Rausschmiss mit Ansage

Verstoß gegen die Corona-Regeln: Wochenmarktbeschicker erhält Platzverweis

Security-Mitarbeiter, Marktmeister und Stadtpolizisten kontrollieren auf dem Wochenmarkt die Einhaltung der Corona-Regeln. Am Mittwoch verwiesen sie einen Marktbeschicker des Platzes.
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Security-Mitarbeiter, Marktmeister und Stadtpolizisten kontrollieren auf dem Wochenmarkt die Einhaltung der Corona-Regeln. Am Mittwoch verwiesen sie einen Marktbeschicker des Platzes.

Mehrfache Ermahnungen haben ebenso wenig gefruchtet wie das wiederholte Verhängen eines Bußgeldes: Am Mittwoch (7.10.2020) war dann das Maß voll. Ein Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt in Hanau wurde vom stellvertretenden Marktmeister des Platzes verwiesen.

Hanau – Mancher Besucher auf dem Markt staunte nicht schlecht, als er Zeuge der „Räumung“ wurde. Aber Jörg Teffner, beim Ordnungsamt zuständig für den Wochenmarkt, macht eine klare Ansage: Nachdem der betreffende Marktbeschicker im Vorfeld schon mehrfach die Vorgaben schleppend umgesetzt habe, habe er jetzt einen Denkzettel verpasst bekommen. Er habe wiederholt seine Kunden ohne Mundschutz bedient und deshalb schon zweimal ein Ordnungswidrigkeitsverfahren bekommen, sagt Teffner. „Drum haben wir heute ein Zeichen gesetzt.“ Der Platzverweis, den der Beschicker gefasst hinnahm, gelte nur für den einen Tag. Sollte der Betreffende jedoch erneut zum Wiederholungstäter werden, könne man auch für mehrere Tage einen Verweis aussprechen und gegebenenfalls noch weitere Maßnahmen ins Auge fassen.

Seit in Hanau auch auf dem Wochenmarkt die Maskenpflicht gilt, wird die Einhaltung der Regeln dort von zwei (mittwochs) oder vier Securitykräften (samstags) kontrolliert. Auch der Marktmeister hat ein Auge drauf, dass jeder den Gesundheitsschutz von Kunden wie Mitarbeitern gleichermaßen im Blick hat. Er war es auch, der gestern im Auftrag der Stadt für Ordnung gesorgt hat.

Hanau möchte bei den Corona-Regelungen hart durchgreifen - Mehrere Marktbeschicker sprechen sich dafür aus

Auf den Vorfall angesprochen, erklärt Oberbürgermeister Claus Kaminsky: „Wir greifen sehr hart durch, denn wir sind darauf angewiesen, dass die Regeln auch eingehalten werden.“ Wenn jemand zuwiderhandele, sei das zum einen gesundheitsgefährdend, zum anderen im höchsten Maße unsolidarisch.

Damit spricht er den übrigen Wochenmarktbeschickern aus der Seele. Alexander Neun von der Landmetzgerei, der gerade das Flatterband vor seinem Fleisch- und Wurststand zusammenrollt, sieht das Maskentragen und die Vorkehrungen, mit denen die Beschicker an ihren Ständen und Wagen für Abstand sorgen müssen, als kleineres Übel an. „Das ist doch meine Bühne, meine Grundlage“, erklärt er und meint damit, dass er mit den Masken für den Schutz von Mitarbeitern, Kunden und seiner eigenen Person sorge. Gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig, dass man den Schulterschluss übe und zusammenhalte. Und das funktioniere in der Regel gut. Vor Neuns Stand sind Metallböcke aufgebaut, dazwischen wird das Flatterband gespannt. Das Vorbereiten koste ihn jeweils zehn Minuten, sei also nicht wirklich eine große Belastung, so Neun. Und die Tatsache, dass die Kunden nicht mehr eng gedrängt in einer Reihe vor seinem Wagen stünden, sondern jetzt in einer Schlange, bringe mehr Ruhe. „Die Schlange ist zwar etwas länger, aber wir arbeiten mit vier bis fünf Leuten hinter der Theke die Schlange ab. Der Imbissstand gegenüber lasse morgens noch die Klappe an der Hinterseite seines Wagens geschlossen, damit sich der Metzger weiter ausbreiten könne, in der Mittagszeit schränkt sich dafür Neun Platz etwas ein.

Kunden auf dem Wochenmarkt in Hanau meckern nicht über die Corona-Regeln

„Mit gutem Willen schafft man das alles“, sagt auch Elisabeth Wissel aus dem Kahlgrund, die schon zum Urgestein auf den Hanauer Wochenmarkt zählt Die Kunden meckerten keineswegs über die Regeln zum Schutz der Gesundheit, stellt sie fest. Im Gegenteil, „die meisten begrüßen sie“.

Das bestätigt auch Ursula Buxmann vom Eierstand. „das Tragen der Masken ist für uns nicht so schwierig“, findet sie. Ihre Enkelin im Krankenhaus sei da ganz anderen Belastungen ausgesetzt.

„Wir können es uns einfach nicht leisten, dass das Regeln der Masken auf dem Wochenmarkt ignoriert wird“, sagt Jörg Teffner. „Gesundheit steht schließlich über allem.“ Dem Abteilungsleiter im Ordnungsamt ist klar, dass der Verweis von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Aber Teffner findet das gut so. In diesem Falle sei eine „Tabula rasa-Maßnahme“ hoffentlich lehrreich für alle Zweifler und Zauderer.

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