Kreuz und que(e)r durch Hanau

Erster Christopher-Street-Day in Hanau: Tausend Menschen feiern queere Party in der ganzen Stadt

So bunt wie bei der Parade 2018 in Frankfurt soll es beim ersten Christopher-Street-Day in Hanau am Samstag auch werden.
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So bunt wie bei der Parade 2018 in Frankfurt soll es beim ersten Christopher-Street-Day in Hanau am Samstag auch werden.

Am Samstag (29. Juni) findet in Hanau zum ersten Mal ein Christopher-Street-Day (CSD) statt. Das umfangreiche Programm hat der Verein CSD Hanau zusammen mit Partnern und mit Unterstützung von Sponsoren in ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine gestellt.

Update 29. Juni 2019, 17:25 Uhr: Bestes Wetter, viel Glitzer und überall die Regenbogenfahne. Der erste Christopher Street Day in Hanau ist in vollem Gange. Zahlreiche Menschen beteiligen sich an der Party und setzen ein Zeichen gegen Diskriminierung und Homophobie. 

Selbstverständlich dürfen da die Fotos in den sozialen Medien nicht fehlen. Unter dem Hashtag #csdhanau posten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung ihre Eindrücke.

Hanau – Es ist auf den Tag genau 50 Jahre her, dass sich Homo- und Transsexuelle in New York gegen Diskriminierung, Verfolgung und Willkür der Staatsmacht zur Wehr setzten. Sie widersetzten sich bei einer Razzia in der Bar „Stonewall Inn“ der Verhaftung durch die Polizei, was in einer Straßenschlacht gipfelte. Die Unruhen auf der Christopher Street am 28. und 29. Juni 1969 sind namensgebend für die Demonstrationszüge geworden, die auch in Deutschland Jahr für Jahr unterschiedliche Lebensweisen feiern und ein Zeichen für Gleichberechtigung und Menschenrechte setzen. 50 Jahre nach Stonewall findet am morgigen Samstag in der angehenden Großstadt Hanau zum ersten Mal ein Christopher-Street-Day (CSD) statt.

In ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine gestellt

Das umfangreiche Programm hat der Verein CSD Hanau zusammen mit Partnern und mit Unterstützung von Sponsoren in ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine gestellt. Bereits seit Mitte Juni finden Veranstaltungen statt; die Festwoche wurde am Dienstagabend im Schloss Philippsruhe offiziell eröffnet. Der Christopher-Street-Day in Hanau erinnert auch an die weitgehende Aufhebung des Paragrafen 175 StGB am 25. Juni 1969. Bis dahin standen homosexuelle Handlungen unter Strafe.

Ziel des CSD aus Sicht der Organisatoren: „Für unsere Gleichberechtigung gemeinsam demonstrieren, zuhören, zuschauen, diskutieren, tanzen, feiern und das Leben genießen.“ Inzwischen habe Deutschland zwar mit der „Ehe für alle“ einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, damit seien die Freiheitsbestrebungen der LSBTTIQ-Bewegung aber noch lange nicht abgeschlossen. Der CSD will auch darauf aufmerksam machen, dass weltweit in vielen Ländern die Situation schlechter aussieht: In 13 Staaten steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Und selbst in Deutschland würde manches Mitglied einer „rückwärtsgewandten Partei homosexuelle und queere Menschen am liebsten wieder in Konzentrationslager einsperren“.

Halt an historisch bedeutsamen Orten 

Vor diesem Hintergrund macht die Demo-Parade am Samstag in Hanau an einigen historisch bedeutsamen Orten halt. Die Aufstellung des Zuges beginnt um 10 Uhr am Schloss Philippsruhe. Um 12 Uhr setzt sich die Demo auf der Philippsruher Allee Richtung Innenstadt in Bewegung. Zu den Stationen zählt das Hanauer Landgericht, in dem Homosexuelle während des Nationalsozialismus und auch danach schlimme Erfahrungen machen mussten. Nach aktueller Kenntnis wurden noch nach dem Krieg etwa 140 000 Männer nach Paragraf 175 verurteilt. Eine Zwischenkundgebung ist am Behördenhaus geplant, wo von 1933 bis 1945 die Gestapo residierte.

Auf dem Weg „kreuz und que(e)r“ durch die Innenstadt möchte der Zug auch die Besucher des Keramikmarktes, des Wochenmarktes und des Apfelweinfestes am Schlossplatz auf seine Anliegen aufmerksam machen. Die Demo unter dem Motto „#mirschwantbuntes!“ endet schließlich am Olof-Palme-Haus. Dort wird bis in den Abend (22 Uhr) mit einem „Basar der Vielfalt“, Gastroständen und Bühnenprogramm weitergefeiert. Als Künstler sind unter anderem der Hanauer Musiker Jörg Sanders, Sängerin und Songschreiberin Sabho, Jessica Walker („Mutter aller Frankfurter Dragqueens“) und Bäppi La Belle angekündigt. Die After-CSD-Party beginnt um 22 Uhr in der Library.

Am Vorabend des CSD findet heute um 19 Uhr ein „Gottesdienst unter dem Regenbogen“ in der Johanniskirche statt.  

kd

Weitere Infos: 

csd-hanau.de

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