Riesenstreit

City-Pflaster: Große Risse, Wellen und Unebenheiten - Wurde beim Bau gepfuscht?

+
Eigentlich sollten die Betonfahrbahnen am Marktplatz halten. Doch auch hier zeigen sich bereis Risse.

Hanau hat mit der Pflasterung von Fußgängerzonen und Fahrbahnen im Zuge des Innenstadt-Umbaus keinen guten Griff getan.

Hanau – Das helle Pflaster verschmutzt schnell, der im Vorfeld von Fachleuten der Stadt gepriesene Selbstreinigungseffekt bei Regen, der durch eine spezielle Beschichtung eintreten sollte, hat in der Praxis die Erwartungen nie erfüllt. Und die offensichtlichen Unsauberkeiten und Mängel beim Verlegen des Bodenbelags, über die zuerst unsere Zeitung berichtet, haben sich mittlerweile zu gravierenden Schäden entwickelt.

 Beispiel Freiheitsplatz: An der Südseite, wo im Minutentakt Busse fahren, haben sich in der Kurve auf Höhe der Mühlstraße durch die Belastung tiefe Wannen gebildet, es tun sich immer breitere Fugen auf, offenbar hat sich der Unterbau gesenkt.

City-Pflaster: Schäden an der Fahrstraße sind groß

Beispiel Fahrstraße: Auch hier sind Schäden augenfällig, es sind ebenfalls Absenkungen zu sehen mit der Folge, dass sich zwischen der gepflasterten Fahrbahn und der Gehwegabtrennung mitunter mehrere Zentimeter breite Fugen auftun.

Beispiel Marktplatz: Dort gibt es große Risse in den Betonflächen der Busfahrbahn. Die Gestaltung aus Beton war schon beim Innenstadt-Umbau 2015 aus optischen Gründen umstritten. Jetzt sind die baulichen Mängel hinzugekommen

Mit der Firma, die für die schadhaften Bereiche zuständig war, führt die Stadt beziehungsweise ihr Eigenbetrieb Hanau Infrastrukur Service (HIS) schon seit Langem eine juristsche Auseinandersetzung. Diese könne sich „über einen längeren Zeitraum hinziehen“, hatte Stadtrat Thomas Morlock bereits im vorigen Sommer erklärt.

Vor allem im Kurvenbereich der Busse wirken große Kräfte. Hier haben sich Wellen im Beton gebildet.

Viel weiter ist man augenscheinlich noch nicht gekommen. Fristen, um die Mängel zu beheben, ließ das Unternehmen angeblich verstreichen. Erst nachdem die Stadt unlängst der bauausführenden Firma mit einer so genannten Vorschussklage gedroht hatte, nachdem diese erneut Fristen zur Mängelbeseitigung hatte verstreichen lassen, kommt nun augenscheinlich wieder ein wenig Bewegung in die Sache. Jetzt hat sich das Unternehmen nach Angaben eines Stadtsprechers verpflichtet, ein Sanierungskonzept für die Freiheitsplatz-Südseite vorzulegen.

Bodenbelag ist hohen Belastungen ausgesetzt

Damit der Bodenbelag in der City den Belastungen durch den Busverkehr standhält, wurde gehöriger Aufwand betrieben. Man wollte Schäden wie in der alten Nürnberger Straße, wo sich tiefe Busspuren gebildet hatten, beim Neubau vermeiden. So wurde ein Unterbau mit Schotter- und Betonschichten, Vlies und vier Zentimeter Splitt geschaffen, darauf wurden die 18 Zentimeter dicken Steine verlegt. Und das beim Innenstadt-Umbau in großer Eile. Die mit Millionen-Aufwand zu pflasternden Bereiche waren riesig, die Zeit drängte.

Risse, breite Fugen, Unebenheiten: Das Pflaster auf der Südseite des Freiheitsplatzes ist offenbar der Belastung des Busverkehrs nicht gewachsen. Stadt und bauausführende Firma liegen im Clinch. Fotos: Kögel (2), HIS (1)

Bereits kurz nach Fertigstellung war die Pflasterung in der Kritik. Zur Reinigung musste ein Spezialgerät angeschafft werden, die breiten Fugen wurden in vielen Bereichen schon 2016 mit einer Spezialmasse geschlossen. Kosten: 125 000 Euro. Später wurde an weiteren Stellen nachgebessert.

Zu den an Fahrstraße, Freiheitsplatz und Marktplatz aufgetretenen Schäden hieß es von der Stadt bereits im Vorjahr, die betreffende Firma habe „die Arbeiten zum Teil mangelhaft ausgeführt.“ Und die Schäden sind mittlerweile nochmals größer geworden. „Wenn beispielsweise Feuchtigkeit durch Risse im Beton eintritt und es im Winter dann gefriert“, so ein Insider, „wird alles noch schlimmer.“

Mittlerweile scheint nicht mal mehr ausgeschlossen, dass es mit Reparaturen nicht getan sein könnte, weil die Mängel so eklatant sind, dass möglicherweise der Unterbau der Fahrbahnen komplett erneuert werden muss.

VON CHRISTIAN SPINDLER

Lesen Sie auch:

Großbrand in Hanau: Einsatzkräfte löschten 1200 Grad heiße Glut

Die Feuerwehr löscht einen rund 1200 Grad heißen Brandbei einem Schrotthändler an der Canthalstraße. Warum es zu dem Großeinsatz am Hanauer Hafen kam, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt.

Gäste angetan vom Klein-Auheimer „Radwerk“

Wie sich das „Radwerk“, das neue Zentrum für die Präsentation der Klein-Auheimer Ortsgeschichtein den Hallen einer ehemaligen Druckerei in der Gutenbergstraße 7, entwickeln wird, das wird die Zukunft zeigen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare