Polizei unterbesetzt

Hanau: OB kritisiert massive Mängel in Polizei-Organisation – „Ich bin fassungslos“

Die nun öffentlich gewordene Unterbesetzung der Polizeistation Hanau I kritisiert OB Kaminsky scharf. Archivfoto: Dag
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Die nun öffentlich gewordene Unterbesetzung der Polizeistation Hanau I kritisiert OB Kaminsky scharf. Archivfoto: Dagmar Gärtner

In Hanau werden gravierende Missstände bei der Polizei aufgedeckt. Oberbürgermeister Kaminsky übt scharfe Kritik.

Hanau - „Ich bin fassungslos und gleichzeitig maßlos wütend“, greift Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Mitteilung die jüngst bekannt gewordenen, eklatanten organisatorischen Missstände bei der Hanauer Polizei auf und wirft den politisch Verantwortlichen vor, „hier die Sicherheit von rund 100.000 in unserer Stadt lebenden Menschen sehenden Auges aufs Spiel gesetzt zu haben“.

Denn trotz aller Forderungen aus den Reihen der Polizei nach mehr Personal und besserer Technik sei nichts an den prekären Umständen verbessert worden. Am Mittwoch und Donnerstag waren weitere Teile des staatsanwaltlichen Gutachtens zu den polizeilichen Abläufen während der Nacht des 19. Februars 2020 bekannt geworden. An diesem Abend waren neun Menschen mit ausländischen Wurzeln Opfer eines rassistisch motivierten Attentats geworden. Danach tötete der Täter mutmaßlich seine Mutter und sich selbst.

Hanau: „Die Sicherheit unserer Bürger aufs Spiel gesetzt“

Dass der Notruf in der fraglichen Nacht in Hanau ungenügend besetzt gewesen ist, hatten unter anderem Recherchen unserer Zeitung ergeben. Was die Staatsanwaltschaft jetzt in akribischer Sorgfalt herausgearbeitet habe, belegt nach Ansicht von Kaminsky jedoch „unvorstellbare Mängel in der gesamten Organisationsstruktur der Polizei“. Anlass für deren Untersuchung war die Anzeige des Vaters von Vili-Viorel Paun gewesen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sein Sohn mit seinem Notruf in der Nacht des Terroranschlags nicht bei der Polizei durchgekommen war.

Wie Kaminsky weiter laut Mitteilung sagt, gab es in der Vergangenheit auch immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung dahingehend, dass die Polizeidirektion in der Brüder-Grimm-Stadt augenfällig unterbesetzt gewesen sei. „Offensichtlich musste nach der Zusammenlegung der Polizeipräsidien Hanau und Offenbach unsere Stadt spürbar zurückstecken, wenn es um die technische und personelle Ausstattung ging“, sieht er eine deutliche Schwächung des Standortes, die seither trotz aller Anhaltspunkte nie kompensiert wurde.

Hanau habe „spürbar zurückstecken“ müssen

„Wie wir heute wissen, sind in einer regulären Schicht der Polizeistation Hanau 1 nur sieben Beamte im Dienst. Schon diese Besetzung ist für das Gebiet der Innenstadt, Kesselstadt und Mittelbuchen zu wenig“, macht der Hanauer OB deutlich, dass die Beamten vor Ort seit vielen Jahren die schwierige Aufgabe zu bewältigen hatten, einen dauerhaften Mangel an Personal zu verwalten. In der fraglichen Nacht seien dann noch drei Polizeikräfte abgezogen worden, um bei einer Bombenentschärfung in Zeppelinheim zu unterstützen. „Ich frage mich ernsthaft, wer ist für einen solch taktischen Unfug zuständig und wer hat diese Entscheidung zu verantworten?“, so Kaminsky und ergänzt: „Ich will gar nicht wissen, wie oft in der Vergangenheit schon solch brenzlige Situationen heraufbeschworen wurden, ohne dass es einer mitbekommen hat, einfach, weil wir Glück hatten und alles gut gegangen ist.“ (das)

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