Spargelernte in der Region

Das Edelgemüse lässt auf sich warten

Ziemlich tief graben muss Alexander Wurbs momentan noch, um einen Stangenspargel zu finden.
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Ziemlich tief graben muss Alexander Wurbs momentan noch, um einen Stangenspargel zu finden.

Das sprichwörtliche Feld ist zwar bestellt, doch der heimische Spargel ziert sich noch. Dem exklusiven Frühjahrsgemüse ist es schlicht noch zu kalt, und das Kurzzeit-Comeback des Winters in den Tagen nach Ostern wird den Beginn der Ernte weiter verschieben. Ob die nun erst in zwei Wochen oder doch schon früher losgeht: Beim Obst- und Gemüsehof Wurbs in Klein-Auheim ist man vorbereitet. Auch in Bezug auf die Unterbringung der Erntehelfer.

Hanau – Die meisten Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft kommen aus Osteuropa, etwa aus Polen oder Rumänien. Deren Unterbringung ist für die meisten Betriebe in normalen Zeiten kein großes Problem, wird in einer Pandemie allerdings zur logistischen Herausforderung. Beim Klein-Auheimer Obst- und Gemüsehof hält sich diese Herausforderung in Grenzen, wie Alexander Wurbs beim Besuch unserer Zeitung erläutert. „Wir haben schon im vorigen Jahr die Unterkünfte umgebaut und angepasst“, so der Juniorchef. Schon vor der Pandemie habe man das Personal maximal in Drei-Bett-Zimmern untergebracht, sagt Alexander Wurbs, nun schliefen die Helfer jeweils einzeln, nur Paare oder Ehepaare gemeinsam in einem Zimmer. Für den Klein-Auheimer Betrieb war der Umbau der Räumlichkeiten ein überschaubarer Aufwand – insgesamt zwölf Erntehelfer aus Polen und Kroatien werden auf den Feldern im südlichen Hanau in diesem Jahr mit anpacken. Da stünden Großbetriebe, die Container für ihre mehrere Hundert Arbeitskräfte kaufen oder mieten müssen, vor ganz anderen Herausforderungen, weiß Wurbs.

Spargel und Erdbeeren: April bis Juni ist die intensivste Zeit

Dass es meist Menschen aus Osteuropa sind, die auf deutschen Äckern schuften, liegt zum einen an der Bezahlung, zum anderen an der teils harten Arbeit. Einheimische findet man selten auf den Feldern. Selbst der Lockdown, durch den viele klassische Studentenjobs in der Gastronomie weggefallen sind, hat offenbar nichts daran geändert: Von Studenten habe zumindest sein Familienbetrieb bisher keine Jobanfragen erhalten, sagt Alexander Wurbs. Im vergangenen Jahr hatten einige Schüler bei der Erdbeerernte geholfen. Von dem Dutzend Helfer aus Polen beziehungsweise Kroatien sind sechs bereits da. Für sie gibt es auch vor der Spargelernte einiges zu tun, etwa bei den Erdbeeren und kommende Woche bei der Tomatenpflanzung, so Alexander Wurbs. Die Saisonkräfte mussten vor der Abreise nach Hanau in ihrem Heimatland einen Corona-Test machen, hier in Deutschland standen dann zunächst eine fünftägige Quarantäne und anschließend ein weiterer Test an. Auch während ihres Aufenthaltes auf dem Klein-Auheimer Hof bietet der Familienbetrieb den Helfern wöchentliche Testungen an. Die Monate April bis Juni seien, mit der zeitgleichen Ernte von Spargel und Erdbeeren, die intensivste Zeit für einen Obst- und Gemüsehof, sagt Wurbs. Da braucht es Verlässlichkeit. Rund 70 Prozent der Aushilfskräfte, die in dieser Saison auf den Feldern von Klein-Auheim arbeiten, kenne er aus dem Vorjahr, so der Juniorchef.

Verlässlichkeit in der Natur ist dagegen keine Garantie – gerade beim empfindlichen und exklusiven Edelgemüse Spargel. Möglicherweise starte die Ernte erst in zwei Wochen, prognostiziert Alexander Wurbs; wenn die Temperaturen wärmer werden, eventuell auch früher. Zwar könnte dem Spargel mit Bodenheizungen auf den Feldern auf die Sprünge geholfen werden. Das aber würde weitere Kosten verursachen. „Und jemand, dem ich im Hofladen sage, das Kilo Spargel kostet 20 Euro, der macht auf dem Absatz kehrt und kommt nicht wieder“, veranschaulicht Alexander Wurbs, warum sein Hof beim Spargel auf den Einsatz technischer Hilfsmittel verzichtet.

Also heißt es in Klein-Auheim weiter warten auf den Spargel – aber das steigert ja nur die Vorfreude.

Von David Scheck

Keine technischen Hilfsmittel: Bodenheizungen würden das Wachstum des Spargels beschleunigen. Doch darauf verzichtet der Obst- und Gemüsehof von Juniorchef Alexander Wurbs.

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