Fotobuch „Gesichter des Waldes“

Die Kamera hat sie immer dabei: Ursula Ackermann sammelt originelle Objekte

Hinter dem Gartenzaun geht Ursula Ackermann auf Schatzsuche: Manches nimmt sie mit nach Hause, andere Objekte hält sie mit der Kamera fest. „Gesichter des Waldes“ hat sie ihr Fotobuch genannt.
+
Hinter dem Gartenzaun geht Ursula Ackermann auf Schatzsuche: Manches nimmt sie mit nach Hause, andere Objekte hält sie mit der Kamera fest. „Gesichter des Waldes“ hat sie ihr Fotobuch genannt.

Bei trockenem Wetter sind Ursula Ackermann und ihr Ehemann Rolf gerne und häufig unterwegs: in der Bulau, im Großauheimer Wald, in den Streuobstwiesen oder im Gettenbacher Forst. Ihre kompakte ‚Lumix’ hat die Großauheimerin dabei immer griffbereit. Denn die naturverbundene 72-Jährige geht einem sehr außergewöhnlichem und fantasiereichen Hobby nach, zu dem sie nun ein Fotobuch mit dem Titel „Gesichter des Waldes“ gestaltet hat.

Hanau-Großauheim - Wo andere Menschen einfach nur einen Ast, einen Baumstamm oder ein Stück Holz sehen, entdeckt Ursula Ackermann Figuren, Gesichter und fantastische Wesen: zum Beispiel zwei Engel, einen Vogelkopf oder ein Krokodil.

Oft geht sie deshalb noch einmal zurück. „Oh, hoppla, da war doch ‘was“, sagt sie dann und verschwindet manchmal sogar im grünen Dickicht. Ihr Ehemann ist daran gewöhnt, dass seine Frau plötzlich kehrtmacht, doch andere Spaziergänger wundern sich nicht selten. „Was fotografieren Sie denn da?“ Diese Frage muss Ursula Ackermann hin und wieder beantworten und nicht alle, die sie fragen, können die ‚Gesichter des Waldes’ erkennen. „Man braucht schon ein wenig Fantasie“, sagte die Großauheimerin, als sie das vor wenigen Tagen fertig gedruckte Fotobuch durchblätterte und ihre Bilder erklärte. „Das ist eines meiner Lieblingsbilder. Sieht das nicht aus wie Engel und Teufel?“ Am Lohrberg in Frankfurt hat die Fotografin einen Baumstumpf entdeckt, der in bizarren Formen in den Himmel ragt. Zu vielen Bildern gibt es eine kleine Geschichte, oft erinnert sich Ackermann genau an den Tag des Fotos.

Pflanzen und Tiere haben sie schon immer interessiert, sagte Ackermann. Als junge Frau wollte sie gerne Floristin werden, hat sich aber dann für die Ausbildung zur Industriekauffrau entschieden. Das war noch in Wuppertal, später zogen Ackermanns nach Marburg und Mainz und schließlich 1974 in die Waldsiedlung nach Hanau. Hier engagiert sie sich lange Jahre in der Kleiderkammer des DRK und hilft 2015/16 in der August-Schärttner-Halle bei der Ankunft der Flüchtlinge.

Ihre japanische Steckkunst stellt Ackermann regelmäßig bei der Frankfurter Buchmesse aus, aber auch zu anderen Anlässen wie hier im Schlosspark in Heusenstamm zum Tag des offenen Denkmals.

Was sie zu Beginn als tiefste Provinz empfunden hatte, möchte Ursula Ackermann heute nicht mehr missen. „Wir haben uns sehr an die Natur hier gewöhnt.“ Unmittelbar hinter Haus und Garten fängt der Großauheimer Wald an, Rotkehlchen und Sperlinge, Eichhörnchen und Fledermäuse sind für Ackermann gern gesehene Nachbarn. Bestimmungsbücher zu Flora und Fauna füllen ein ganzes Regal, darunter auch Pilzführer. Pilze nehmen Ackermanns auch gerne mit nach Hause, ebenso wie auffällig gemaserte Holzstücke oder besonders geformte Zweige. Auch verwachsene Rebstockwurzeln lässt die Hanauerin selten liegen.

„Ikebana ist meine zweite große Liebe. Die erste ist mein Mann.“, sagt Ackermann. Seit über 40 Jahren ist die japanische Blumensteckkunst ihr Hobby und hat sie nicht mehr losgelassen. „Zwei Blätter, drei Blüten und ein Rebholz – mehr braucht man nicht.“ Sie selbst ist eine „Sogetsu-Ikebanistin“, die überwiegend mit natürlichen Materialien arbeitet. Als Mitglied der Gruppe ‚Ikebana International Frankfurt Chapter’ nimmt sie regelmäßig an Ausstellungen und Weiterbildungen teil. Die 30 Frankfurter Ikebanisten gestalten jährlich den Japan-Stand der Frankfurter Buchmesse.

Einfacher Baumstumpf oder Tierfigur? Ackermann sieht die Natur mit anderen Augen, in diesem Bild hat sie ein Krokodil entdeckt.

Zu den Höhepunkten zählt die Ausstellung im Schlosspark in Heusenstamm am Tag des offenen Denkmals 2018 und ein Workshop in La Palma 2010. „Aus jedem Material kann man ein Ikebana machen,“ erklärte Ackermann. Und so staunte der Busfahrer nicht schlecht, an welchen Orten diese Touristengruppe während der Rundfahrt ausstieg und was sie an Fundstücken gesammelt hatte. Auch das Hotel wurde anschließend in eine Ikebana-Ausstellung verwandelt. Ein Thema, ein Ort oder eine Aufgabe beflügelt die Fantasie der Ikebanisten in besonderer Weise.

Weil die regelmäßigen Treffen zurzeit nicht stattfinden, tauscht die Frankfurter Gruppe Anregungen und Ideen über die sozialen Medien aus. Ursula Ackermann selbst ist Ikebana-Lehrerin, doch auch sie lernt immer wieder etwas Neues dazu.

„So fügt sich eins zum anderen“ meinte sie. Direkt hinter ihrem Gartenzaun beginnt für Ursula Ackermann eine Welt voller Motive und Objekte. „Als in der Nachbarschaft renoviert wurde, konnte ich beigefarbene Fliesen aus dem Abraum mitnehmen.“ Mit einem Schälchen im selben Farbton war die Grundlage für ein Weihnachts-Ikebana gelegt, das Ackermann ihrem Kurs als Aufgabe stellte. Das bislang beste Fundstück aber stammt aus Madeira, ein rund geschliffenes Treibholz, das Ursula Ackermann an „Maria mit dem Kind“ erinnert. (Von Ulrike Pongratz)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare