Hanau

Wochenmarkt in Hanau: Was sich durch das Coronavirus verändert

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Weit weniger Menschen als sonst sind in der Hammerstraße unterwegs. Einige tragen Schutzmasken.

In Hanau lässt die Frequenz auf dem Wochenmarkt aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nach. Hamsterkäufe sind teilweise auch hier zu beobachten. Dass die Stadt die Standgebühren erlässt, ist für viele eine Erleichterung.

Hanau – An einem normalen Mittwochvormittag hat Glück, wer noch einen Parkplatz in der Tiefgarage am Marktplatz ergattert. Mittwochs ist Wochenmarkttag, die Innenstadt entsprechend voll. Gestern (18.03.2020) war das anders. 78 freie Parkplätze zeigte die Anzeigentafel bei der Einfahrt ins Parkhaus. Statt dichtem Gedränge zwischen den Marktständen mussten Kunden kaum warten, bis sie bedient wurden.

Hanau: Coronavirus macht sich auf dem Wochenmarkt bemerkbar

„Es ist auf jeden Fall weniger Kundschaft hier als normal“, sagt Stefan Fleck vom Kaffeestand Luigi. An seinen Stehtischen, die rund um den mobilen Kaffeewagen verteilt sind, haben sich dennoch einige Marktbesucher eingefunden, stehen dabei auch durchaus beieinander. „Das wird aber meiner Meinung nach nicht so weiter gehen, da werden noch drastischere Maßnahmen kommen“, ist sich der Marktbeschicker sicher.

Während manche zusammen stehen, gemeinsam Kaffee trinken, belegte Brötchen essen, gibt es auch die andere Seite. Diejenigen, die die Lage sehr ernst nehmen, die Abstand halten, die sich gegenseitig aus dem Weg gehen. Vereinzelt sieht man auch Menschen mit Schutzmasken, häufiger solche mit Einweghandschuhen.

Wochenmarkt in Hanau: Mehr Sicherheit vor Coronavirus

„Ich achte darauf, dass ich Abstand zu anderen Leuten halte, habe aber im Freien ansonsten keine Bedenken“, sagt Kerstin Stoll aus Hanau. Heute hat sie, wie immer, das gekauft, was sie benötigt. Von Hamsterkäufen hält die junge Mutter nichts. „Ich hoffe nur, dass der Wochenmarkt aufbleibt. Ich fühle mich auf dem Markt sicherer. Denn im Supermarkt fassen mehr Leute die Waren an, hier werden sie nur von den Marktbeschickern in die Hand genommen.“

Das bestätigt Alban Rexha vom Marktstand Harrys Obstecke. Auf dem Wochenmarkt, betont der Beschicker, werde die Ware ausnahmslos von den Verkäufern angefasst. „Und wir desinfizieren uns alle zehn Minuten die Hände.“ Rexha achtet darauf, dass seine Kunden nicht dicht nebeneinander stehen. „Meist sind die Leute aber von sich aus vernünftig, nehmen Rücksicht, das ist sehr schön.“

Das Angebot auf dem Wochenmarkt ist weiterhin gefragt, die Kundenfrequenz hat aber deutlich nachgelassen. Hamsterkäufe sind in einzelnen Fällen auch dort zu beobachten. 

Gaststättenbetreiber bleiben weg - Kundschaft auf dem Wochenmarkt ändert sich wegen Coronavirus

Die Gaststättenbesitzer, die normalerweise bei ihm einkaufen, seien komplett weggefallen. Dafür kaufen die anderen mehr ein. „Manche Leute übertreiben es aber“, beobachtet er. „Ich hatte heute eine Dame, die für 275 Euro eingekauft hat. Für eine vierköpfige Familie. Obst und Gemüse.“ Darüber kann Karin Münch aus Hanau nur den Kopf schütteln. Auch sie kauft nur das Nötigste. „Ich hatte heute keine Bedenken, aus dem Haus zu gehen. Ich halte Abstand zu anderen, das haben mir meine Kinder so befohlen. Außerdem gehe ich nur raus, wenn es sein muss. Zum Beispiel Gassi mit dem Hund.“ Das Geschäft, in dem sie arbeitet, musste schließen. Die Zeit nutzt sie, um die Wohnung aufzuräumen und intensiv zu putzen.

Wegen Coronavirus: Stadt Hanau erlässt die Standgebühren auf dem Wochenmarkt

Peter Krebs, Vorsitzender des Hanauer Wochenmarktvereins, bestätigt den Eindruck der Marktbeschicker. „Der Respekt vor der Ansteckung ist spürbar. Die Frequenz fehlt.“ Dass die Stadt Hanau die Standgebühren erlasse, sei ein starkes Signal. Das sei für viele Händler eine Hilfe, trotzdem zu bleiben.

Krebs selbst musste an seinem Imbiss bereits Personal reduzieren. „Normalerweise wäre es bei uns jetzt, kurz vor Mittag, voll. Jetzt kommen eigentlich die Leute zum essen, die hier in der Stadt arbeiten. Die bleiben alle weg.“

Im Supermarkt wird auf den empfohlenen Mindestabstand kaum geachtet

Nur wenige Schritte weiter, in der Hammerstraße, sind nur vereinzelt Menschen anzutreffen. Alle Bekleidungsgeschäfte sind geschlossen, an den Fensterscheiben weisen Aushänge darauf hin. Geöffnet sind nur die Cafés und ein Nagelstudio. Rund um und im Forum zeigt sich das gleiche Bild. Die Türen des innerstätischen Einkaufszentrums sind auf, die Läden größtenteils geschlossen. Nur die Gastronomie hält den Betrieb aufrecht, viel Kundschaft gibt es aber kurz vor Mittag nicht.

Anders im Supermarkt direkt am Marktplatz. Dort brummt das Geschäft. Von Abstandhalten scheinen die Kunden nichts wissen zu wollen. In den Gängen der Regale begegnen sich die Menschen dicht an dicht – und auch an der Kasse wird auf den empfohlenen Mindestabstand von anderthalb Metern kaum geachtet.

Von Kerstin Biehl

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