OB-Wahl in Hanau

Die Kandidaten im Porträt: Mit Jochen Dohn (Die Linke) unterwegs in Mittelbuchen

Jochen Dohn vor dem Obertor in Mittelbuchen. Der älteste Hanauer Stadtteil, der im Jahr 798 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist seit 2004 die Heimat des Linken-Kandidaten und dessen Frau.
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Jochen Dohn vor dem Obertor in Mittelbuchen. Der älteste Hanauer Stadtteil, der im Jahr 798 erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist seit 2004 die Heimat des Linken-Kandidaten und dessen Frau.

In der Brüder-Grimm-Stadt steht am Sonntag, 14. März, nicht nur die Kommunalwahl auf der Agenda, sondern auch die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters oder einer neuen Oberbürgermeisterin. Neben Amtsinhaber Claus Kaminsky (SPD) buhlen mit Jens Böhringer (CDU), Anja Zeller (Grüne), Sven Zinserling (parteilos), Gerhard Stehlik (parteilos), Jochen Dohn (Die Linke) und Meysam Ehtemai (AfD) sechs weitere Kandidaten um Wählerstimmen. In dieser Woche stellen wir Ihnen die Bewerber, mit denen wir uns auf einen Spaziergang getroffen haben, in alphabetischer Reihenfolge im Porträt vor. Heute geht es mit Jochen Dohn (Die Linke) weiter.

Hanau/Mittelbuchen – Jochen Dohn hat als Treffpunkt das Obertor in Mittelbuchen vorgeschlagen. Im ältesten Hanauer Stadtteil wohnt der OB-Kandidat der Linken seit 2004. Auf der Suche nach einer Wohnung ist er mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Carmen dort fündig geworden. Später haben sie hier ein Haus gekauft. Dohn schätzt den dörflichen Charakter.

„Obwohl viele zugezogen sind, gibt es eine andere Mentalität als in Hanau.“ Näher, persönlicher, so beschreibt er es. Der enge Kontakt zu den Nachbarn, das sei im ländlichsten Hanauer Ortsteil doch etwas anderes als in der Kernstadt.

Politische Laufbahn begann bei den Grünen

Nach Stationen als Industriekaufmann (Ausbildung bei Degussa) und Sozialarbeiter (bei der Gesellschaft für Wirtschaftskunde und beim Familien- und Jugendhilfeverein Sprungbrett in Hanau) arbeitet Dohn seit 2008 hauptberuflich für Die Linke. Als Wahlkreismitarbeiter ist er für die Landtagsabgeordneten Saadet Sönmez und Hermann Schaus tätig: in den Büros in Offenbach, Dietzenbach, Hanau und Friedberg. Im Lockdown arbeitet Dohn meist von zuhause aus.

Seine politische Laufbahn hat bei den Grünen angefangen. Auslöser war sein Engagement gegen die geplante Müllverbrennungsanlage in Hanau Ende der Neunzigerjahre. „Weil die Grünen als einzige dagegen waren, bin ich dort gelandet.“ Lange blieb er nicht in der Ökopartei, trat wegen des Kosovo-Krieges wieder aus. Weil aber die Hanauer Grünen dazu eine andere Position hatten und „eher links standen“, kandidierte Dohn 2001 auf deren Liste für die Kommunalwahl – und rückte später in die Stadtverordnetenversammlung nach. Nach der Gründung der Linkspartei gab er sein Grünen-Mandat ab und rief zusammen mit Ulrike Hanstein, ehemals SPD, die Hanauer Linke ins Leben. Für ihn, so sagt er, war die Partei angesichts der politischen Lage die einzige Alternative. Als Schlagwörter nennt er den Kampf für den Frieden, gegen Armut und die Hartz-Gesetze.

Politisches Engagement hatte Dohn gefehlt

Nach 13 Jahren als Stadtverordneter zog sich Dohn 2015 aus der Lokalpolitik zurück. 2016 trat Die Linke nicht mit einer eigenen Liste für das Gremium an, sondern mit der Alternativen Linken Liste (ALL). Die Einbindung verschiedener linker Kräfte habe aber letztlich nicht gut funktioniert, resümiert Dohn. Jetzt startet Die Linke mit ihm als Spitzenkandidaten für die Stadtverordnetenversammlung einen neuen Versuch.

Spaziergang durch die Altstadt: OB-Kandidat Jochen Dohn im Gespräch mit Redakteurin Katrin Stassig.

Darauf angesprochen, gibt er offen zu, dass ihm das lokalpolitische Engagement gefehlt hat. Im Parlament galt er seinerzeit als Redner mit den meisten Wortbeiträgen. Nachdem er sein Mandat abgegeben hatte, schrieb er regelmäßig Leserbriefe. Er verfolgte die Berichterstattung über die Parlamentsbeschlüsse und hatte den Eindruck, dass die nicht kontrovers genug diskutiert wurden. „Ich dachte, da muss doch jemand noch mal was anderes zu sagen. Deshalb musste ich viele Leserbriefe schreiben.“

Wahlkampf in Pandemie-Zeiten sei „nicht schön“.

In der nächsten Legislaturperiode will er wieder mitreden. Drei Mandate im Stadtparlament sind das Ziel. Die OB-Kandidatur sei dem doppelten Wahltermin geschuldet. Obwohl sich Dohn keine realistischen Chancen auf dieses Amt ausrechnet, soll Die Linke bei beiden Wahlen präsent sein – zumal der Wahlkampf durch Corona erschwert wird.

ZUR PERSON

Name: Jochen Dohn

Geburtsort: Hanau

Alter: 48

Familienstand: verheiratet

Beruf: Industriekaufmann und Diplom-Sozialarbeiter; zurzeit Mitarbeiter der Landtagsabgeordneten Sönmez und Schaus (Die Linke)

Hobbys: aktiver Sportzuschauer und Marzipanfan

Politisches Vorbild: keines

Wahlkampf in Pandemie-Zeiten sei „nicht schön“. Eine kleine Partei sei darauf angewiesen, mit den Menschen persönlich ins Gespräch zu kommen. Soziale Medien könnten das kaum ersetzen. „Ich sitze jeden Tag stundenlang da dran, aber glaube nicht, dass man die Leute auf diesem Weg erreicht.“

Zeitpunkt der Kreisfreiheit ist in Dohns Augen „zu früh“

Bezahlbares Wohnen und Klimaschutz (Stichwort: Bodenversiegelung) sind für den 48-Jährigen die wichtigsten Themen für Hanau in den nächsten Jahren. Abgesehen von der Kreisfreiheit: „Die wird kommen“, ist er sicher, hält aber den Zeitpunkt (1. Januar 2022) für zu früh. Auch die Inklusion an Hanauer Schulen will Dohn weiter vorantreiben.

Als Eishockey- und Fußballfan gilt seine Sympathie den Frankfurter Löwen und dem SV Werder Bremen. Er hat früher selbst Fußball gespielt – beim TSV 1860 Hanau, dem ersten Verein von Rudi Völler. Das große Idol wechselte damals nach Bremen. Dohn blieb auch später Fan dieser Mannschaft. (Von Katrin Stassig)

Hier finden Sie die Porträts von Jens Böhringer (CDU), Meysam Ehtemai (AfD), Claus Kaminsky (SPD), Dr. Gerhard Stehlik (parteilos) und Anja Zeller (Grüne) und Sven Zinserling (parteilos)

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