OB-Wahl in Hanau

Die Kandidaten im Porträt: Ein Spaziergang mit Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) durch die Altstadt

Den Freiheitsplatz hat Claus Kaminsky als Treffpunkt für den Spaziergang ausgewählt – „weil dort viel zusammenkommt“, sagt er, „Handel, Kultur, Mobilität oder der Übergang von Alt- und Neustadt.“
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Den Freiheitsplatz hat Claus Kaminsky als Treffpunkt für den Spaziergang ausgewählt – „weil dort viel zusammenkommt“, sagt er, „Handel, Kultur, Mobilität oder der Übergang von Alt- und Neustadt.“

In der Brüder-Grimm-Stadt steht am Sonntag, 14. März, nicht nur die Kommunalwahl auf der Agenda, sondern auch die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters oder einer neuen Oberbürgermeisterin. Neben Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) buhlen mit Jens Böhringer (CDU), Anja Zeller (Grüne), Sven Zinserling (parteilos), Gerhard Stehlik (parteilos), Jochen Dohn (Die Linke) und Meysam Ehtemai (AfD) sechs weitere Kandidaten um Wählerstimmen. In dieser Woche stellen wir Ihnen die Bewerber, mit denen wir uns auf einen Spaziergang getroffen haben, in alphabetischer Reihenfolge im Porträt vor. Heute begleiten wir Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) durch die Altstadt.

Hanau – Wer mit Claus Kaminsky im Gespräch durch die Innenstadt läuft, muss damit rechnen, dass es immer mal wieder einen kurzen Stopp gibt. Einmal will ein ehemaliger Taxifahrer Hallo sagen, dann grüßt im Vorbeigehen eine Gruppe Jugendlicher, später hält der Fahrer eine Krankentransporters auf ein paar Worte an, ebenso eine Gruppe Handwerker. Kaminsky ist bekannt in Hanau – und offenbar weithin beliebt. Der amtierende Rathauschef gilt als haushoher Favorit bei der OB-Wahl.

Dass ein solches Gespräch zur erneuten Kandidatur stattfinden würde, war vor gut einem Jahr nicht abzusehen. Im Gegenteil. An Weihnachten 2019 sei er „klar entschieden“ gewesen, sagt Kaminsky, dass er nicht mehr zur Wahl antritt. Wenige Wochen später wollte er das der SPD-Spitze mitteilen. Doch dann kam der rassistische Anschlag vom 19. Februar 2020, dann kam Corona. Kaminsky, so sieht er es wohl, konnte und wollte das Ruder nicht aus der Hand, die Verantwortung für seine Stadt nicht abgeben. Nicht in dieser Ausnahmesituation.

Claus Kaminsky ist seit 2003 im Amt

„Keine Stadt ist so getroffen worden“ wie Hanau in den letzten Monaten – durch den 19. Februar und durch Corona, sagt er. Für Kaminsky war klar, dass er seine Stadt auch durch schwere Fahrwasser lenken wird. „Wer sonst?“, lautet die unausgesprochene Frage.

Unterwegs in der Hanauer Altstadt: Claus Kaminsky im Gespräch mit Redakteur Christian Spindler.

Bisher stand Kaminsky für einen in dieser Form noch nie da gewesenen Innenstadt-Umbau, für die Konversion von 340 Hektar Militärflächen und für ein beachtliches Wachstum Hanaus. 2003, mit Beginn seiner ersten Amtszeit als Oberbürgermeister, hatte die Stadt 88 700 Einwohner. Heute sind es 99 400.

Über 14 000 Abonnenten auf Facebook

Ob 19. Februar oder Corona – Kaminsky kann auch Krise, so soll die Botschaft in der aktuellen Situation lauten. In einem Wahlvideo sagen viele mehr oder minder bekannte Bürger nur das: „Claus Kaminsky. Stark für Hanau“. So lautet der Slogan der OB-Wahlkampagne. Der Name des Rathauschefs ist zur poltischen Marke geworden. Seit 25 Jahren ist Kaminsky hauptamtlich politisch in seiner Heimatstadt tätig. „Wenn man da noch viel erklären müsste und der Name nicht zu einer Marke geworden wäre, was dann...?“, sagt er dazu.

SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament, ab 1995 hauptamtlicher Bürgermeister, seit 2003 Oberbürgermeister, 2009 und 2015 wieder gewählt – das sind die Stationen in Kurzform. Im Jahr 2000, als Kaminsky seine erste OB-Wahl äußerst knapp gegen Amtsinhaberin Margret Härtel (CDU) verlor, hatte er einen für Hanau neuen, professionellen Wahlkampf-Stil eingeführt. Den betreibt er bis heute. Erst recht in Corona-Zeiten ist er auch im Internet allenthalben präsent. Allein auf Facebook hat er 14 100 Abonnenten, auf Instagram 6800. Oberbürgermeister ähnlich großer Städte bringen es nur auf einen Bruchteil dessen.

Hanaus OB Kaminsky gilt als Favorit

Wofür steht Kaminsky in seiner Selbsteinschätzung? Es sei sein Anspruch, sagt er, „dass Hanau nach jeder Wahl etwas besser dasteht als vorher – sei es sozial, ökologisch, wirtschaftlich und bei den Finanzen“. Und es sei sein Anspruch, auch unerwartete und unabsehbare Entwicklungen zu bewältigen. „Die Überwindung der Folgen der Corona-Pandemie“, das werde auch nach der Wahl im Fokus stehen. „Wir müssen jetzt ranklotzen, damit Hanau gut aus den Startlöchern kommt.“ Und es müssten Dinge, die begonnen worden sind, wie etwa der Bau großer Wohngebiete oder die Pläne zum Schlossplatz-Umbau zu Ende geführt werden. Dabei gelte es stets, „die Finanzen in Ordnung zu halten.“ Und: Nach dem 19. Februar werde es umso mehr auch „um den Zusammenhalt in der Stadt gehen.“

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Kaminsky wohl weitere sechs Jahre amtieren wird. Ob er am 14. März aber gleich im ersten Wahlgang durchmarschiert, ist angesichts von sieben OB-Kandidaten fraglich, auch wenn ihm das freilich am liebsten wäre. Aber das mit der Favoritenrolle hört er eigentlich gar nicht so gern, weil es dadurch nicht leichter wird, die eigenen Anhänger zu mobilisieren. Was wäre sein zweitliebster Beruf nach Oberbürgermeister? Sommelier, sagt Kaminsky. Daraus wird wohl nichts mehr. Aber seine Liebe zu gutem Wein, das Interesse an Reben, dem Ausbau oder der Historie von Weingütern wird das nicht schmälern. Vor allem Weiße aus dem Rheingau haben es ihm angetan, in jüngster Zeit außerdem feine Roséweine aus Frankreich. „Da hat mich meine Frau darauf gebracht.“ (Von Christian Spindler)

Hier finden geht es zu den Porträts von Jens Böhringer (CDU), Jochen Dohn (LINKE), Meysam Ehtemai (AfD), Dr. Gerhard Stehlik (parteilos), Anja Zeller (Grüne). und Sven Zinserling (parteilos)

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