Klein-Auheimer Ärztin Dr. Ursula Korff-Fox engagiert sich bei Auslandseinsätzen

Ehrenamtlich unterwegs: Sie hilft Menschen in Kenia

Mit Hilfe eines Handbuchs bereitet sich die Klein-Auheimer Ärztin Dr. Ursula Korff-Fox auf ihren Aufenthalt in Kenia vor.
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Mit Hilfe eines Handbuchs bereitet sich die Klein-Auheimer Ärztin Dr. Ursula Korff-Fox auf ihren Aufenthalt in Kenia vor.

Am Freitag geht es los für Dr. Ursula Korff-Fox. Auf direktem Weg bringt sie der Flieger nach Nairobi, Kenia. Dort wird die 67-jährige Allgemeinmedizinerin sechs Wochen im Auftrag von German Doctors medizinische Hilfe leisten.

Hanau- Es ist nicht der erste ehrenamtliche Auslandseinsatz für die ehemalige Hausärztin. Bereits 2019 hat sie über die Organisation medizinische Hilfe in Indien geleistet. Eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte. Die ihr Leben bereichert habe. Und bei der sie, umgekehrt, so viel habe geben können. Deshalb packt sie jetzt erneut ihre Koffer.

„Ich habe vor zwei Jahren in meiner Praxis in Klein-Auheim aufgehört, hatte aber weiterhin Lust, medizinisch tätig zu sein. Ohne das ganze Administrative. Hinzu kommt mein schon immer da gewesenes Interesse an anderen Ländern und Sitten“, erzählt sie. Wenn es möglich gewesen wäre, wäre sie schon viel früher mit den German Doctors in die Welt aufgebrochen, um Hilfe zu leisten. „Aber das ging nicht. Bis man als Mediziner erst mal den Facharzt hat, das dauert eine Weile. Dann kam die eigene Praxis und die Kinder, drei Söhne. Es war immer genug zu tun, und dadurch gab es keine Möglichkeit, ins Ausland zu gehen“, sagt die gebürtige Nordrheinwestfälin.

Gelassenheit im Gepäck

Seit 1984 lebt Korff-Fox in Klein-Auheim, kam damals mit ihrem Mann hierher, den es beruflich in die Rhein-Main-Region verschlagen hatte. Gefragt, ob Mann und Kinder ihre Auslandseinsätze unterstützten, lacht die Ärztin. „Sie tragen das mit, lassen mich machen. Und legen da auch eine gewisse Gelassenheit an den Tag. Genauso wie ich es tue. Anders kann man einen solchen Einsatz nicht angehen. Denn das Leben vor Ort, wie ich es in Indien kennengelernt habe, und wie es jetzt in Kenia sein wird, ist ein komplett anderes.“

Die Organisation German Doctors ist im weitesten Sinne vergleichbar mit Ärzte ohne Grenzen, wobei diese meist in direkten Krisengebieten tätig sind und die dort engagierten Ärzte in längeren Einsätzen sind. „Wir German Doctors hingegen sind nur sechs Wochen vor Ort. Wir kümmern uns um die Versorgung der Ärmsten der Armen, sind direkt in den Slums in kleinen Ambulanzen, die man sich allerdings anders vorstellen muss als eine Praxis in Deutschland. In Indien haben wir in einer kleinen Praxis, einer Hütte, praktiziert, da lief auch mal eine Maus durchs Zimmer, Insekten waren normal. Es gab in fast allen Ambulanzen kein fließend Wasser. Zimperlich darf man da nicht sein.“

Ein Mitarbeiter der German Doctors läuft durch den Slum von Athi River. Den Ärzten wird immer auch ein einheimischer Dolmetscher zur Seite gestellt. ARCHIV

In Kenia sollen die Umstände besser sein, so Korff-Fox. Athi River heißt das Projekt und auch die Stadt, in dem sich die Ärztin ab Samstag engagieren wird. 70 000 Menschen, hauptsächlich junge Familien, leben in den umliegenden Slums des Projektstandortes. Vorwiegend ohne Strom, Abwassersystem, Kühlschrank oder sanitäre Anlagen hausen die Menschen in Wellblechhütten entlang des Flusses. Ein großes Problem: Der Zugang zu sauberem Wasser und die damit verbundenen Erkrankungen.

Die Ambulanz der German Doctors bietet den bedürftigen Menschen die dringend notwendige basismedizinische Versorgung. „Ich werde dort zusammen mit einem anderen deutschen Arzt arbeiten. Einheimisches Personal unterstützt uns, auch beim Dolmetschen. Es gibt sogenannte Clinical Officers, ein Zwischending zwischen Krankenschwester und Arzt, welche auch selbst behandeln dürfen. Eine kleine Apotheke und ein kleines Labor gibt es auch. Generell werden die Einheimischen, vor allem Frauen sehr in das Projekt einbezogen und gefördert, haben auch die Möglichkeit, eine Ausbildung dort zu machen“, sagt Korff-Fox. Es gehe darum, Vertrauen zu schaffen in Kontinuität. „Deshalb spielen die Dolmetscher eine so wichtige Rolle. Sie sind die Dauerbezugsperson für die Patientin, auch wenn der Arzt nach sechs Wochen wechselt. Wir wollen präventiv arbeiten. Den Leuten einen Weg zu einem gesünderen Leben, trotz der schwierigen Bedingungen, aufzeigen. Auf Augenhöhe. Das Ziel ist es, sich letztendlich auch abkömmlich zu machen, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Menschen sich alleine helfen können. Also Hilfe zur Selbsthilfe.“

Korff-Fox wurde im Rahmen eines Wochenendseminars am Tropeninstitut in Würzburg und an einem weiteren Wochenende auf einem Seminar bei den German Doctors auf ihren Aufenthalt vorbereitet. Zudem hat sie ein dickes Handbuch und ausführliche projektbezogene Informationen zur Vorbereitung bekommen.

Fünf Tage Arbeit, zwei Tage Pause

Die Arbeit in den Einsatzgebieten beschreibt die Ärztin als körperlich anspruchsvoll. Zudem gelte es, sich an die anderen klimatischen Bedingungen anzupassen. „In Indien hatten wir zum Beispiel einen gemeinsamen Raum zum Essen und teilten uns die sanitären Anlagen. Es gab keine Klimaanlage. Manche Kollegen haben wegen der Hitze sogar im Medizinlager geschlafen, weil das gekühlt war“, erinnert sie sich. „Man muss einfach eine gewisse Gelassenheit haben, um diese Einsätze zu machen.“

Fünf Tage in der Woche arbeiten die German Doctors, zwei Tage haben sie zur freien Verfügung. „Da hat man schon die Möglichkeit, etwas von Land und Leuten zu sehen. Wobei ich nicht weiß, wie es nun mit Corona sein wird.“ Korff-Fox selbst ist gegen Covid geimpft und berichtet, dass es auch in Kenia derzeit eine Art Lockdown gibt. Zudem eine Maskenpflicht. (Von Kerstin Biehl)

Weitere Infos: Wer die Arbeit der German Doctors unterstützen möchte, kann dies mit einer Geldspende auf folgendes Konto tun: IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20

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