Selbst die Ordensschwester tanzt

Vinzenz-Krankenhaus: Corona-Song wird zum Hit - Seemannslied mit dringender Botschaft

In Hanau textet die Belegschaft des St. Vinzenz-Krankenhauses ein altes Seemannslied um. Der Song wird zum Internet- und Medienhit - doch er enthält eine wichtige Botschaft.

Hanau – Die Covid-Pandemie nimmt niemand auf die leichte Schulter, der tagtäglich hautnah damit konfrontiert ist wie dies bei der Ärzteschaft und den Pflegekräften in den Kliniken der Fall ist. Die Dauerbelastung geht an die Substanz. Da ist ein guter Zusammenhalt wichtiger denn je.

Diese Erkenntnis hat das St. Vinzenz-Krankenhaus in Hanau jetzt zu einem ungewöhnlichen Projekt veranlasst, es ins Fernsehen gebracht und der Belegschaft in den Sozialen Netzwerken Tausende von Klicks beschert. Der Grund ist ein umgetextetes Seemannslied, mit dem das Personal des katholischen Krankenhauses sich, seinen Patienten und allen, die unter der Pandemie leiden, Mut macht und von der Hoffnung auf bessere Zeiten singt. „Bald schon wird es besser sein, mit der Impfung und mehr Sonnenschein!“, heißt es darin im Refrain.

Auf die Idee mit dem Lied kam die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Referentin der Geschäftsführung, Melanie Scharlemann. Sie hatte im Fernsehen eine Reportage über den „Wellermann-Song“ gesehen, ein Seemannlied, das einst beim Walfang angestimmt wurde, um die harte Arbeit und das Leben auf hoher See fern der Familie vergessen zu machen. Vor allem aber versicherten sich die Seemänner beim Singen gegenseitig ihrer Unterstützung und Solidarität. „Das ist genau das, was wir jetzt auch brauchen“, dachte sie sich. Und dank tatkräftiger Unterstützung gelang es ihr und ihren Mitstreiterinnen, das Projekt binnen eines Monats auf die Beine zu stellen.

Corona: „Wellermann-Song“ von Hanauer Klinik-Personal geht viral

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres haben die 76 Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit den 370 Frauen und Männern vom Pflege- und Funktionsdienst im St. Vinzenz-Krankenhaus rund 300 Covidpatienten behandelt, davon zehn Prozent auf der Intensivstation. Die Belastung war zeitweise sehr groß. Wegen Quarantänemaßnahmen oder Verdachtsfällen oder Erkrankungen in den Reihen des Personals arbeiteten die übrigen Beschäftigten besonders Ende letzten Jahres am Limit. „Alle haben in dieser Phase an einem Strang gezogen und haben überall dort mitgeholfen, wo Not an Frau oder Mann herrschte“, beschreibt Scharlemann die Situation. Und was gebe es Wichtigeres, als dass in solch schweren Zeiten alle an einem Strang ziehen.

Mit ihrem umgetexteten Seemannslied, das den Zusammenhalt beschwört und Hoffnung verbreitet, hat es die Belegschaft des Vinzenz-Krankenhauses auch ins Fernsehen geschafft.

Da erwies es sich als Glück, dass die Krankenschwester Inka Stemmler Frontsängerin der Band Nuwanda ist und sich spontan für die Idee begeisterte. Gemeinsam mit ihrem Gitarristen Claus Fischer studierte sie mit den Sängerinnen und Sängern das Lied ein, baute in der Klinik ein Tonstudio auf und sorgte für das Einspielen und das Arrangement des Songs – alles nach Dienstschluss und an den Wochenenden. „Jede Stimme, die zu hören ist, vom Solosänger bis zum Chor, ist die Stimme eines Mitarbeiters der Hanauer Klinik, sagt Stemmler stolz. Die Schwester, Pfleger und Ärzte übten zu Hause und schickten die Probeaufnahmen per Whatsapp an die Kollegin und Lehrerin.

Hanau: Klinik-Personal wird mit „Wellermann-Song“ zum Fernseh-Star

Damit der Song nicht nur zu hören ist, drehte das Klinikteam auch einen Videofilm, der in der „Hessenschau“ und bei „RTL“ zu sehen war und auf Facebook einen Tag nach dem Freischalten bereits 51.612-mal aufgerufen wurde. Entstanden waren die Videoaufnahmen binnen kurzer Zeit. Für die Aufnahme des großen Chors mit rund 50 Mitarbeitern in der Auffahrt zum St. Vinzenz-Krankenhaus, die mit Handys aus unterschiedlichen Perspektiven gedreht wurden, waren ganze 15 Minuten erforderlich. Bei den Aufnahmen auf den Klinikfluren und in den Räumen bewegten die Ärzte, Schwestern und Pfleger nur die Lippen und hielten Abstand. Den Schnitt und die Synchronisation mit den Tonaufnahmen übernahm später Scharlemanns Ehemann Olaf.

Dass sich Mitarbeiter aller Berufsgruppen und Bereiche – vom Chefarzt über die Pflege bis zu Ordensschwestern und Servicekräften – an den Aufnahmen beteiligt haben, freut Pflegedirektorin Jutta Berg genauso wie Geschäftsführer Michael Sammet.

„Der Song ist in diesen schwierigen Zeiten eine große Motivation für unsere Mitarbeiter und lässt uns den Zusammenhalt im Team noch intensiver spüren. Das gesamte Team ist sehr stolz auf dieses Projekt“, sagen sie. Erst recht stolz zeigt sich OB Claus Kaminsky, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Er kommentierte die Aktion mit den Worten „Trübsal hat noch keinem dazu verholfen, eine Krise besser zu meistern.“

Botschaft im „Wellermann-Song“ der Hanauer Klinik: Lasst Euch gegen Corona impfen

Im Beitrag, den die „Hessenschau“ über den Hoffnungssong des Vinzenz-Krankenhauses sendete, fasste der Krankenpfleger Peter Buschmann die im Song verpackte Botschaft in einem Appell zusammen: „Es gibt viele, die sich nicht impfen lassen wollen. Wir fragen uns, Leute warum? Wir machen es auch. Macht es!“

Und das ist nicht das erste Mal, dass das St. Vinzenz-Krankenhaus in Hanau in der Corona-Pandemie musikalisch Hoffnung macht. Im Dezember 2020 tanzte zu dem Hit „Jerusalema“ die halbe Welt – so dann auch die Hanauer Klinik. Das Video, das in den Sozialen Medien veröffentlicht wurde, wurde innerhalb eines Tages 28 .000-fach aufgerufen, rund 800-mal geteilt und ebenso häufig bei Facebook geliked, hieß es in einer Mitteilung des Krankenhauses. Das Video ist mittlerweile allerdings nicht mehr abrufbar, weil Warner Music, das Unternehmen, bei dem der Interpret des Liedes „Jerusalema“ Master KG unter Vertrag ist, nun Lizenzgebühren geltend gemacht hat. (Jutta Degen-Peters)

Weitere Infos

Zu sehen ist das Musikvideo auf der Facebook-Seite der Klinik und im Youtube-Kanal des St. Vinzenz-Krankenhauses.

#wellermann #vinziswellermann #vinzenzkrankenhaushanau

Rubriklistenbild: © PM

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare