Neustart in Corona-Zeiten

„Dein Friseur ist dran!“: Wie sich ein Laden in Hanau auf den Neustart vorbereitet

Mund-Nasen-Schutz, aber auch Handschuhe sind vorgeschrieben, wenn die Friseure wieder aufmachen dürfen. Auch wenn montags normalerweise ihr freier Tag ist, legt Friseurin Ulrike Ebeling sofort los.
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Mund-Nasen-Schutz, aber auch Handschuhe sind vorgeschrieben, wenn die Friseure wieder aufmachen dürfen. Auch wenn montags normalerweise ihr freier Tag ist, legt Friseurin Ulrike Ebeling sofort los.

Wenn am Montag die Friseurgeschäfte wieder öffnen, müssen sich Kunden und Mitarbeiter auf einige Veränderungen einstellen. Die Corona-Zeiten zwingen zu mehr Vorsicht und erhöhten Hygienemaßnahmen.

Hanau – Ulrike Ebeling, die mit ihren drei Mitarbeiterinnen ein Friseurgeschäft am Platz des Friedens in der Steinheimer Altstadt führt, hat sich akribisch vorbereitet. Doch neben dem großen Aufwand überwiegt vor allem eines: „Wir freuen uns sehr, dass wir wieder für unsere Kunden da sein können“, sagt die Geschäftsführerin. Sechs Wochen Kurzarbeit gehören dann der Vergangenheit an.

Gerade hat sich das Team zum Großreinemachen und zum Vorbereiten getroffen. „Wenn man so lange zu hat, gibt es viel Staub zu wischen“, sagt Ebeling. Doch die Auflagen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege fordern weit mehr als einmal Durchfegen: Den Wartebereich mit gemütlichen Sesseln und Zeitschriften sucht man wegen der Corona-Auflagen nun vergebens. Ebeling: „Das ist leider zurzeit nicht gestattet.“ Und die Abstände zwischen den einzelnen Friseurstühlen wurden vergrößert. „Jeder zweite Stuhl bleibt leer“, erklärt Ebeling, „damit die Mindestabstände eingehalten werden können.“

Viele Termine wurden bereits vergeben – vordringlichst an jene Kunden, die einen bereits vereinbarten Termin wegen der Geschäftsschließung nicht wahrnehmen konnten. Jeder Kunde muss mit Name, Adresse und Telefonnummer in einer Liste notiert werden, um so etwaige Nachverfolgungen sicherzustellen.

Und dann ist da natürlich der Mund- und Nasenschutz. Den tragen Kunde und Friseurin und er ist ab dem Betreten des Ladens vorgeschrieben.

Doch damit nicht genug der Auflagen: Der obligatorische Friseurumhang darf nur für einen Kunden verwendet werden und muss noch am selben Abend bei 60 Grad gewaschen werden. Im Geschäft. Eine Forderung, die der Friseurmeisterin einiges Kopfzerbrechen bereitet. „Die Umhänge vertragen diese Temperatur leider nicht gut und halten dadurch nicht so lange.“

Viele Termine sind bei Friseurin Ulrike Ebeling bereits gebucht.

Außerdem tragen die Friseure Handschuhe und dürfen nur das Haar des Kunden berühren. Alles andere ist tabu. Darunter fällt auch Bartschneiden, Wimpern zupfen oder Gesichtsbehandlungen. „Sonst würden wir dem Kunden zu nahe kommen“, sagt Ebeling. Wer also auf dem Friseurstuhl Platz nimmt, der nach jedem Kunden desinfiziert wird, sieht den Friseur nur hinter sich stehend. Doch die Liste der Auflagen ist damit noch nicht zu Ende: Vor jedem Haarschnitt muss das Haar gewaschen werden.

Eine der zentralen Forderungen betrifft auch die Anzahl der Kunden, die sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten dürfen. „Das umzusetzen erfordert großen Organisationsaufwand“, sagt Ebeling. Denn mancher Friseurbesuch dauert mit Färben bis zu zweieinhalb Stunden.

Der große Mehraufwand, ist auch mit erhöhten Kosten verbunden.. Zusätzliches Material zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen schlägt mit 2,50 Euro pro Kunde zu Buche. Wer übrigens einen Termin ausmachen möchte, muss sich gedulden. Ebeling: „Wir rechnen mit Wartezeiten bis zu drei Wochen.“

Die Regelungen verlangen von Kunden und Friseuren einiges ab. Und doch sei ein Friseurbesuch wichtig für das Wohlbefinden, betont Ulrike Ebeling. Sie berichtet von einer Kundin, die weinend um einen Termin bat oder von einem Telefongespräch, bei dem der Ehemann freudig zu seiner Ehefrau rief: „Dein Friseur ist dran!“ Ein Besuch beim Friseur ist eben mehr als nur ein Haarschnitt.

VON MATTHIAS GRÜNEWALD

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