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Die Lämmer sind da

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Von: Kerstin Biehl

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Das sind Lisi und Böckchen – die beiden Lämmer der Rasse Texel wurden am 15. und 19. März geboren. Zaghaft knabbern sie an den ersten Grashalmen.
Das sind Lisi und Böckchen – die beiden Lämmer der Rasse Texel wurden am 15. und 19. März geboren. Zaghaft knabbern sie an den ersten Grashalmen. © Patrick Scheiber

Zaghaft knabbert Lisi am hellgrünen Grashalm. So recht zu schmecken scheint ihr das Grünzeug noch nicht. Kein Wunder, das kleine Lamm ist gerade einmal vier Wochen alt. Noch ist die Muttermilch von Mama Lotte das Nahrungsmittel Nummer 1. Böckchen hingegen, obwohl um gut eine Woche jünger, beißt da schon herzhafter ins Grünzeug.

Region Hanau - Die beiden Lämmer leben auf dem Langenselbolder Weinberg. Sie gehören zur Tierschar von Familie Kunkel-Valenteijn, die dort auch noch Pferden, Hühnern, Hund und Katz sowie Fischen und Meerschweinchen eine Heimat gibt. „Wir lieben Tiere und Platz genug haben wir hier auch“, sagt Peter Kunkel. Zwar hätte sein jüngster Sohn Michel „am liebsten eine ganze Schafherde“, doch momentan beschränkt sich die Anzahl der Schafe auf drei – plus die beiden Lämmer. „Und im Mai bekommen wir wahrscheinlich noch einmal Nachwuchs, auch das dritte Schaf scheint trächtig zu sein.“

Die juvenilen Schafe waren eine morgendliche freudige Nachricht. „Wir hatten zwar damit gerechnet, dass sie trächtig sind, aber den genauen Geburtstermin wussten wir nicht“, sagt Johanna Valenteijn. „Es war eine Überraschung am Morgen, wie ein Osternest“, erzählt Sohn Paul. Der Neunjährige und auch sein älterer Bruder Paul helfen bei der Tierpflege gerne mit.

Lisi und Böckchen sind dabei nicht die ersten Lämmer, die bei den Kunkels zur Welt kamen. Schon im vergangenen Jahr durfte sich die Selbolder Familie über Nachwuchs freuen. Dabei schaffen es die Lämmer ganz alleine auf die Welt, ein menschliches Eingreifen ist nicht nötig.

„Wir haben pflegeleichte Gesellschaft gesucht“

Doch wie sind die Kunkels eigentlich aufs Schaf gekommen? Johanna lacht. „Die erste Begegnung mit dieser Rasse hatten wir im Urlaub auf Texel“, der namensgebenden Insel dieser Rasse. Sie seien fasziniert gewesen von den lustigen, zur Seite abstehenden Ohren, dem lieben Blick und der Mundform, die aussehe, als würden die Schafe grinsen. Gedanken darüber, sich diese Schafe selbst anzuschaffen, verloren sie damals aber noch nicht. Bald darauf mussten die gelernten Metzger, die zudem Viehwirtschaft betreiben und ihre Produkte in ihrem Selbolder Hofladen direkt vermarkten, den Verlust einer Mutterkuh beklagen. Zurück ließ diese ein männliches Kälbchen, Luka. Die Kunkels zogen es mit der Flasche groß. Der Ochse stand später zusammen mit zwei Pferden. Doch diese wurden verkauft und Ochse Luka litt fortan unter der Einsamkeit. „Er war wirklich sehr traurig“, erinnert sich Johanna Valenteijn. „Also haben wir für ihn eine pflegeleichte Gesellschaft gesucht. Da kamen wir auf die Texel-Schafe, die wir ja ohnehin ins Herz geschlossen hatten und haben einen Schafbock gekauft.“ Allerdings ist kurze Zeit darauf der Ochse verstorben, sodass dann wiederum der Bock unter Einsamkeit litt. „Und so kamen vorletztes Jahr drei weitere Schafe dazu“, lacht Peter Kunkel.

Die Schafe leben im Stall und auf der Wiese, können selbst bestimmen, wann sie rein, wann raus wollen. „Auch Regen kann den Schafen nicht viel anhaben, wegen des Wollfetts werden sie im Grunde gar nicht nass“, so Peter Kunkel. Dennoch seien die Paarhufer bei schlechtem Wetter dankbar für einen trockenen, winddichten Stall. Zu fressen bekommen sie im Winter Heu, im Sommer laben sie sich an den Wingerte-Wiesen und zusätzlich gibt es ein wenig Kraftfutter oder Getreide, vor allem dann, wenn die Muttertiere trächtig sind und säugen. Ein Salzmineralleckstein garantiert zudem die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen. „Dann müssen sie noch regelmäßig entwurmt werden, die Klauen müssen ausgeschnitten werden. Ansonsten sind Schafe recht pflegeleicht“, sagt Johanna Valenteijn.

Nächstes Jahr soll ein Bock kommen

Ums Scheren kümmert sich die Familie selbst. Einmal im Jahr kommt die Wolle ab. „Damit warten wir, bis die Nachtfröste aufhören, also nach den Eisheiligen im Mai“, sagt Johanna Valenteijn. Zwar könne man beobachten, dass die Schafe aufgrund der Dichtheit der Wolle an heißen Tagen ganz schön ins Schwitzen kommen, doch zum Schutz vor Kälte sei es ratsam, mit dem Schertermin noch ein wenig zu warten. Die Schafswolle bekommt dann übrigens die Nachbarin zum Düngen ihrer Beete.

Für den Sommer plant Familie Kunkel-Valenteijn, einen Bock dazu zu holen. Er soll den Nachwuchs zum Osterfest im kommenden Jahr sicherstellen.

Von Kerstin Biehl

Noch werden die Lämmer von ihren Müttern Lotte und Susi gesäugt.
Noch werden die Lämmer von ihren Müttern Lotte und Susi gesäugt. © -
Familie Kunkel freut sich über den Nachwuchs, der sich noch etwas scheu gibt.
Familie Kunkel freut sich über den Nachwuchs, der sich noch etwas scheu gibt. © -

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