OB-Wahl in Hanau

Die Kandidaten im Porträt: Im Schlossgarten mit Sven Zinserling (parteilos)

Gelassen und gut gelaunt – Sven Zinserling kandidiert als Parteiloser für den Hanauer OB-Posten.
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Gelassen und gut gelaunt – Sven Zinserling kandidiert als Parteiloser für den Hanauer OB-Posten.

In der Brüder-Grimm-Stadt steht am Sonntag, 14. März, nicht nur die Kommunalwahl auf der Agenda, sondern auch die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters oder einer neuen Oberbürgermeisterin. Neben Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) buhlen mit Jens Böhringer (CDU), Anja Zeller (Grüne), Sven Zinserling (parteilos), Gerhard Stehlik (parteilos), Jochen Dohn (Die Linke) und Meysam Ehtemai (AfD) sechs weitere Kandidaten um Wählerstimmen. In dieser Woche stellen wir Ihnen die Bewerber, mit denen wir uns auf einen Spaziergang getroffen haben, in alphabetischer Reihenfolge im Porträt vor. Heute spazieren wir mit Sven Zinserling (parteilos) durch den Schlossgarten.

Hanau – Im Schlossgarten, sagt Sven „Seven“ Zinserling, habe er schon öfter Drehtermine für Film- und Fernsehproduktionen gehabt. Schön sei es hier, und deshalb habe er den Ort für den Spaziergang zum Oberbürgermeisterkandidatenporträt vorgeschlagen. Erst am Tag zuvor ist der Schauspieler von einem Drehtermin aus der Schweiz zurückgekommen.

Dass Zinserling vor der Kamera Profi ist, zeigen die zahlreichen Wahlvideoposts auf seiner Facebook-Seite. Ungekünstelt, offen und spontan spricht er da über das, was in Hanau aus seiner Sicht falsch läuft und nimmt dabei auch kein Blatt vor den Mund. „Ich bin einfach so, wie ich bin, ehrlich und direkt, sage immer was ich denke, egal ob es den anderen passt oder nicht.“ Dabei bleibt der gebürtige Erfurter stets seiner positiven, gelassenen Lebenseinstellung treu. Der Buddhismus, zu dem er während seiner Zeit in Thailand konvertiert ist, trägt sein Übriges dazu bei.

Traumatisches Erlebnis beim Tsunami in Thailand

Politisch ist der 51-Jährige, der mit acht Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Hanau gekommen ist, bis zum Bekanntwerden seiner OB-Kandidatur noch nicht in Erscheinung getreten. Bekannt dürfte er manchen dennoch sein, nicht nur als Schauspieler, auch als „Currywurst-Seven“. Während seiner Zeit in Thailand, wo er sich als Tauchlehrer, Poolboy und Gastronom verdingte, machte sich der gelernte Hotelfachmann vor allem durch Berichte in den privaten Fernsehsendern einen Namen.

Doch nicht immer herrschte bei „Seven“, wie er von den Thais liebevoll genannt wurde, eitel Sonnenschein. Zinserling er- und überlebte den Tsunami in Thailand. „Ich war gerade mit einer Gruppe beim Tauchen. 25 Minuten Schleudergang, beide Arme ausgekugelt, schwere Gehirnerschütterung. Uns hat die Welle voll erwischt und bestimmt drei Kilometer mitgezogen“, beschreibt er das traumatische Erlebnis.

Seit acht Jahren zurück in Hanau

Zinserling blieb, trotz der großen psychischen Belastung, die diese Naturkatastrophe für die Überlebenden nach sich zog. Half beim Wiederaufbau. Gründete einen Kindergarten für 120 Waisenkinder. Erst als die Tsunami-Waisenkinder alle ihren Schulabschluss gemacht hatten und es unter dem neuen thailändischen König wirtschaftlich ohnehin nicht mehr so gut lief, kehrte Zinserling Thailand den Rücken.

Beim Spaziergang durch den Schlossgarten erläutert Sven Zinserling HA-Redakteurin Kerstin Biehl, was aus seiner Sicht in Hanau falsch läuft.

Nach 18 Jahren Auslandsaufenthalt mit Stationen in Ägypten, Spanien, USA, Bali und Thailand kam der Weltenbummler vor acht Jahren in die Brüder-Grimm-Stadt zurück – und war erschrocken. „So viel hatte sich zum Negativen verändert. Da habe ich den Entschluss gefasst, als Oberbürgermeister zu kandidieren. Um es besser zu machen.“ Ein bürgernaher, positiver Oberbürgermeister möchte er sein. Deshalb ist auf den Wahlkampf-Flyern seine Telefonnummer veröffentlicht. „Ich habe teilweise bis nachts um eins mit Leuten gesprochen. Oder über Messenger geschrieben. Die Leute haben sich ausgekotzt, über das, was in Hanau alles schief läuft.“

Neue Firmen für Hanau durch niedrigere Gewerbesteuer

Einer Partei habe er sich nicht anschließen wollen: „Ich bin einfach kein Mitläufer.“ Nach den Chancen auf den OB-Posten gefragt, kann sich Zinserling bei seiner Antwort „Ich pack’ das“ ein lautes Lachen nicht verkneifen. Dennoch, mit seinem Wahlslogan „Politik mal ganz anders“ ist er davon überzeugt, Wähler für sich gewinnen zu können.

Zur Person

Name: Sven Zinserling

Geburtsort: Erfurt

Alter: 51

Familienstand: verheiratet

Beruf: Schauspieler

Hobbys: Bowlen, Reisen, Autofahren

Politisches Vorbild: Franz Josef Strauß

„Als OB würde ich zunächst mal die Gewerbesteuer senken, neue Firmen nach Hanau holen und etwas gegen das Aussterben der Innenstadt unternehmen. Auch die Preise in Parkhäusern würde ich senken. Und definitiv nicht noch mehr Barbershops zulassen“, sagt er. Als weiteres wichtiges Thema nennt Zinserling den sozialen Wohnungsbau. „Wir haben doch die Möglichkeit gehabt mit Pioneer. Das wäre perfekt gewesen.“ In der City würde er auf Busse mit Wasserstoffantrieb setzen und eine Begegnungsstätte für Rentner schaffen, „denn für viele ist ein Café als Treffpunkt zu teuer.“

Zinserling möchte beim „Plakatwahnsinn“ nicht mitmachen

Ideen hat Zinserling en masse, zählt weiter eine Zusammenlegung kultureller Veranstaltungen mit Frankfurt und Offenbach auf, um mehr Publikum nach Hanau zu ziehen.

Den Plan, sich täglich mit einem Wahlkampftisch auf den Marktplatz zu setzen, um mit den Hanauern ins Gespräch zu kommen, konnte er wegen der Pandemie nicht realisieren. „Jetzt habe ich Flyer verteilt, denn den Plakatwahnsinn mache ich nicht mit, ich bin dafür lieber auf Facebook und YouTube aktiv.

Sein Wunsch für Hanau? „Die Leute sollten gelassener sein und sich nicht über alles aufregen.“

Mit dem heutigen Porträt über Sven Zinserling endet unsere Reihe „OB-Kandidaten im Gespräch“.(Von Kerstin Biehl)

Hier geht es zu den Porträts von Jens Böhringer (CDU), Jochen Dohn (Die Linke), Meysam Ehtemai (AfD) und Claus Kaminsky (SPD) und Dr. Gerhard Stehlik (parteilos) und Anja Zeller (Grüne)

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