„Das ist für mich der schönste Beruf der Welt“

Diakoniepfarrer Bernd Laukel geht in den Ruhestand

Bernd Laukel
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Bernd Laukel

„Entpflichtet“ fühle er sich, sagte Bernd Laukel vor ein paar Wochen im Gespräch, entpflichtet von seinen Aufgaben als Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Hanau-Main-Kinzig, von der Verantwortung für über 40 Mitarbeitende, für Budget und Positionierung und vieles mehr. Das Ordinationsversprechen, das er als Pfarrer gegeben habe, das gelte selbstverständlich weiterhin.

Hanau - „Und das ist eine schöne Perspektive, dass Pfarrer sein weiter möglich sein wird.“ Selbstverständlich werde er Kolleginnen und Kollegen im Gottesdienst vertreten, werde angefragte Hilfeleistungen nicht ablehnen und weiterhin „den Menschen ein offenes Ohr und ein offenes Herz schenken.“

Über sein fast 40-jähriges Berufsleben sagt Laukel: „Pfarrer ist für mich der schönste Beruf der Welt.“ Im Spannungsfeld von Verantwortung, Verpflichtung und Freiheit folgte Bernd Laukel seiner Berufung. Stets ging es ihm darum, Menschen zu begleiten, zu fragen, was ist hilfreich. Sich selbst treu zu bleiben, seine Grundhaltung zu bewahren, das sei für ihn nicht immer einfach gewesen, auch er sei beruflich wie privat durch schwierige Phasen gegangen. In diesen Zeiten habe es viel Unterstützung erhalten, so Laukel.

Diese Erfahrungen hätten seinen Blick auf Menschen geprägt. Mit Blick auf die Gesellschaft und die Aufgabe der Diakonie stand Laukel immer für eine klare Botschaft. „Das finden nicht alle gut“, sagt er.

„Man muss sich auch selbst Gutes tun“

Laukel ist im Marburger Land geboren und aufgewachsen. Nach wie vor schätze er die einfachen, die unverstellten und ungekünstelten Dinge. Dennoch sei er Genussmensch: „Man muss sich auch selbst Gutes tun. Ich beispielsweise esse gerne und genieße auch mal ein Glas Wein.“ Dass er einmal Theologie studieren würde, das lag vor allem an den positiven Erfahrungen mit der Kirchengemeinde und dem Pfarrer seiner Jugendzeit. Nach den Studienorten Marburg, Göttingen und Tübingen folgte von 1983 bis 1985 die erste Stelle als Vikar in Wabern-Harle. Danach war er bis 2002 Gemeindepfarrer in Niederaula und Kirchhain. Es folgte die Berufung in den Vorstand des Frankfurter Diakonissenhauses und 2009 zum Geschäftsführer des Diakonischen Werks Hanau, das 2017 zum Diakonischen Werk Hanau-Main-Kinzig fusionierte.

„Leben verstehen – Wege zeigen – Handeln stärken“ ist nicht nur das Motto des Diakonischen Werkes, sondern „insofern auch mein Satz als ich ihn 2012 in unsere erste Imagekampagne eingebracht habe“, erinnert sich der Geschäftsführer. Ein Sohn, zwei Töchter und ein Pflegesohn machten die Familie Laukel schließlich komplett. Die Familie gab Halt in schwierigen beruflichen Phasen. Gleichzeitig erfuhr sie auch viel Unterstützung, als sich mit einer unheilbaren Krankheit ein früher Tod des Sohnes abzeichnete. Er freue sich nun, sagt Laukel, darauf, dass für Kinder, Enkel und Ehefrau mehr Raum zur Verfügung sei.

Er habe das Pfarramt immer diakonisch verstanden, so Laukel. Das bedeutete, offen zu sein für Anfragen. In der Gemeindearbeit galt sein erstes Interesse der Frage, wem es schlecht gehe in der Gemeinde. Bereits in den 1980er-Jahren setzte er sich für Obdachlosen-Arbeit und die ambulante Pflege in seinen Kirchengemeinden ein.

Leidenschaftlich für Profil plädiert

Der zunehmenden „Ökonomisierung des Sozialen“, die er als Geschäftsführer des Diakonischen Werkes hautnah miterlebte, stand Bernd Laukel durchaus kritisch gegenüber. So forderte er 2017 anlässlich der Fusion zum Diakonischen Werk Hanau-Main-Kinzig, „den theologischen Ort der Diakonie neu zu bestimmen, aber eben auch auf der Grundlage der dabei festgestellten Ergebnisse sowohl der unerträglichen Ökonomisierung des Sozialen einerseits wie auch einer scheinbar unaufhaltbaren Individualethik unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.“

Der Geschäftsführer plädierte leidenschaftlich für ein wirklich evangelisches Profil der Diakonie: „Entweder Kirche und Diakonie denken sehr bald gemeinsam darüber nach, wie und ob man Effizienz und Ethik neu zusammenbekommt, oder so mancher pekuniäre und inhaltliche Pleitegeier schwebt nicht nur, sondern landet auch in mancher diakonischen Einrichtung“, lautete eine Mahnung von Laukel, der sich bei seinem Handeln auch auf Martin Buber beruft und den jüdischen Religionsphilosophen zitiert: „Denn wenn einer zu dir kommt und von dir Hilfe fordert, dann ist es nicht an dir, ihm mit frommem Munde zu empfehlen: habe Vertrauen und wirf deine Not auf Gott, sondern dann sollst du handeln als wäre da kein Gott, sondern auf der ganzen Welt nur einer, der diesem Menschen helfen kann, du allein.“   cs.

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