Ehemaliges Großauheimer Lichtspielhaus abgerissen

Mit Brikett zum Kinovergnügen

Ganze Arbeit hat der Abrissbagger in der Großauheimer Hauptstraße 8 geleistet. Dort stand einst das „Lichtspielhaus Lotz“, einer der wichtigen kulturellen Treffpunkte nach dem Krieg.
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Ganze Arbeit hat der Abrissbagger in der Großauheimer Hauptstraße 8 geleistet. Dort stand einst das „Lichtspielhaus Lotz“, einer der wichtigen kulturellen Treffpunkte nach dem Krieg.

Großauheim - Als vor einigen Tagen der Abrissbagger anrückte und den rückwärtigen Teil der Immobilie in der Hauptstraße 8 dem Erdboden gleichmachte, verschwand damit auch ein kleines Stück Großauheimer Geschichte aus dem Ortsbild.

Denn einst war dieses Haus einer der kulturellen Treffpunkte des Ortes. Daran erinnert der Heimat- und Geschichtsverein Großauheim. In einem noch nicht veröffentlichten Kapitel seiner Kindheits- und Jugenderinnerungen beschreibt Berthold Herbert auch, wie nach Kriegsende zunächst lediglich ein Lichtspielhaus in der Hauptstraße für Unterhaltung sorgte. Da das „Uniontheater Kleinschmidt“ in der Hauptstraße 24 von den Amerikanern beschlagnahmt wurde, blieb der deutschen Bevölkerung nur das Lichtspielhaus Lotz in der Hauptstraße 8. Das Kino beschreibt Berthold Herbert als „immer knallvoll“. Drei ausverkaufte Vorstellungen am Sonntag – beginnend mit einer Kindervorstellung – zeigten überwiegend unsynchronisierte amerikanische Filme oder alte Vorkriegsfilme. Es stand eine riesige Menschentraube vor der noch geschlossenen Kassentür, wurde diese geöffnet, überrannten sich die Neugierigen. In den ersten Jahren unmittelbar nach dem Krieg musste man neben einer Kinokarte auch noch ein Stück Holz oder einen Brikett mitbringen, um das Kino heizen zu können.

Der Andrang führte dazu, dass auch noch eine 22 Uhr Vorstellung überwiegend mit Cowboy- und Kriminalfilmen eingeführt wurde. Als 1951 der Film „Die Sünderin“ Hildegard Knef nackt zeigte, wurden mit weißer Farbe Parolen gegen diesen Film auf die Straße gemalt. Dr. Bertold Picard schreibt in seinem Buch „So alt wie die Bulau“, dass das Kino nach 1918 aus einer Gastwirtschaft hervorgegangen war, die Ende des 19. Jahrhunderts aus einer winzigen Branntweinschänke gewachsen war. 1876 wird an die ebenerdige „Goldene Rose“ ein großer Saalanbau angefügt und 1902 wird das später aufgestockte Ziegelsteingebäude von der Familie Lotz an der Hauptstraße gebaut. Das hervorragend besuchte Gasthaus mit einem wunderschönen Garten ermöglichte, besonders im Saal, Tanzveranstaltungen, Feierlichkeiten und Versammlungen. Bis 1933 war es ein bevorzugtes Lokal der Sozialdemokraten und Kommunisten. Meist aber wurde der Saal ab 1918 und verstärkt ab 1927 als Lichtspielhaus genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg hieß das Lichtspielhaus nach seinem Betreiber Grün.

Flammen im Klassenzimmer

Flammen im Klassenzimmer

Flammen im Klassenzimmer
Flammen im Klassenzimmer
Flammen im Klassenzimmer
Flammen im Klassenzimmer
Flammen im Klassenzimmer

Mit Einführung des Fernsehens sanken die Besucherzahlen und 1968 schloss das Lichtspielhaus Lotz-Grün. 1980 wurde aus dem Kino Kleinschmidt Hauptstraße 24 der nun ebenfalls geschlossene Schlecker. Dieser Tage nun wurde die Rückseite des Anwesens Hauptstraße 8 abgerissen. Damit sind die Spuren eines langjährigen Vergnügungszentrums in Großauheim verschwunden: Das Schlachthaus und der Saalbau, der später zum Kino wurde, das Vorführerhäuschen und die Lagerräume, die später noch einem Supermarkt dienten. Die Familie Lotz betreibt seit 1953 das Gasthaus Ratskeller im der Krotzenburger Straße 6.

did

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