschaft aufgenommen, dass schnell weitere Flächen der BImA in Mittel- und Südhessen für Wildpferde-Projekte zur Verfügung gestellt wurden“, erinnert sich Bundesförster Goebel. Die Flächen des Bundesforstbetriebs seien damit ein wichtiger Bestandteil des Arterhaltungsprojekts geworden. Die Anzahl der Tiere sei so allmählich von den anfänglichen fünf auf heute 42 Przewalski-Pferde in den Gehegen in Hanau, Gießen, Babenhausen und Aschaffenburg gestiegen. „Weitere Gehege sind in Erlensee sowie Münster-Dieburg in Planung“, so Goebel.

Es seien nun auch Umstellungen von Wildpferden aus den anderen Projektflächen nach Campo Pond geplant, da der Pferde-Bestand wieder aufgefüllt werden soll, berichtet Goebel. „Vielleicht werden wir Fury wieder nach Hanau holen“, meint Goebel. Der Hengst war aus Zuchtgründen vor drei Jahren nach Gießen gebracht worden. Nun darf er sich wohl auf eine Heimkehr nach Campo Pond freuen. (did)

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