„Zusammen“ von Mirjam Wolf entstand unter dem Eindruck des 19. Februars

Hanauer Lied für den Zusammenhalt

„Es hat gut getan, den Song mit vertrauten Musikern einzuspielen“: Mirjam Wolf mit Stefan Kreuscher, Burkhard Rieger und Esther Wolff (von links).
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„Es hat gut getan, den Song mit vertrauten Musikern einzuspielen“: Mirjam Wolf mit Stefan Kreuscher, Burkhard Rieger und Esther Wolff (von links).

„Auch ein Jahr nach dem Anschlag fällt es schwer, die eigenen Gedanken, die Trauer und die Wut in Worte zu fassen“, sagt Mirjam Wolf. Dennoch ist es der Musikerin und Schauspielerin, die Teil des Ensembles der Brüder-Grimm-Festspiele ist, geglückt, in ihrem Lied unter dem Titel „Zusammen“ Solidarität und Mitgefühl musikalisch zum Ausdruck zu bringen.

Hanau - Es ist ihr Debüt als Singer- und Songwriterin. Auf dem Freiheitsplatz sitzen wir mit Maske und auf Distanz in der Märzsonne. Mirjam Wolf erzählt die Geschichte des Liedes und wir gehen in Gedanken zurück zum 19. Februar und zu den Tagen nach dem Anschlag, die selbst ein Jahr danach unvergessen sind, unfassbar bleiben und heute noch traurig machen.

Texter und Freund Jens Helmig drückte der Sängerin und Schauspielerin damals, kurz nach dem Anschlag, Liedzeilen in die Hand. Die Hanauerin nahm sich der Zeilen an, komponierte zum Text eine Art Rohentwurf, war aber letztlich nicht zufrieden. „Es passte nicht so richtig. Der Text schien eher für einen Poetry Slam geeignet“, meint sie rückblickend und so wanderte der Entwurf in die Schublade.

„Mussten feststellen, dass es kaum passende Lieder gibt“

Erst ein knappes Jahr später sollte sie sich wieder daran erinnern und den Entwurf hervorholen. Die Paul-Hindemith-Musikschule (PHM) plante einen musikalischen Friedensgruß zum Jahrestag des Anschlags. „Es ist ein schwieriges Thema und wir mussten feststellen, dass es kaum passende Lieder gibt“, sagt Wolf, die an der PHM Gesang unterrichtet. „Da fiel mir der Text von Jens wieder ein und mir war klar, ich hatte ein Lied in der Schublade, das genau für diesen Zweck geschrieben worden ist. Zusätzlich zur Arbeit mit meinen Schülerinnen widmete ich mich wieder meinem eigenen Lied und beim zweiten Anlauf fügten sich die Teile zusammen.“

Für den Gesang musste sie allerdings eine Struktur erarbeiten und eine Wiederholung, einen Refrain einfügen. Inhaltlich war der Musikerin wichtig, nicht im Klagen zu verharren, im Dunkeln zu bleiben, sondern es sollte auch hoffnungsvoll sein. „Und passend zum Titel haben viele Menschen zusammen mit angepackt, um den Song auf den Weg zu bringen. Ich komponierte die Melodie und brachte sie mit den Textzeilen von Jens Helmig in Einklang. Mit meiner Schwester Esther Wolff wurde die Form des Liedes festgelegt, Stefan Kreuscher ergänzte noch einige Akkorde und half beim Arrangieren“, so Wolf.

Dank an alle Unterstützer

Lucas Schobert vom KUZ Hanau half kurz entschlossen, die Aufnahme zu realisieren. Ihm ist es zu verdanken, dass die Aufnahmen überhaupt möglich waren. Schobert stellte die Verbindung zu United Power Fields und zum Drahtwerk Hanau her. „Wir machten die Aufnahmen in der Woche, in der alle draußen auf dem Eis waren“, sagt Mirjam Wolf. „Auch im Drahtwerk war es eiskalt.“ Ihr Dank gilt deshalb Alexander Heinrich, der spontan nicht nur seine warmen Räume, sondern auch gleich das passende Klavier für die Ton- und Videoaufnahmen zu Verfügung stellte. Christian Rindermann, verantwortlich für Kamera und Schnitt, traf dann mit seiner sensiblen Bildsprache genau den richtigen Ton.

Zusammenhalt – so lautete die Maxime in Sachen Musik. Neben dem Gesang von Mirjam Wolf wird der Song von Stefan Kreuscher am Bass, Burkhard Rieger am Klavier und Esther Wolff an der Gitarre getragen. „Alle Genannten haben ihren Teil dazu beigetragen und das Lied weiterentwickelt“, blickt Mirjam Wolf dankbar zurück. Die Aufnahmen, unter großem Zeitdruck entstanden, sind nicht im Tonstudio aufgenommen worden. Mit dem authentischen Live-Take sei sie dennoch sehr zufrieden. Auch die positiven Rückmeldungen, die Mirjam Wolf erfahren hat, tun gut. Das Lied helfe, den 19. Februar leichter zu ertragen, meinte eine Nachbarin. Mehr kann ein Lied wohl nicht erreichen.

„Musik ist ein Anker“

„Es war richtig, das zu machen. Gerade in schweren Zeiten ist Musik ein wichtiger Anker“, ist die Sängerin überzeugt. Künftig wird man sicher noch das eine oder andere Lied von ihr hören, doch als einsame Singer--Songwriterin mit Gitarre sieht sich die vielseitige Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Sängerin nicht. „Es hat gut getan, den Song mit vertrauten Musikern einzuspielen.“ Mit dem Trio Esprit de Paris steht Mirjam Wolf seit zwei Jahren auf der Bühne und auch ihre anderen musikalischen Projekte wird sie fortsetzen.

Infos im Internet:

facebook.com/watch/live/?v=175569060720387&ref=watch_permalink

youtube.com/watch?v=EEnIYvq9Zzo

Von Ulrike Pongratz

Mirjam Wolf ist in Hanau vor allem bekannt als Darstellerin bei den Brüder-Grimm-Festspielen, wie 2018 in „Dornröschen“. Archivfoto: Kalle Meyer

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