OB-Wahl in Hanau

Die Kandidaten im Porträt: Mit Anja Zeller (Grüne) am Mainufer

Im Grünen, wo sonst? Anja Zeller zählt das Mainufer zwischen der Hanauer Rudergesellschaft und dem Ruder-Club Hassia zu ihren Lieblingsplätzen in Hanau.
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Im Grünen, wo sonst? Anja Zeller zählt das Mainufer zwischen der Hanauer Rudergesellschaft und dem Ruder-Club Hassia zu ihren Lieblingsplätzen in Hanau.

In der Brüder-Grimm-Stadt steht am Sonntag, 14. März, nicht nur die Kommunalwahl auf der Agenda, sondern auch die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters oder einer neuen Oberbürgermeisterin. Neben Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) buhlen mit Jens Böhringer (CDU), Anja Zeller (Grüne), Sven Zinserling (parteilos), Gerhard Stehlik (parteilos), Jochen Dohn (Die Linke) und Meysam Ehtemai (AfD) sechs weitere Kandidaten um Wählerstimmen. In dieser Woche stellen wir Ihnen die Bewerber, mit denen wir uns auf einen Spaziergang getroffen haben, in alphabetischer Reihenfolge im Porträt vor. Heute besuchen wir mit Anja Zeller (Grüne) das Mainufer.

Hanau – Das Rudern habe sie mittlerweile aufgegeben, sagt Anja Zeller, darauf angesprochen, gleich zu Beginn unseres Gespräches. Den Wassersport hatte sie 2017 noch als eines ihrer Hobbys angegeben, als sie für die Grünen im Wahlkreis für den Deutschen Bundestag kandidierte. Dennoch hat sie sich als Treffpunkt für das Interview, das Corona-geeignet als Spaziergang an der frischen Luft stattfindet, den Main auf Höhe des Ruder-Clubs Hassia ausgesucht.

Das Mainufer zwischen der Hassia und der Hanauer Rudergesellschaft zählt zu Zellers Lieblingsorten in der Brüder-Grimm-Stadt.

Zeller will „Klima-Bürgermeisterin für Hanau“ werden

Es ist ein idyllischer Ort, mit viel Grün – auch wenn davon im Februar noch nicht wirklich viel zu sehen ist. Aber die Nähe zur Natur passt: Anja Zeller hat sich die „klassischen“ grünen Themen auf die Fahnen geschrieben. Die Leitungswassertrinkerin, wie sie sich auf einem Wahlflyer bezeichnet, und Radfahrerin, die alle Weg in der Brüder-Grimm-Stadt mit dem Fahrrad zurücklegt, setzt sich für bessere Radwege zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen sowie den Nachbarkommunen ein. Sie will Solartankstellen auf Hanaus Dächern („Ich sehe viele leere Dächer in Hanau“) und klimaneutrale Feste und Veranstaltungen. Beruflich hat die studierte Kunsthistorikerin, die auch eine Ausbildung zur Goldschmiedin absolviert hat, als Leiterin der Stabsstelle für Nachhaltige Strategien bei der Stadt Hanau bereits mit den Themen Klimaschutz beziehungsweise Nachhaltigkeit zu tun.

Zur Person

Name: Anja Zeller

Geburtsort: Stuttgart

Alter: 49

Familienstand: ledig

Beruf: Leiterin der Stabsstelle Nachhaltige Strategien der Stadt Hanau

Hobbys: Bärlauch sammeln, lesen, wandern, schwimmen

Politisches Vorbild: Jutta Ebeling, Katja Dörner

Die 49-Jährige will „Klima-Bürgermeisterin für Hanau“ werden, so steht es auf vielen ihrer Wahlplakate. „Das ist natürlich angelehnt an den Begriff Klima-Kanzlerin“, erläutert Zeller. Politisch orientiert sie sich eher an anderen als Angela Merkel: „Mein Vorbild ist Boris Palmer.“ Der gilt nicht nur in den eigenen Parteireihen ja als durchaus streitbar, unter anderem wegen seiner Äußerungen über Flüchtlinge. Sei Engagement für den Klimaschutz hält Zeller aber für stark. Und außerdem geradezu „vorbildlich“: Palmer ist seit nunmehr 14 Jahren in Tübingen Oberbürgermeister.

