Zweiter Wettstreit der Komiker im Brückenkopf ist nicht immer lustig

Comedy auf dünnem Eis: Zweiter Wettstreit der Komiker im Brückenkopf ist nicht immer lustig

Der Publikumsapplaus entscheidet über den Sieger: Tobi Freudenthal (links) setzt sich im Finale gegen Peter Kunz durch. Foto: Kögel
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Der Publikumsapplaus entscheidet über den Sieger: Tobi Freudenthal (links) setzt sich im Finale gegen Peter Kunz durch.

Auch der zweite Hanauer Comedy-Slam am Samstagabend im Brückenkopf war restlos ausverkauft. Das neue Format hat ein breit gefächertes Publikum gefunden. 

Hanau – Auch der zweite Hanauer Comedy-Slam am Samstagabend im Brückenkopf war restlos ausverkauft.  Das neue Format des Hanauer Veranstaltungsbüros, das Ende des vergangenen Jahres ins Leben gerufen und in den Brückenkopf implantiert wurde, hat sein recht breit gefächertes Publikum gefunden. Es sind nicht nur junge Fans der Komik, die sich am Samstag in der Szenenkneipe eingefunden hatten und sich zusammen mit den fünf Comedians auf der Bühne streckenweise auf ganz dünnes Eis dieses Genres begaben.

Moderator Thomas Nicolai, seit 25 Jahren im Comedy-Geschäft, weiß, wie es läuft, heizt von Anfang an ein mit einem „Hallo, Hanau“, erwartet frenetische Antwort aus dem Saal, wo noch an den letzten vor der Vorstellung servierten Schnitzeln oder Hamburgern gekaut wird, und puscht die Stimmung, nachdem er mit der ersten Resonanz nicht so ganz zufrieden ist. Gerade so, wie man‘s aus dem Fernsehen kennt. Nur, Nicolai ist echt, kann sein Publikum sehen, ansprechen, angehen, die Komfortzone des Konsumenten ungemütlich machen. Das will niemand an einem solchen Abend, also wird Applaus gespendet für die „tolle Arbeit“ der Thekenmannschaft, für den „tollen Job“ des Teams in der Küche, Hauptsache Stimmung, von der Comedian Jason Lee als Erster auf der Bühne profitieren soll.

Lee kokettiert mit seiner koreanischen Herkunft und spricht offen über die ihm gegenüber vorgebrachten Vorurteile. Wenn beispielsweise in der Nachbarschaft ein Haustier verschwindet, dann wird zuerst an seine Tür geklopft. Thomas Nicolai muss das Stimmungsbarometer wieder auf höherem Level einpendeln. Es gelingt ihm mit seinem Talent als Stimmenimitator, mit dem er in einer Promi-Wohngemeinschaft unterschiedliche Charaktere wie Herbert Grönemeyer, Thomas Gottschalk, Klaus Kinski, Udo Lindenberg, Otto Waalkes und andere Prominente in einen globalen Streit der Haushaltsführung führt.

Fruchtbarer Stimmungsboden für „Nizar“, den bekennenden „Südländer“, der zu „zehn Prozent Mensch“ und zu „90 Prozent Behaarung“ ist, geschätzte 6000 Geschwister hat und einiges zu seiner Einschätzung der intellektuellen Fähigkeiten seiner Geschlechtsgenossen zum Besten gibt.

Aber: „Charmant sein ist in unserer Matrix nicht vorgesehen“, entschuldigt dann auch Moderator Thomas Nicolai, bevor sich Tobi Freudenthal in den Fangstricken des von ihm so gehassten Small-Talks verheddert, und Peter Kunz den Gedanken anschneidet, ob er wohl die Reinkarnation von Fernsehdelfin Flipper ist, der am selben Tag das Zeitliche gesegnet hat, an dem Kunz das Licht der Welt erblickte.

Statt diesen Gedanken weiter zu verfolgen, stürzt sich Kunz dann allerdings auf die Erlebnisse bei seinem türkischen Friseur. Schade, aber allemal noch erhebender als Mario Wendlers zusammenhanglos gestotterte Alltagsbetrachtungen, die einmal mehr unter Beweis stellten, auf welch dünnem Eis sich Comedians zuweilen bewegen. Und das ist dann nicht mehr lustig. Vollkommen zu recht ging die Comedykrone denn an diesem Abend nach der Applausabstimmung durch das Publikum an Tobi Freudenthal, der sich im Finale noch einmal mit Peter Kunz zu messen hatte.

Der dritte Hanauer Comedy-Slam findet am 1. Februar ab 20 Uhr im Brückenkopf statt.

VON DIETER KÖGEL

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