Armin Kurtovic, Vater des ermordeten Hamza, zu Kasseckert

„Diese Kaltschnäuzigkeit löst bei uns Erschauern aus“

Armin Kurtovic hat seinen Sohn Hamza bei dem rassistisch motivierten Anschlag verloren. Acht weitere junge Menschen wurden dabei erschossen. ARCHIV
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Armin Kurtovic hat seinen Sohn Hamza bei dem rassistisch motivierten Anschlag verloren. Acht weitere junge Menschen wurden dabei erschossen. ARCHIV

In die hitzige Debatte um den unzureichend besetzten Polizei-Notruf in der Anschlagsnacht sowie den verschlossenen Notausgang hat sich nun Armin Kurtovic zu Wort gemeldet. Er ist Vater des am 19. Februar ums Leben gekommenen Hamza. Mit einem Brief wendet er sich an den CDU-Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert, der für Innenminister Peter Beuth (CDU) in die Bresche gesprungen war.

Hanau - Kurtovic schreibt in seinem Brief: „Ich wende mich an dieser Stelle nochmals an die Presse, weil die Situation mich und meine Familie erdrückt und den Schlaf raubt. Ich hatte nicht vor, die Aussagen von Kasseckert zu kommentieren, da sie in ihrer Kaltherzigkeit eigentlich für sich sprechen. Nach einigen Tagen des Überlegens komme ich aber nicht darum, doch ein paar Sätze zu sagen. Ich habe mein Kind verloren. Ich kämpfe für meinen Jungen. Schon im Sommer hat mich die Aussage von Herrn Kasseckert irritiert, dass wir zur Normalität zurückkehren sollen. Welche Normalität soll es für uns geben? Dass Herr Kasseckert dann aber vor wenigen Tagen nachlegt, einzig und alleine um seinen Parteifreund Peter Beuth zu schützen, ist mehr als geschmacklos.

Die Aussagen von Herrn Kasseckert bezüglich der Notruf-Thematik sind erschütternd. Ich musste mich fragen, ob er das wirklich ernst meint. Der Notruf ist da, damit er die Bürger dieses Landes unterstützt. Unsere Jungs haben ihr Leben am Kurt-Schumacher-Platz verloren, und Herr Kasseckert stellt Mutmaßungen und Relativierungen auf. Welches Vertrauen soll der Bürger dieser Stadt haben, wenn sie immer Angst haben müssen, die Polizei im Notfall nicht erreichen zu können? Diese Kaltschnäuzigkeit von Herrn Kasseckert löst bei uns Erschauern aus. Ausdrücklich möchten wir uns bei dem Landtagspräsidenten Herrn Boris Rhein bedanken. Er war sehr empathisch, hat immer ein offenes Ohr und hat eine sehr würdige Veranstaltung für uns durchgeführt. Des Weiteren möchte ich mich ausdrücklich bei Frau Dr Leikert für ihre Unterstützung bedanken. Da dürfen sich die Herren Beuth und Kasseckert gerne ein Beispiel daran nehmen. Vielleicht hat Herr Kasseckert auch vergessen, für was das C in seiner Partei steht?

„Endlich politische Verantwortung für Fehler übernehmen“

Mir, meiner Familie und allen Angehörigen rauben jedenfalls die Frage, wie unsere Kinder ihr Leben verloren haben und ob sie eine Chance gehabt hätten, zu überleben, wenn auch die Politik ihren Job gemacht hätte, bis zum heutigen Tag den Schlaf.

Ich wünsche diese Situation, die wir durchleben, nicht meinem größten Feind. Alles, was ich mir wünsche, ist Respekt und dass endlich politische Verantwortung für Fehler übernommen wird. Es bringt mir meinen Jungen nicht zurück, es würde mir aber die Chance geben, vielleicht irgendwann wieder mal in Ruhe zu schlafen.“

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