Achtlos weggeworfen

Corona-Krise sorgt in Hanau für noch mehr Müll

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Einmal wöchentlich ist Sauberkeitspatin Kerstin Mänz am Klein-Steinheimer Mainufer unterwegs und sammelt den Müll auf, den andere gedankenlos in die Landschaft schmeißen. 

Seit Beginn der Corona-Krise beobachtet eine Sauberkeitspatin in Hanau deutlich mehr Müll. Vor allem to go-Verpackungen werden vermehrt achtlos weggeworfen.

  • In Hanau wird seit Beginn der Corona-Krise immer häufiger Müll achtlos weggeworfen
  • Sauberkeitspatin sammelt Unrat auf
  • Vor allem to go-Verpackungen liegen rum

Steinheim – Täglich ist Kerstin Mänz mit ihrem Huskie-Mischling Juno in Klein-Steinheim unterwegs. Ihre Gassi-Runde führt am Mainuferweg entlang bis zum Parkplatz unter der Mainbrücke. Einmal wöchentlich nimmt Mänz auch einen roten Müllsack mit.  Denn die Steinheimerin ist eine von mittlerweile 58 ehrenamtlichen Sauberkeitspatinnen und -paten, die in Hanau ihren Dienst tun.

Dann sammelt Kerstin Mänz den am Wegesrand, an Sitzbänken und auf Ruheplätzen herum liegenden Unrat auf, den wenig umweltbewusste Mitmenschen dort zurückgelassen haben. Mänz ist Ortsbeiratsmitglied der Bürger für Hanau in Steinheim und seit eineinhalb Jahren als Sauberkeitspatin der Stadt Hanau aktiv. Die Freie Wählergemeinschaft BfH hatte das Projekt angestoßen, das von der Stadt Hanau ab September 2018 aufgegriffen wurde. Seitdem gehört Mänz zu den fast 60 Frauen und Männer, die stadtweit dabei helfen, das wegzuräumen, was andere einfach achtlos weggeworfen haben. Dabei ist jeder Sauberkeitspate für einen bestimmten Bereich zuständig.

Corona-Krise sorgt für mehr Müll in Hanau: Grünabfälle auf Parkplatz abgeladen

Seit Beginn der Corona-Beschränkungen finde ich deutlich mehr Unrat als vorher“, sagt die 58-Jährige bei ihrem jüngsten Rundgang angesichts ihres bis zum Rand gefüllten Müllsacks. Und dabei ging noch nicht mal all das rein, was sie an Unrat auf ihrer Tour fand, beispielsweise die fünf Farbeimer voller Plastikflaschen, Coffee to go-Bechern und Bauresten, die auf dem Parkplatz unter der Mainbrücke abgestellt worden waren. Dort sind geparkte Autos derzeit deutlich rarer zu sehen, Müll und Unrat dafür umso mehr. Auch ein Sack mit Grünabfall wurde an einem der Brückenpfeiler abgestellt. Alte Schuhe, leere Bier- und Weinflaschen, Getränkebüchsen, Zigarettenschachteln, Chipstüten und und und...

Mehr Müll in Hanau seit Corona-Krise: Zahlreiche to go-Verpackungen in der Wildnis

„Ich mache hier jede Woche sauber und immer wieder liegt dort neuer Müll“, hat Mänz festgestellt. Ein weiteres Ärgernis: Deutlich mehr leere Pizzakartons, die sie seit Beginn der Corona-Krise an den Bänken am Anleger sowie am Kulturhallen-Parkplatz in Hanau findet. „Und das, obwohl neben dran Abfalleimer sind“, ärgert sich Mänz. Auch Getränkebüchsen und weiterer Unrat wie leere Hamburger- und Pommes-Boxen liegen herum – seit Speisen und Getränke nicht mehr in den Lokalen verzehrt werden dürfen, sucht sich mancher dafür offenbar ein lauschiges Plätzchen am Mainufer - und lässt dann dort seinen Müll einfach liegen.

Passanten wollen an der Steinheimer „Anlegbar“ in Hanau schon – trotz Corona – Gruppen von bis zu zehn jungen Leuten beobachtet haben, die sich dort regelmäßig träfen. Und tags darauf liege dann jede Menge Müll herum.

„Es ist deutlich mehr Müll geworden als vor den Corona-Beschränkungen. Auch die achtlos in der Natur entsorgten Coffee to go-Becher haben zugenommen“, hat Mänz festgestellt. Weggeworfene Papiertaschentücher findet sie unter den Pappeln. Unrat liegt auch neben dem erst kürzlich fertiggestellten „Hafenbalkon“ mit Blick auf den gegenüberliegenden Mainhafen in Hanau.

Corona-Krise sorgt für mehr Müll in Hanau: Grober Unrat der Stadt gemeldet

Mit einer Greifzange nimmt Kerstin Mänz jedes noch so kleine Papierchen und an den Bänken herumliegende Kippen auf und bugsiert sie in ihren Müllsack. Kurz vor der Mainbrücke in Hanau fällt ein Holztisch mit Bank, aber ohne Müll geradezu ins Auge. „Hier habe ich gestern schon sauber gemacht“, lacht sie.

Mittwochs wird bei Sauberkeitspatin Mänz die Mülltonne geleert. Dann stellt sie den roten Müllsack von ihren Sammeltouren dazu. „Die Männer von der Müllabfuhr wissen, dass ich Sauberkeitspatin bin. Der volle Sack wird mitgenommen“, sagt Mänz. Übrigens: Die Farbeimer und weiteren groben Unrat, den sie während ihrer Tour nicht mitnehmen konnte, hat Kerstin Mänz bei der Stadt gemeldet. Dieser Müll wird dann von städtischen Kräften eingesammelt.

Von Holger Hackendahl

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