Ein ganz besonderes Buch

„Corona-Kolumnen“: Hanauer Autor Gerhard Roth blickt auf ein Jahr Pandemie

Frisch aus dem Druck: „Corona-Kolumnen“, das neue Buch des Hanauer Schriftstellers Gerhard Roth.
+
Frisch aus dem Druck: „Corona-Kolumnen“, das neue Buch des Hanauer Schriftstellers Gerhard Roth.

„Mit Satire Ereignisse, Personen und Zustände kritisieren, verspotten und anprangern“, beschreibt Gerhard Roth kurz und bündig den Inhalt seines neuesten Werkes „Corona-Kolumnen - konsequent kritisch karikiert“. Darin versammelt der Hanauer Schriftsteller Erlebnisse aus dem eigenen Leben, kommentiert politische und gesellschaftliche Ereignisse und verarbeitet Alltagsbeobachtungen der vergangenen zwölf Monate in kurzen Meinungsbeiträgen.

Hanau - Mit all seinen Absurditäten und Herausforderungen durchleuchtet er in knapp 40 unterhaltsamen Texten die neue Realität in und mit der Pandemie und benutzt dafür „bewusst die Übertreibung zur gezielten Bagatellisierung bis hin ins lächerliche und absurde“, erzählt der 72-Jährige. Die Richtung ist eindeutig: „Satire ist für mich immer eine Kritik von unten an die da oben, ich benutze sie als Stilform, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.“

Vom Homeoffice und Homeschooling, dem panischen Hamstern von Klopapier im ersten Lockdown über das Beklatschen des Pflegepersonals auf den Balkonen im vergangenen Sommer bis hin zur schleichenden Normalisierung des Maskentragens mit all seinen Tücken für die zwischenmenschliche Interaktion handeln seine Kolumnen.

Auch einer weiteren Begleiterscheinung der Pandemie, die nach über einem Jahr bundesweit mehr als 80000 Menschen das Leben gekostet hat, widmet sich der Autor. Gleich mehrere Texte beschäftigen sich mit den selbst ernannten Querdenkern und Anhängern von Verschwörungstheorien.

Manchmal spitzfindig, manchmal lyrisch

Den sogenannten Sturm auf die Reichstagstreppe im August 2020, ein Fanal der damals noch recht jungen Bewegung, kommentiert er wie folgt: „Das hätte mich beinahe geschafft: wehrlos mit zusehen zu müssen, wie scheinbar vernunftbegabte Mitbürger hirnlos und fehlgesteuert in einträchtigem Miteinander mit nacktgesichtigen Maskenverweigerern, paranoiden Verschwörungstheoretikern, alufolienhütetragenden Strahlenpanikern, historisch verstümmelten Reichsbürgern und faschistoiden Demokratieverächtern die Stufen des deutschen Parlaments erstürmten.“

Die in dem Buch versammelten Kolumnen bezeugen einen persönlichen Ausdruck davon, wie der Schriftsteller die oft ausweglos erscheinende, ermüdende und schmerzhafte Realität der vergangenen Monate erlebt und künstlerisch verarbeitet hat. Das Mittel der Satire stellt für Roth dabei einen „rettenden Anker dar, um ein paar Worte zu finden, um überhaupt gegen die Realität opponieren zu können.“ Komik, Polemik und Parodie sind die Mittel seiner ersten Wahl gewesen, zu denen er griff, um „die Realität so zu überzeichnen, dass das Lächerliche manchmal wehtut.“

Als großer Musikliebhaber, der er ist, entstanden auch Kolumnen mit Titeln wie „Covid-Stones“, „Sympathy for the Virus“ oder „I can’t get no desinfection“.

Neben in der Mehrzahl spitzfindigen Kolumnen hat er so manches Mal auch zu anderen lyrischen Stilmitteln gegriffen, so findet sich das eine oder andere Gedicht in dem Buch wieder. Ein bisschen Stolz sei er dabei auf die „Corona-Elegie“ gewesen, einem komplex aufgebauten Gedicht, bei dem der Einklang von Versform und Gedankengang an erster Stelle gestanden habe.

„Das hat mich schon einiges an Hirnschmalz gekostet“, sagt er

Auflockerung erhalten die Texte durch bunte Karikaturen und Zeichnungen von Lia Lemberg. Die Illustratorin ist gemeinsam mit Roth Teil des Hanauer Kunstvereins „Art13 - Werkstatt für Kunst“, in dessen Rahmen die beiden zu dem Projekt zueinanderfanden. Während Roth in dem Buch bereits einige in der Vergangenheit von ihm verfasste Leserbriefe wiederverwenden konnte, bedeute das Genre Karikatur für Lemberg hingegen Neuland.

„Das Bild spielte mit dem Text, der Text lenkte das Bild“

Die 46-Jährige bezeichnet sich als großen Fan des berühmten Narrens Till Eulenspiegel, „den es zwar immer wieder hart im Leben traf, der aber trotzdem seinen Humor behielt.“ Als sie die Kolumnen von Roth las, kam ihr der Gedanke: „Was würde wohl Eulenspiegel machen, wenn er in unserer Zeit leben würde?“ Zusammen mit diesem Gedanken entstanden schließlich die ersten Ideen für ihre Illustrationen. „Das Einzige, was ich dann tun musste, war einen Stift in die Hand zu nehmen und anfangen zu zeichnen - das Bild spielte mit dem Text, der Text lenkte das Bild“, beschreibt sie ihren Schaffensprozess.

Sie habe größtes Verständnis dafür, „wenn viele Menschen sagen, Corona ist nicht lustig, damit ist nicht zu spaßen.“ Doch ähnlich wie dem Autor helfen auch ihr Humor und Satire dabei „in diesem Sumpf der Pandemie nicht zu versinken.“ „Es ist eine gute Alternative. Oder die letzte Hoffnung“, sagt sie.

Alternativlos zur Eindämmung der Pandemie gilt Roth hingegen das Impfen. In seiner Kolumne „Jede Zeit braucht ihre Helden“ heißt es dementsprechend: „Was also ist schon ein winziger Spritzenpieks, nichtssagend wie ein Mückenstich, angesichts des immensen Erfolges für jeden von uns. Also her damit. Das bin ich mir und meinen Mitmenschen wert und schuldig.“ (Von Joel Schmidt)

Weitere Infos: Corona-Kolumnen“, 96 Seiten, 8,90 Euro von Gerhard Roth und Lia Lemberg gibt’s im Buchladen am Freiheitsplatz oder bei Amazon

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare