Max gibt Sicherheit und Selbstvertrauen

Dank Assistenzhund zurück im Leben

Hanau - Max ist immer für sie da. Er gibt ihr Sicherheit und Selbstvertrauen. Ohne Max wäre es Nina Ziegler nicht möglich, im Forum Hanau zu shoppen, in einem Café zu sitzen oder einfach nur durch die Stadt zu bummeln. Von Dirk Iding

Max ist immer an ihrer Seite. In Begleitung ihres Assistenzhundes traut sich Nina Ziegler wieder unter Menschen. Unbeschwertes Shoppen war der 40-Jährigen früher nie möglich.

Denn was für andere selbstverständlich ist, war für sie lange Zeit eine Qual. Bis Max ihr half. Max ist ein Labrador, fast drei Jahre alt und ein ausgebildeter Assistenzhund. Die 40-jährige Nina Ziegler (Name geändert) leidet unter einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), hervorgerufen durch nahezu unbeschreibliche Misshandlungen während ihrer Kindheit. Ihr Stiefvater hatte sie im Kindergartenalter fast täglich brutal geschlagen. Ihre leibliche Mutter wusste das, sah aber nur zu, schützte sie nie.

Dokumentiert hat Nina Ziegler ihre traumatischen Erfahrungen gemeinsam mit Co-Autorin Andrea Micus in dem Buch „Schmerzenskind – Aus der Hölle meiner Kindheit in ein glückliches Leben“ (Bastei Lübbe-Verlag). Für die 40-Jährige war dieser Weg ein langer – und er ist auch heute noch nicht wirklich beendet. Denn noch immer leidet Nina Ziegler unter Panikattacken. Die Auslöser können ganz banal sein: vielleicht ein Lied, eine Bemerkung oder auch nur ein Gedanke, der sie an das erinnert, was ihr als kleines Kind widerfuhr. In solchen Momenten kriecht diese unbeschreibliche Angst in ihr wieder hoch. Angst, die ihr den Atem nimmt, die sie lähmt, die sie erstarren lässt. Angst, der sie sich einfach hilflos ausgeliefert fühlt.

Max, ihr Labradorhund, spürt, wenn eine solche Panikattacke droht. Viel früher als ein Mensch es zu spüren vermag und manchmal sogar eher als es Nina Ziegler selbst spürt. Offenbar reagiert das Tier auf kleinste hormonelle Veränderungen im Körper seines Frauchens. Und dann stupst Max Nina Ziegler an, springt an ihr hoch, bellt, lenkt so Ninas Aufmerksamkeit ganz auf sich und reißt sie aus ihren trüben Gedanken. Seit fast zwei Jahren sind Nina Ziegler und ihr Assistenzhund Max ein unzertrennliches Gespann. Nachdem die Ärzte Nina Ziegler nicht mehr wirklich weiterhelfen konnten, weil sie als austherapiert gilt, stieß sie im Zuge von Inter-net-Recherchen auf Assistenzhunde für Patienten mit einer PTBS. In den USA gibt es zahlreiche Kriegsveteranen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen, denen Assistenzhunde helfen, ein zumindest einigermaßen normales Leben zu führen.

„Bei mir war es so, dass ich mich aus Angst vor meinen Panikattacken kaum noch aus dem Haus traute“, erinnert sich Nina Ziegler. Größere Menschenansammlungen waren ihr ein Graus. Eine PTBS, die nie wirklich ausheilt, führt dazu, dass der betroffene Patient äußere Reize viel intensiver wahrnimmt als andere Menschen, das Gehirn diese Reize nicht filtern kann und so mitunter massive Angstzustände und panische Reaktionen ausgelöst werden.

Nina Ziegler kaufte dann den acht Monate alten Labradorrüden Max in der Absicht, ihn zum Assistenzhund ausbilden zu lassen. „Erst ab diesem Alter erkennt man, ob ein Hund tatsächlich die charakterlichen Eigenschaften hat, die ein Assistenzhund benötigt“, weiß Ziegler. Ausgebildet wurde Max schließlich von Hundetrainerin Katie Zimmermann von der „Akademie für Assistenzhunde“ in Lindau bei Kiel. Nach einem zweieinhalbmonatigen Basistraining, bei dem der Grundgehorsam des Tieres und das Befolgen von Kommandos geschult wurden, folgte eine 16-monatige Intensivausbildung zum Assistenzhund, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse der Hundebesitzerin. Bei Nina Ziegler kommt hinzu, dass sie neben der PTBS auch an Unterzucker leidet. Im Notfall reagiert Max auch darauf, warnt durch Stupsen und Bellen, wenn ein Zuckerschock droht oder bringt sogar Medikamente und Traubenzucker.

Insgesamt 16.000 Euro hat die Ausbildung von Max gekostet. Von ihrer Krankenkasse bekam Nina Ziegler dafür keinerlei Unterstützung. Nur mit Hilfe von Spendern und Stiftungen war es ihr möglich, das zu finanzieren. Wenn sich die 40-Jährige heute außer Haus bewegt, weicht Max nicht von ihrer Seite. Da auch zu geringe Distanz zu anderen Menschen bei Ziegler Angstzustände auslösen können, ist Max unter anderem darauf trainiert, sich stets schützend zwischen sein Frauchen und Umstehende zu stellen und das Umfeld genau zu beobachten. Kommt ihr jemand zu nahe, so dass die 40-Jährige erschrecken könnte, kann es schon mal sein, dass er von dem Labrador-Rüden angeknurrt wird. Und passiert es, dass Ziegler in eine Situation gerät, die sie zu überfordern droht, dann zieht Max sie von dort sofort weg.

Max trägt, wenn die beiden unterwegs sind, stets ein blau-gelbes Leibchen, das ihn für jeden erkennbar als Assistenzhund ausweist. Zudem hat Nina Ziegler stets einen offiziellen Assistenzhundeausweis dabei, der bescheinigt, dass sie auf die Hilfe des Tieres angewiesen ist und sie deshalb auch dort mit Max Zutritt haben darf, wo Hunde ansonsten nicht erlaubt sind, beispielsweise in Geschäften, Kaufhäusern, öffentlichen Gebäuden oder Krankenhäusern. „Für mich ist Max genauso ein notwendiges Hilfsmittel wie für Gehbehinderte ein Rollstuhl“, erklärt die 40-Jährige. Gleichwohl komme es aber immer wieder einmal vor, dass man ihr wegen des Hundes zunächst den Zutritt verweigern wolle. Doch meistens lasse sich das dann schnell klären.

Max zu streicheln, wenn er „im Dienst“ ist, ist übrigens verboten, auch wenn die Versuchung groß ist. Denn das würde ihn von seiner Arbeit ablenken. Schließlich muss seine ganze Aufmerksamkeit stets seinem Frauchen gelten, für die sich ihr Leben Dank der Hilfe ihres vierbeinigen Assistenten sehr zum Positiven verändert hat.

Rubriklistenbild: © Iding

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