Mehr Sensibilität angemahnt

Hanau: Corona stellt Blinde und Sehbehinderte vor besondere Herausforderungen

Silvia Schäfer (r.) weiß aus eigener Erfahrung um die besonderen Herausforderungen, die die Coronaregeln für Blinde und Sehbehinderte mit sich bringen. Sie wünscht sich daher einen sensibleren Umgang mit Betroffenen.
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Silvia Schäfer (r.) weiß aus eigener Erfahrung um die besonderen Herausforderungen, die die Coronaregeln für Blinde und Sehbehinderte mit sich bringen. Sie wünscht sich daher einen sensibleren Umgang mit Betroffenen.

„Abstand halten“ ist seit Beginn der Corona-Pandemie das Credo. Klar, dass das Sehbehinderte aus Hanau vor Probleme stellt. Aber auch die Masken stellen eine Herausforderung dar. Denn plötzlich ist es überall still.

Hanau – „Maske tragen“ und „Abstand halten“ gehören in Coronazeiten mittlerweile zum Alltag. Doch was von den meisten als notwendiges Übel akzeptiert und umgesetzt wird, stellt insbesondere blinde und sehbehinderte Menschen vor Herausforderungen. Wie finden sich diese Menschen mit den Coronaregeln in Supermarkt, am Bahnhof oder in Geschäften zurecht? Silvia Schäfer, Leiterin der Bezirksgruppe Hanau des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen, wünscht sich gerade in dieser Zeit einen sensiblen Umgang mit Betroffenen.

Fast vor jedem Geschäft und an jeder Bank gibt es Hinweisschilder, wie viele Personen sich gleichzeitig dort aufhalten dürfen - was für Sehende kein Problem ist. Sehbehinderte oder Blinde aber können diese Schilder nicht lesen. Auch das Abstandhalten ist für blinde und sehbehinderte Menschen ein Problem, denn die Abstandsmarkierungen in den Geschäften können von ihnen nicht gesehen oder gefühlt werden.

Doch wie kann man Betroffenen helfen, Abstand in der Schlange an der Kasse zu halten oder in der Bahn einem Mitfahrenden nicht zu nahe zu kommen? Silvia Schäfer plädiert dafür, Betroffene einfach freundlich anzusprechen, ob sie Hilfe benötigen. Unnötig sei es aber, eine blinde oder sehbehinderte Person einfach anzufassen und sie in eine Richtung zu schieben.

Wenn die Person Hilfe benötigt, könne man aber gern seinen Arm anbieten und sie in die richtige Richtung führen. Sei es zu einem Sitzplatz in der Bahn oder auch in die Warteschlange an der Kasse. Auch wäre es für viele sehbeeinträchtigte Menschen hilfreich, wenn man ihnen einfach einen Hinweis gäbe, ob zum Beispiel in der Bahn noch ein Sitzplatz frei ist oder man ein Geschäft betreten kann, weil die Personengrenze noch nicht erreicht ist. „Diese kleinen Hilfen würden eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben vereinfachen“, meint Silvia Schäfer.

Die Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hanau hat auch festgestellt, dass die Kommunikation im öffentlichen Raum seit der Maskenpflicht schwieriger geworden sei. Insgesamt seien die Menschen einfach stiller geworden und das mache es für seheingeschränkte Personen auch schwieriger festzustellen, ob überhaupt jemand in der Nähe ist, den man um Hilfe bitten könnte.

Selbst Sehende berichten, dass eine Unterhaltung mit Maske schwieriger sei, weil man die Mimik des Gegenübers nur eingeschränkt wahrnehmen könne. „Diese Situation haben blinde und sehbehinderte Menschen leider zu jeder Zeit. Wir können niemals den Gesichtsausdruck deuten“, erinnert Silvia Schäfer.

Die Bezirksgruppe Hanau des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Auge im gesamten Main-Kinzig-Kreis. Die Bezirksgruppe hat derzeit rund 155 ordentliche und etwa 40 fördernde Mitglieder. Aufgrund der Corona Pandemie sind in diesem Jahr bisher fast alle Veranstaltungen ausgefallen. Lediglich der Kaffeenachmittag und der Stammtisch konnten bereits unter Einhaltung der aktuellen Hygiene-Regeln wieder starten. Beides findet einmal im Monat statt und ist auch für Nicht-Mitglieder offen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.tibsev.de

Persönliche Beratungen der Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle im „Haus am Steinheimer Tor“ können bis auf Weiteres leider noch nicht stattfinden, weil der vorgeschriebene Abstand bei den Beratungen nicht eingehalten werden kann. Außerdem, so Schäfer, dürfen noch keine Hilfsmittel vorgeführt werden, da diese sehr schwierig zu desinfizieren sind.

Telefonische Beratungen und Auskünfte per E-Mail sind aber weiterhin uneingeschränkt möglich. Die Blickpunkt-Auge-Beratungsstelle ist erreichbar unter der Telefonnummer 06181 956663 oder per E-Mail an info@tibsev.de.  did

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