Entschluss für die Kandidatur reifte bereits vor zwei Jahren

Oberbürgermeisterin – Zeller wäre in der langen Geschichte der Stadt Hanau erst die zweite Frau in diesem Amt, und die erste Rathauschefin aus den Reihen der Grünen noch dazu. In klassischen Studentenstädten wie Freiburg oder Tübingen sind grüne Rathauschefs längst nicht Außergewöhnliches mehr. Eine große Zahl an Studenten fehlt Zeller freilich als Wählerbasis in Hanau. Dennoch will sie eine Wechselstimmung in der Bevölkerung wahrgenommen haben, sagt sie. In der ohnehin warmen Rhein-Main-Region spürten die Menschen den Klimawandel, ist sie überzeugt. Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die sogenannte Übersterblichkeitsrate von rund sechs Prozent, die es im August des Vorjahres aufgrund der außergewöhnlichen Hitze in Deutschland gegeben hatte. Klimaschutz sei kein „nice to have“, sondern vorsorgendes Krisenmanagement. Und so müsse auch die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise auf nachhaltige Weise stattfinden.

Anja Zeller will den hauptamtlichen Hanauer Magistrat – derzeit eine Männerriege – weiblicher machen.

Bereits vor zwei Jahren sei bei ihr der Entschluss gereift, anzutreten. Und Zeller sieht sich nun, seitdem alle Kandidaten feststehen, bestätigt: Bei sechs männlichen Bewerbern sorge sie als einzige Frau für Abwechslung. So hätten die Wähler die Chance, den Magistrat nicht nur grüner, sondern auch weiblicher zu gestalten. „Es gibt schließlich auch viele Frauen in der Verwaltung“, bemerkt die gebürtige Baden-Württembergerin, die 1992 nach Hanau kam.

Ziele wurden immer ambitionierter

Auf der politischen Bühne kann man Anja Zeller als Spätstarterin bezeichnen, erst mit Anfang 40 kam das Interesse daran. Und das, obwohl sie in einer politisch denkenden Familie aufwuchs, ihr Vater Tillmann Zeller war jahrzehntelang für die SPD seiner Heimatregion engagiert. „Ich hatte andere Träume“, sagt Tochter Anja.

Deren Ziele wurden dann umso ambitionierter: 2016 Wahlkampfmanagerin der Grünen bei der Kommunalwahl, dann selbst auf der Liste und seitdem Mitglied der Grünen-Fraktion im Kreistag, 2017 schließlich Kandidatin für die Wahl zum Deutschen Bundestag. Die 6,1 Prozent, die Zeller vor vier Jahren für sich verbuchen konnte, reichten freilich nicht für den Sprung nach Berlin. Doch darum ging es wohl auch gar nicht. „Ich habe das auch gemacht, um zu üben“, sagt die 49-Jährige. Reden halten, an Podiumsdiskussionen teilnehmen und dort souverän agieren – „das fiel mir nicht so leicht“. War 2017 also die Generalprobe für den großen Auftritt 2021? „Natürlich will ich gewinnen“, sagt Zeller selbstbewusst, auch wenn vielleicht nicht die hundertprozentige Überzeugung dahintersteckt. Ins Hanauer Stadtparlament einziehen wird Zeller wohl so oder so – wenn nicht als Teil des Magistrates, dann aufseiten der Stadtverordneten: Sie steht auf Platz eins der Grünen-Liste. (Von David Scheck)

Hier geht es zu den Porträts von Jens Böhringer (CDU), Jochen Dohn (Linke), Meysam Ehtemai (AfD), Claus Kaminsky (SPD), Gerhard Stehlik (parteilos) und Sven Zinserling (parteilos)

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